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Anleihenmarkt : Auf der Suche nach Edelsteinen

Nicholas Gartside Bild: JP Morgan

Rentenfondsmanager Nicholas Gartside kann auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurückblicken. Für 2017 heißt das Motto: Keine Angst und nach Edelsteinen suchen.

          Fondsmanager sind Menschen. Und wie alle Menschen ärgern sie Misserfolge, genauso wie sie sich mit Fug und Recht an ihren Erfolgen erfreuen. Nicholas Gartside, Investmentvorstand für Festzinsanlagen bei der Fondsgesellschaft J.P. Morgan, macht da keine Ausnahme.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Fünf Ideen für fünf Prozent“ hatte Gartside vor einem Jahr für das Jahr 2016 vorgestellt. Herausgekommen ist mit knapp neun Prozent unter dem Strich mehr. Langlaufende Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen brachten zum Teil deutlich mehr als zehn Prozent. Das wiegt auf, dass Anleihen europäischer Banken und Peripheriestaaten nicht das einbrachten, was sich Gartside versprochen hatte. Vor allem italienische Anleihen kamen praktisch nicht vom Fleck. „Da sind wir für die Risiken kaum belohnt worden. Aber insgesamt war die Wertentwicklung sehr gut“, sagt der Brite.

          „Nicht alle Anleihen sind gleich“

          Für das Jahr 2017 hat er sich auch wieder ein prägnantes Motto einfallen lassen. „GEMS“, also Gemmen oder Edelsteine, lautet die Investmentidee, eine Abkürzung für vier Ansatzpunkte, die sich zusammenfassen lassen als: Weltweit Gelegenheiten ergreifen, Schwellenländer bevorzugen, Geldpolitik beachten und Renditeaufschläge nutzen.

          Hinter Gartsides Ansatz verbirgt sich ein eher komplexes Szenario, das vor allem von den erwarteten unterschiedlichen Entwicklungen in der Geld- und Fiskalpolitik bestimmt wird. Grundsätzlich werde man einen Übergang von der Geld- zur Fiskalpolitik sehen, der von den Vereinigten Staaten eingeleitet werde. Das werde zu höherer Inflation, aber auch zu mehr Wachstum führen.

          Beides hat Gartside in der Vergangenheit zu Feinden der Anleihe erklärt. Aber sein Hauptcredo lautet dann doch immer: „Nicht alle Anleihen sind gleich.“ Wachstum und Inflation gingen vor allem zu Lasten der Staatsanleihen, deren Renditen im Allgemeinen steigen dürften. Doch da das höhere Wachstum auch zu niedrigeren Ausfallraten führen werde, dürften Unternehmens- und Hochzinsanleihen davon profitieren.

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          Aber auch unter Staatsanleihen gebe es Unterschiede. „Australische Anleihen haben derzeit die höchsten Renditen unter allen erstklassigen Staatsanleihen. Angesichts der Inflationsentwicklung und der vergleichsweise hohen Leitzinsen sind hier Zinssenkungen möglich.“

          Das verschafft australischen Anleihen gegenüber amerikanischen oder deutschen Anleihen einen Vorteil. „Der Markt unterschätzt die Fähigkeit der amerikanischen Notenbank, die Zinsen zu erhöhen. Wir gehen für 2017 nicht von zwei, sondern von bis zu vier Zinserhöhungen aus“, sagt der Brite, der sich auch von politischen Ereignissen wie dem Brexit und der Wahl Donald Trumps nicht beirren lässt.

          „Es gibt zwei Möglichkeiten, mit diesen Unsicherheiten umzugehen: Angst zu haben und nichts zu tun oder vorwärts zu schauen, Fehlbewertungen zu suchen und sich zu überlegen, was das alles für Wachstum und Inflation bedeutet.“ Gartside zieht die zweite Möglichkeit vor.

          Dazu zählt vor allem die Geldanlage in Schwellenländern. Und da gibt es genug Gelegenheiten. „Wenn man einmal zurückschaut: Vor 27 Jahren machten Schwellenländeranleihen noch ein Prozent des weltweiten Marktes aus – heute sind es 18 Prozent.“ Die Vereinigten Staaten, die einst fast zwei Drittel des Marktes stellten, stehen heute nur noch für wenig mehr als ein Drittel.

          Nicht um alle Schwellenländer, wie etwa die Türkei, sei es zum Besten bestellt, aber gerade Brasilien und Russland erholten sich doch deutlich und wüchsen wieder. „Russlands Auslandsverschuldung ist deutlich niedriger als noch vor zwei Jahren. Und auch wenn die lokalen Anleiherenditen deutlich gesunken sind, steckt in den Kursen noch Potential.“

          Überhaupt schaut Gartside mehr auf die Kurse als auf die Kupons. „Als Portfoliomanager muss man aktiver sein als in früheren Zeiten“, wiederholt der Brite seine vor einem Jahr geäußerte Einschätzung. „Je niedriger die Anleiherenditen sind, desto mehr muss der Ertrag aus den Kursgewinnen kommen.“ Man hat eben zwei Möglichkeiten: Angst zu haben und nichts zu tun oder vorwärts zu schauen und Fehlbewertungen zu suchen. Und Gartside zieht die zweite Möglichkeit vor.

          Quelle: F.A.Z.

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