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Indexfonds : ETF kaufen, aber richtig!

Anleger liegen mit dem Kauf von Indexfonds zunächst oft richtig. Doch eine Studie hat ergeben, dass sie danach häufig einiges falsch machen. Bild: Getty

Mit Indexfonds kann man nichts falsch machen, heißt es. Doch Übermut und Gier machen den Erfolg kaputt. Entscheidend ist, was nach dem Kauf getan wird.

          Wer Indexfonds kauft, hat schon einmal einiges richtig gemacht. Die Fonds, die einen Index wie den Dax oder den MSCI Welt eins zu eins nachbilden, sind günstig, einfach zu verstehen und versprechen nichts, was sie nicht halten können. Denn sie entwickeln sich einfach so wie der Index und behaupten nicht wie viele aktiv verwaltete Fonds, stärker zu steigen und die aussichtsreichsten Aktien herauspicken zu können, was sie dann in der Regel doch nicht schaffen. Indexfonds, auch ETF genannt, kaufen einfach die Aktien im Index, nicht mehr und nicht weniger.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist mittlerweile immer mehr Anlegern bekannt, daher setzen immer mehr auf diese ETF und lassen die anderen Fonds links liegen. Die Indexfonds sind so zu einer der erfolgreichsten Finanzinnovationen der vergangenen 20 Jahre geworden, sie vereinen schon rund 2,7 Billionen Dollar auf sich.

          Man möchte meinen, dass die Anleger durch die ETF auch eine bessere Wertentwicklung erzielen als mit anderen Produkten. Doch nun zeigt sich völlig überraschend: Sie haben zwar mit dem Kauf von Indexfonds die richtige Entscheidung getroffen. Aber danach machen sie einiges falsch und erzielen dadurch eine schlechtere Rendite als möglich. Das hat gerade eine Studie von drei deutschen Finanzprofessoren und einem Hongkonger Kollegen festgestellt.

          Bild: F.A.Z.

          In dreijähriger Arbeit haben sie Originaldepots von 7761 Anlegern einer großen deutschen Online-Bank ausgewertet, deren Name geheim bleiben soll. Es sind Anleger, die ihre Kaufentscheidungen selbst treffen.

          Die Professoren untersuchten den Zeitraum von 2005 bis 2010. Neuere Daten waren für sie nicht verfügbar. Es besteht aber kein Grund zu der Annahme, dass das Ergebnis mit aktuelleren Werten anders wäre. Das erschreckende Resultat: Mit ihren Indexfonds erzielten die Anleger Verluste in Höhe von minus 0,55 Prozent im Jahr, während das Gesamtdepot 2,74 Prozent zulegte. In ihm fanden sich auch andere Wertpapiere wie einzelne Aktien und Anleihen, Zertifikate und aktiv verwaltete Fonds, die gerade keinen Index nachbauen.

          Daraus sollte man nicht folgern, dass Indexfonds die schlechteren Produkte sind. Nein, die Ursache für das schlechte Abschneiden liegt darin, dass die Anleger die ETF falsch einsetzen. Idealerweise sollten sie einen Fonds auf einen der großen Indizes kaufen und nicht auf kleine Spezialindizes setzen. Also lieber den C-Dax für deutsche Aktien, den europäischen Stoxx 600, den MSCI Welt oder den amerikanischen S&P 500 kaufen als den ETF auf europäische Energieaktien oder den Aktienmarkt von Vietnam (das gibt es wirklich!). Und sie sollten die Fonds viele Jahre im Depot liegen lassen.

          Anleger versuchen, wild zu zocken

          Doch die Anleger machen oft das Gegenteil. Sie kaufen tatsächlich häufig kleine Indizes, die Spezialthemen abdecken. Diese ETF bergen höhere Risiken, weil sie nur wenige Aktien umfassen und nicht verschiedene Branchen und Länder mischen. Der MSCI Welt als Gegenstück umfasst hingegen mehr als 1000 Aktien verschiedenster Sektoren aus den wichtigsten Industrieländern der Erde. Die Studie ergab, dass die Anleger eine Rendite von 4,02 Prozent im Jahr erzielt hätten, wenn sie größere Indizes gewählt hätten.

          Der zweite große Fehler liegt im Anlageverhalten. Obwohl Indexfonds am besten langfristig eingesetzt werden, versuchen die Anleger, wild zu zocken. Sie kaufen und verkaufen Indexfonds mehrmals im Jahr und versuchen, damit eine höhere Rendite zu erzielen, als wenn sie die Fonds einfach unangetastet gelassen hätten. Market Timing nennen das die Experten.

          Erfolg durch solch ein Timing versprechen die Manager der aktiven Fonds auch, aber können es nicht halten. Sie verkaufen eben nicht immer zum Höchststand und kaufen zum Tiefstand. Viele Studien haben gezeigt, dass sie es manchmal schaffen, für eine gewisse Zeit bessere Renditen als ein Indexfonds zu erzielen. Aber nie über einen langen Zeitraum. Außerhalb dieser Erfolgszeiten liegen sie oft weit zurück. Und in der Summe damit oft auch. Privatanleger sind da nicht besser, und trotzdem versuchen es die Besitzer von ETF. Sie führen damit die Idee der Indexfonds ad absurdum. So erzielen die Anleger eine niedrigere Wertentwicklung und haben höhere Kosten durch die Handelsgebühren bei Kauf und Verkauf.

          Bei Nichtverkauf wäre immerhin eine Rendite von 3,52 Prozent möglich

          Die Studie hat auch errechnet, wie viel Rendite möglich wäre, wenn die Anleger die Indexfonds nicht verkaufen, sondern im Depot liegen lassen würden, selbst wenn die Kurse zwischenzeitlich mal in den Keller rauschen. Das Ergebnis: Sie kämen immerhin auf eine Rendite von 3,52 Prozent im Jahr. Also nicht ganz so gut wie mit der Wahl des richtigen Index, aber besser als ohne eine Strategieänderung. Am besten wäre eine Kombination der beiden Verbesserungsmöglichkeiten. Dann hätte das Depot im Untersuchungszeitraum 4,43 Prozent erzielt. Diese Kombination würde auch das Gesamtrisiko des Depots senken, hätte also sogar noch einen zweiten Vorteil. Diese Ergebnisse gelten im Wesentlichen für alle Anlegergruppen. Besonders gebildete Anleger zum Beispiel schneiden also nicht besser ab.

          Nicht untersucht wurde, warum die Anleger diese Fehler machen. Doch es gibt Vermutungen. „Die Anleger haben verstanden, dass Indexfonds sehr preisgünstig sind. Sie haben aber oft nicht verinnerlicht, dass häufiges aktives Handeln Rendite vernichtet“, sagt Steffen Meyer, Professor für Finanzwirtschaft an der Leibniz Universität Hannover, einer der Autoren der Studie.

          Das könne an Selbstüberschätzung liegen, aber auch daran, dass den Anlegern nicht transparent wird, welche Wertentwicklung sie mit ihrem Depot mit einer klügeren Anlagestrategie hätten erreichen können. Abhilfe schaffen könnten mehr Informationen über die entgangenen Gewinne, eine prominente Plazierung von ETF breiter Indizes auf den Internetseiten der Online-Banken und Anreize für längere Haltezeiten von Indexfonds, zum Beispiel über Steuervorteile. So könnten Indexfonds ihren vollen Nutzen ausspielen.

          Quelle: F.A.S.

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