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Asiatische Aktien China bleibt noch für Jahre die Nummer eins

05.11.2009 ·  Khiem Do, Chefstratege für den asiatischen Raum der britischen Fondsgesellschaft Barings redet gern von der Anlageregion Asien. China bleibt auf Jahre der Schlüsselmarkt und ziehe die anderen Märkte mit. Nur Japan könne man getrost vergessen.

Von Martin Hock
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Khiem Do redet gern über Asien. Das war nicht immer so, räumt der Chefstratege für den asiatischen Raum der britischen Fondsgesellschaft Barings ein. Vor zehn Jahren fiel ihm das Gespräch über dieses Thema erheblich schwerer. Doch seitdem habe sich die Position des Kontinents in der Welt fundamental verändert. Asien sei nicht mehr ausschließlich vom Wachstum der Weltwirtschaft abhängig, vielmehr sei die Region zum Antreiber geworden.

Zwei Faktoren sind für den gebürtigen Vietnamesen ausschlaggebend. Zum einen die finanzielle Stärke der einst hoch verschuldeten Volkswirtschaften, die nunmehr zum größten Kreditgeber der Welt herangereift seien. Zum anderen fällt immer das Stichwort Demographie. Denn während das Überaltern der Bevölkerung vor allem Europa zunehmend vor Probleme stellt, sei deren Struktur in Asien deutlich gesünder und damit das wirtschaftliche Wachstumspotential viel größer.

„China ist der Schlüssel“

Außer in Japan. „Vergessen Sie Japan“, sagt Do. „Der Staat ist hochverschuldet, die Bevölkerung altert. Wie soll sich da noch etwas bewegen?“ Und auch China schneidet hier auf lange Sicht schlecht ab. Das ist die späte Rache der Ein-Kind-Politik, die die jüngere Generation ausgedünnt hat. Aber noch ist das für Khiem Do ein Thema von Morgen.

„China ist der Schlüssel“, sagt er, wenn er von Asien spricht. Das Wachstum sei phantastisch, und Sorgen, dass dies einem ineffizienten Einsatz billigen Kapitals geschuldet sei, hat er nicht. Wenn dies so wäre, so hätte sich dies in einem deutlicheren Ansteigen der faulen Kredite, höherer Inflation, vor allem aber in einem Handelsbilanzdefizit bemerkbar machen müssen. Doch immer wieder überrasche das Land aufs Neue mit Überschüssen. Dies verdanke es vor allem günstigen Produktionskosten aufgrund seiner Größenvorteile.

In den kommenden fünf bis zehn Jahren bleibe China jedenfalls die wichtigste Anlageregion auf dem asiatischen Kontinent. Später werde das Wachstum nachlassen, weil dann die großen Infrastrukturaufgaben bewältigt seien, aber auch weil das übermäßig niedrige Zinsniveau ansteigen werde. Noch sei die Sparquote hoch und das Kapital billig. Das werde sich ändern, doch sei dies erst in 10 bis 20 Jahren ein Thema.

Niedriger Konsum ist kein Problem

Von der derzeitigen Entwicklung Chinas profitierten auch die ressourcenstarken ASEAN-Staaten wie Indonesien, Malaysia oder Vietnam. „China kauft überall Ressourcen“, sagt er. Natürlich gebe es derzeit immer noch eine gewisse Exportabhängigkeit der Region gegenüber Europa und den Vereinigten Staaten. Und ja, der private Konsum in China sei verhältnismäßig niedrig.

Aber erstens weil der Dienstleistungssektor statistisch nur unzureichend erfasst sei. Zweitens verzerre das deutliche Wohlstands- und Konsumgefälle von Ost nach West das Bild. Die Einzelhandelsumsätze seien zuletzt um 15 Prozent gestiegen, wer könne da von niedrigem Konsum sprechen? Drittens absorbiere der Infrastrukturausbau noch einen großen Teil des Volkseinkommens und überhaupt - wer könne sagen, wie hoch die Konsumquote sein müsse? Zudem sei China an einem Punkt der Einkommensentwicklung, an dem die Chance auf einen enormen Anstieg des Konsums bestehe.

Blasenbildung nur vereinzelt

China bleibt daher seine bevorzugte Anlageregion. Die Aktien seien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auch verhältnismäßig preiswert, im Gegensatz etwa zu Indien, das mit einem KGV von 17 bis 18 sehr teuer sei, so dass Barings hier sehr selektiv anlege. Demgegenüber bevorzugt er die ASEAN-Staaten, die im ASEAN Frontier Fund gebündelt sind, der zu rund 40 Prozent in Singapur, und zu rund 20 Prozent in Indonesien investiert ist.

Die Existenz von Vermögenspreisblasen, vor denen die Weltbank am Mittwoch warnte, bestreitet Do nicht. Doch handele es sich derzeit nur um isolierte Phänomene in China, Hongkong und anderenorts. Diese gebe es im Wettbewerb um hoch seltene Immobilienstandorte. Auch bei der Eröffnung des Wachstumssegments GEM in Hongkong habe man Übertreibungen beobachten können. Im allgemeinen aber liege die Bewertung der Aktien- und Immobilienmärkte immer noch im historischen Durchschnitt.

Angleichung der Volatilität

Dass deutsche Privatanleger bisweilen zurückhaltend gegenüber Investments in Asien sind, weil ihnen die Region zu wenig vertraut ist und zu fern liegt, und ihnen die Kursbewegungen an den Börsen in Schanghai und Shenzen suspekt sind, dafür bringt Do durchaus Verständnis auf. Aber die Wahrnehmung ärgert ihn. Teuer und volatil seien nur die Börsen im chinesischen Mutterland.

An der Börse in Hongkong, an der Barings grundsätzlich investiere, wenn es um chinesische Aktien gehe, herrsche Transparenz und eine wirksame Regulierung. Dort werde nicht jedes Unternehmen zugelassen und Skandale wie Enron, Worldcom, Tyco und andere mehr habe es dort deswegen nie gegeben.

Das Risiko asiatischer Aktien liege derzeit eher in der geringeren Liquidität der Märkte. Das habe auch im Vorjahr zum großen Ausverkauf geführt, als all die investierten Banken und Hedge-Fonds dringend Geld benötigten. Doch die Liquidität werde sich erhöhen, ist er sich sicher, und verweist auf den Optionsmarkt: Früher wurde dort für asiatische Aktien gegenüber dem marktbreiten amerikanischen Aktienindex S&P-500 eine mit 30 Prozent doppelt so hohe Volatilität eingepreist. Mittlerweile sei sie mit 20 Prozent gleich hoch. „Da geht doch etwas in die richtige Richtung“, so seine Schlussfolgerung.

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