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Anleihemarkt Schwere Zeiten für amerikanische Rentenfonds

04.01.2012 ·  Fünf Milliarden Dollar zogen Anleger 2011 aus dem Vorzeigefonds des Pimco-Stars Bill Gross ab. Doch auch sein Rivale Michael Hasenstab von Franklin Templeton hat kein leichtes Jahr hinter sich.

Von Norbert Kuls und Christian von Hiller, New York/Frankfurt
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Die Zeiten für erfolgsverwöhnte Rentenfondsmanager in den Vereinigten Staaten sind härter geworden. Bill Gross, der Fondsmanager des weltgrößten Rentenfonds Pimco Total Return, hat wegen schwacher Leistungen seine Anleger verärgert. Insgesamt zogen Kunden der zum Münchener Versicherer Allianz gehörenden kalifornischen Fondsgesellschaft im vergangenen Jahr 5 Milliarden Dollar aus dem Total Return Fonds ab. Nach Angaben des Informationsdienstes Morningstar sind es die ersten Abflüsse seit 1993.

Rund 244 Milliarden Dollar verwaltet der Pimco Total Return. Gross, einflussreicher Star der Branche, hatte sich im Frühjahr 2011 von amerikanischen Staatsanleihen getrennt und so deren Kursaufschwung verpasst. Gross schwenkte später zwar um und kaufte die sogenannten Treasuries wieder, die sicherheitsbetonte Anleger angesichts der Euro-Krise stark nachfragten. Am Jahresende wies der Total Return jedoch nur einen Wertzuwachs von 4,2 Prozent aus und war schlechter als zwei Drittel seiner Konkurrenten.

Noch schlechter erging es Michael Hasenstab von Franklin Templeton, dem großen Rivalen von Bill Gross. Der Manager des gut 42 Milliarden Dollar schweren Templeton Global Bond und des Templeton Total Return mit einem Volumen von rund 22 Milliarden Dollar hat ebenfalls ein schwaches Jahr hinter sich. Hasenstab hat in seinen Fonds ebenfalls amerikanische Staatsanleihen gemieden und erlitt im Global Bond auf Dollar-Basis im abgelaufenen Jahr einen Wertverlust von gut 4 Prozent und im Total Return ein Minus von etwas mehr als 2 Prozent.

Angesichts der hohen Staatsverschuldung in Europa und den Vereinigten Staaten hatte Hasenstab Euro und Dollar gemieden. Stattdessen hat er stark in Staatsanleihen aus Ländern wie Südkorea, Polen, Malaysia oder auch in Ungarn investiert. Auch versuchte er Zinsänderungsrisiken zu meiden, indem er kurze Restlaufzeiten bevorzugte. All dies wurde ihm nicht gedankt. Während die Vergleichsindizes, an denen er sich messen lässt, das Jahr auf einem höheren Stand verließen, muss Hasenstab nun seinen Anlegern die Kursverluste erklären - eine ungewohnte Aufgabe für die erfolgsverwöhnten Rentenfondsmanager. Die Anleger brachten wenig Verständnis auf und kehrten den Hasenstab-Fonds den Rücken zu: Seit Anfang Oktober ist das Fondsvermögen des Global Bond um 7 Milliarden Dollar geschrumpft und das des Total Return um 3 Milliarden Dollar.

Immer noch eines der besten Produkte

Amerikanische Staatsanleihen brachten, gemessen an einschlägigen Marktbarometern, im vergangenen Jahr angesichts hoher Kursgewinne eine Gesamtrendite von 9,8 Prozent. Die Abflüsse aus dem Pimco Total Return und den Templeton Fonds standen auch im Gegensatz zum allgemeinen Anlagetrend in den Vereinigten Staaten. Nach Daten des Fondsverbands Investment Company Institute (ICI) haben amerikanische Rentenfonds im vergangenen Jahr unter dem Strich überwiegend Mittelzuflüsse verbucht. Dagegen zogen Privatanleger aus den als risikoreicher geltenden Aktienfonds vor allem im zweiten Halbjahr, das von heftigen Kursschwankungen geprägt war, Mittel ab.

Im längerfristigen Vergleich zählt der Pimco Total Return allerdings immer noch zu den besten Produkten seiner Branche. In den vergangenen fünf Jahren haben Anleger mit ihm einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 8,1 Prozent jährlich verdient. „Pimco hat große Erwartungen geschürt und enorme Geldsummen von opportunistischen Anlegern angezogen“, sagte der unabhängige Fondsberater Burton Greenwald der Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese Spekulanten seien abgesprungen, als die Gewinnentwicklung stockte. Im Jahr 2010 waren noch fast 18 Milliarden Dollar in den Total Return Fonds geflossen. Im Krisenjahr 2009 waren es fast 58 Milliarden Dollar gewesen.

Viele Rentenfondsmanager, auch Alessio de Longis, Devisenstratege bei Oppenheimer Funds und Verwalter des Oppenheimer International Bond Fund, setzten darauf, dass der Dollar allmählich seinen Status als Weltleitwährung verlieren würde. Gross hatte erwartet, dass nervöse Marktteilnehmer wegen der hohen amerikanischen Staatsverschuldung in großem Stil Anleihen verkaufen würden. Die Wette ging nicht auf.

Anleger investierten wegen der Schuldenkrise in Europa trotz niedriger Renditen in sichere amerikanische Staatsanleihen. Selbst die Abstufung der amerikanischen Bonität durch die Kreditbewertungsagentur Standard&Poor’s im August hatte die Nachfrage nach den Papieren nicht geschwächt. Im Oktober hatte sich Bill Gross in einem offenen Brief bei seinen Anlegern für die schwache Entwicklung entschuldigt. Als sich die Volkswirtschaften der Industrieländer auf eine potentielle Rezession zubewegten, sei das Risikoprofil des Total Return zu hoch gewesen. „Dieses Jahr stinkt“, schrieb Gross.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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