03.12.2007 · Die Märkte sind nervös, die Fachleute ratlos wie selten. Jetzt ist es Zeit für Strategien, mit denen das Vermögen geschützt wird. Und die trotzdem Rendite bringen.
Von Patrick BernauSo uneinig waren sich die Börsenkenner selten: Fallen die Aktienkurse bald weiter oder ziehen sie wieder nach oben? Was macht die Weltkonjunktur, bricht sie zusammen oder erweist sie sich als stabiler, als alle erwarten? Die Anleger kommen derzeit zu keiner klaren Einschätzung, es gibt nicht mal eine deutliche Mehrheit für eine Prognose.
Chef-Analyst Claus Vogt von der Quirin Bank zum Beispiel ist davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten gerade auf eine Rezession zusteuern. Baugenehmigungen, Arbeitslosigkeit, Verbraucherstimmung - viele wichtige Konjunkturdaten deuteten schon auf schlechte Zeiten in der Zukunft hin. Dann machen die Firmen kleinere Gewinne, und die Börsenkurse sinken. Und zwar vermutlich nicht nur in Amerika, sondern auch in vielen Ländern. Zwar gehe es den Schwellenländern wie China noch gut. "Aber Chinas Wirtschaft ist gerade mal so groß wie die von Deutschland. Und es erwartet ja auch niemand von Deutschland, dass es die Weltwirtschaft rettet."
Nur Optimisten erwarten 8.600 Dax-Punkte
Aber die amerikanische Zentralbank werde gegensteuern, erwartet dagegen Anlagestratege Hans-Jürgen Delp bei der Commerzbank. Sie werde rechtzeitig die Leitzinsen senken. Das bringt billigeres Geld als Schmierstoff der Wirtschaft auf den Markt. "Kurzfristig ist es schwer zu sagen, welche Tendenz die Aktienmärkte einnehmen", sagt Delp. "Unser Basisszenario ist, dass wir die Rezession knapp vermeiden und darum wieder steigende Aktienkurse sehen." Im ersten oder zweiten Quartal 2008 könne es so weit sein. Große Optimisten wie Gertrud Traud bei der Landesbank Hessen-Thüringen halten im kommenden Jahr trotz Risiken einen neuen Dax-Rekord von 8600 Punkten für möglich.
Dass die Anleger unsicher sind, spiegelt sich in den Kursen wider: Seit Juli geht es mal runter, mal wieder hoch und dann wieder ein Stück nach unten. Der Trend, der eigentlich der Freund des Anlegers sein sollte, ist verschwunden.
Abwarten, bis die Richtung klarer wird
Da bleibt dem Privatanleger nur abzuwarten, bis die Richtung klarer wird: mit Geldanlagen, die das Kapital weitgehend schützen, wenn die Kurse in die Knie gehen, aber trotzdem noch größere Chancen auf Rendite versprechen als das Tagesgeldkonto.
Bonuszertifikate seien dafür zum Beispiel gut geeignet, findet Zertifikate-Fachmann Dirk Heß von der Investmentbank Goldman Sachs. Diese Wertpapiere beziehen sich immer auf einen sogenannten "Basiswert", zum Beispiel auf eine einzelne Unternehmensaktie oder auf einen Index. Anleger bekommen die volle Kurssteigerung dieses Basiswerts. Und wenn dessen Kurs fällt, ist das nicht gleich dramatisch. Denn zum Ende der Laufzeit gibt es für das Zertifikat einen garantierten Mindestbetrag und damit eine garantierte "Bonusrendite" - vorausgesetzt, der Basiswert ist die ganze Zeit über einer bestimmten Schwelle geblieben. Wenn der Kurs diesen Puffer nur einmal ausschöpft, ist der garantierte Mindestbetrag dahin und das Bonuszertifikat entwickelt sich genauso weiter wie der Basiswert.
Große Puffer für unsichere Zeiten
In unsicheren Zeiten sind dabei besonders große Puffer wichtig. Mit 40 bis 50 Prozent Luft nach unten können Anleger sich ihres Bonus aber einigermaßen sicher sein, glaubt zum Beispiel Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank: "Wir erwarten nicht, dass Dax oder Euro Stoxx mehr als die Hälfte verlieren."
Noch geringer sind die Verlustrisiken bei Discountzertifikaten. Deren Kurssteigerung ist zwar begrenzt, dafür gibt es sie von Anfang an zum günstigeren Preis. Deshalb können die Discountzertifikate Gewinne bringen, auch wenn der Basiswert, also etwa eine Aktie, zwischendurch stark schwankt und am Ende immer noch unter dem Anfangskurs liegt. Und wenn es doch Verluste gibt, fallen die geringer aus als bei einer Anlage direkt im Basiswert oder in einem Bonuszertifikat.
Garantiezertifikate - für ganz Vorsichtige
Für ganz Vorsichtige empfiehlt der Banker Heß Garantiezertifikate. Die heißen so, weil sie am Ende der Laufzeit auf jeden Fall eine bestimmte Mindestauszahlung garantieren. Dafür bekommt der Anleger die Kursgewinne nicht immer vollständig. Außerdem sind die Gewinne meist eng begrenzt.
Doch mit diesen konservativen Wertpapieren verschenken Anleger nicht nur dann Rendite, wenn die Kurse steigen. Bei den meisten Zertifikaten müssen sie auch auf die Dividende verzichten, denn damit finanziert die Bank die Sicherungsmechanismen. Die Dividende geht also an die jeweilige Bank - doch der Anleger leidet darunter, dass die gezahlten Dividenden von den Kursen abgezogen werden und dann die niedrigeren Kurse für die Auszahlungen der Zertifikate maßgeblich sind.
Das kann im kommenden Jahr noch einmal richtig teuer werden. Denn die Unternehmen haben in diesem Jahr gut verdient, darum rechnen die meisten Börsianer wie Hans-Jürgen Delp mit hohen Dividenden und hohen Kursabschlägen - darin sind sich die meisten Anleger einig.
Das Risiko einer Bankpleite
Dazu kommt, dass sehr konservative Anleger derzeit Angst vor dem besonderen Risiko der Zertifikate haben. Diese Papiere sind nämlich wertlos, wenn die Bank pleitegeht, die sie ausgestellt hat. In normalen Zeiten ist dieses Risiko ziemlich klein. Aber derzeit melden auch große Banken immer wieder hohe Verluste, und das macht im Moment vorsichtigen Analysten Angst.
Wer dieses Risiko vermeiden und seine Dividende behalten möchte, dem empfiehlt Claus Vogt von der Quirin Bank: einfach die Struktur des Depots überprüfen und Aktien- sowie Anleihenanteil anpassen. Das sollten auch Privatanleger ohnehin regelmäßig tun, weil es eventuell vorhandene, zu hohe Risiken reduziert. Derzeit zum Beispiel haben die meisten Anleger einen großen Teil ihres Geldes in Aktien, zumindest einen größeren als vor ein oder zwei Jahren. Und zwar schon allein deshalb, weil viele Aktien seither im Wert gestiegen sind. Also ist auch der Aktienteil des Depots mehr wert.
Wenn Anleihen, dann Staatsanleihen
Wer nun einen Teil seiner Aktien verkauft und stattdessen Anleihen ins Depot legt, verteilt sein Risiko wieder besser. Aber Staatsanleihen sollten es sein, sagt Vogt. Unternehmensanleihen bringen derzeit zwar deutlich mehr Rendite - aber nur deshalb, weil sie am Markt im Augenblick für unsicherer gehalten werden als sonst. Staatsanleihen garantieren dem Anleger sein Geld am besten für den Fall, dass die Finanzkrise noch für weiteren Trubel in der Wirtschaft sorgen sollte.
Die Überschrift ist irreführend!
Marko Hrbat (Hrbat)
- 04.12.2007, 11:15 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |