Home
http://www.faz.net/-gvf-shxu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Anleihe-ETF Bezahlbare Rentenfonds

26.10.2006 ·  Rentenfonds sind in der Niedrigzinsphase ein zweifelhaftes Vergnügen geworden: Die Kosten fressen einen großen Teil der Erträge auf. Renten-Indexfonds versprechen Abhilfe. Auch institutionelle Investoren schätzen die geringere Kostenbelastung.

Von Stefan Ruhkamp
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Die Neuanlage von Geld macht auf den Anleihemärkten schon seit geraumer Zeit wenig Freude. Zeitweise war der langfristige Zins auf 3 Prozent abgerutscht, inzwischen pendelt er wenigsten wieder knapp unterhalb von 4 Prozent. Aber auch das beschert gerade so eben Renditen, die nach Inflation und Steuern das Kapital erhalten. Für Anleger, die trotz dieser bescheidenen Erträge auf die Sicherheit der Anleihen angewiesen sind, ist es um so wichtiger, auf die Nebenkosten der Geldanlage zu achten.

Rentenfonds sind in der Niedrigzinsphase ein zweifelhaftes Vergnügen geworden. Man muß sich zwar bei dieser Form der Anlage keine Sorgen mehr über die Risikostreuung machen, aber die jährlichen Kosten liegen selbst bei Fonds, die nur in sichere europäische Staatsanleihen investieren, meist oberhalb von 0,8 Prozent des investierten Vermögens.

Kosten fressen großen Teil der Erträge auf

In Phasen mit hohen Zinsen ist die Bremswirkung schon ärgerlich genug. Bei den derzeit niedrigen Zinsen fressen die Kosten einen überproportionalen Teil der Erträge auf. Nun versprechen die Investmentfondsgesellschaften eine zusätzliche Rendite. Ihre Fondsmanager seien bemüht, durch geschickte Wahl der Laufzeiten und der Emittenten über Kursgewinne mehr zu erwirtschaften, als es bei einer durchschnittlichen Anlage in Anleihen möglich wäre.

Doch was ist von diesem Versprechen zu halten? Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß die Zinsprognosen der Banken im Durchschnitt schlechter sind als die naive Prognose nach dem Motto „Der Zins von heute ist auch der Zins von morgen“.

Einiges spricht gegen Anlage in Eigenregie

Jedermann ist zu dieser naiven Prognose fähig und kann sie auch selbständig in eine Anlagestrategie umsetzen. Der Anleger verzichtet auf jede Kursspekulation und kauft einfach Anleihen, deren Laufzeit genau dem Anlagehorizont entsprechen. Dadurch entgehen dem Anleger zwar mögliche Kursgewinne, aber er vermeidet auch das Risiko von Kursverlusten. Und zugleich ist die Kostenbelastung weitaus geringer.

Doch es sprechen auch einige Punkte gegen die Anlage in Eigenregie. Die meisten Privatanleger haben nicht genügend Geld, um sich ein ausreichend gestreutes Portfolio anzulegen. Zudem müssen bei einer langfristigen Anlage immer wieder Anleihen ausgetauscht werden, deren Restlaufzeit zu niedrig geworden ist. Das ist zumindest in Phasen hilfreich, in denen - anders als derzeit - der Renditeabstand zwischen Anleihen mit kurzer und mit langer Laufzeit erheblich ist.

Immer mehr Renten-Indexfonds

Seit einigen Jahren ermöglicht eine Alternative zu den relativ kostspieligen herkömmlichen Publikumsfonds einen interessanten Mittelweg. Die aus Amerika stammenden Exchange Traded Funds (ETF) sind börsennotierte Investmentfonds, die sich eng an einem Vergleichsindex orientieren. Für dieses Anlagevehikel sind keine hochbezahlten Fondsmanager erforderlich, weil die Zusammensetzung der entsprechenden Indizes einfach kopiert wird. Das hält die Kosten auf einem kaum zu unterbietenden Niveau.

Ursprünglich bezogen sich die meisten ETF auf Aktien, inzwischen gibt es aber auch ein großes Angebot für Fonds, die sich an Anleiheindizes orientieren. Größte europäische Anbieter sind Lyxor, eine Tochtergesellschaft der Société Générale, Ishares (Barclays) und Indexchange (Hypo-Vereinsbank). Die in Deutschland dominierende Indexchange hat bereits etwa ein Dutzend Anleihe-ETF im Angebot. Auf diese Weise läßt sich in Pfandbriefe, deutsche Staatsanleihen und in verschiedene Laufzeiten, unterteilt auch in andere europäische Staatsanleihen, investieren. Für die Zukunft erwägt Indexchange auch die Auflage von ETF für Unternehmensanleihen und Titel der Schwellenländer.

Profis schätzen die geringere Kostenbelastung

Wichtigstes Argument für die Indexfonds sind die geringen Kosten. Der Pfandbrieffonds, der den entsprechenden Index der Deutschen Börse nachbildet, kommt mit einer Kostenbelastung von weniger als 0,1 Prozent im Jahr aus. Die anderen Anleihe-ETF wirtschaften mit Kosten von etwa 0,16 Prozent im Jahr.

Einen Ausgabeaufschlag gibt es nicht, denn die Anleger kaufen den Indexfonds nicht bei der Fondsgesellschaft, sondern an der Börse. Deshalb sind die bei Wertpapieren üblichen Transaktionskosten zu berücksichtigen sowie die Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis, die aber in der Größenordnung von nur 0,08 Prozent des Kaufpreises liegt. Insgesamt ist die Kostenbelastung also weit geringer als bei herkömmlichen Rentenfonds.

Der begrenzte Aufwand ermöglicht dem Anleger eine ausreichende Streuung des Portfolios. Besonders beliebt sind die Indexfonds übrigens bei institutionellen Investoren wie Versicherern oder Pensionsfonds, für die dieselben Kostensätze gelten wie für den Privatanleger.

Quelle: F.A.Z., 26.10.2006, Nr. 249 / Seite 23
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%