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Anlagetrends Die Rally am Rohstoffmarkt hält an

 ·  Rohstoffe schlagen derzeit Aktien und Anleihen. Und die Hausse dürfte so bald nicht zu Ende gehen. Denn Öl, Metall und Getreide sind knapp. Anleger sollten sich auf diesen Trendwechsel einstellen.

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Beinahe jeder Tag bringt neue Höchstkurse. Erdöl, Weizen oder Kupfer sind so gefragt wie lange nicht mehr. „In den vergangenen hundert Jahren hat es fünf ausgeprägte Haussen bei Rohstoffpreisen gegeben, diese hier ist besonders stark", sagt Hugh Hendry, Partner von Odey Asset Management, die unter anderem einen Hedgefonds für Rohstoffe managen.

20 Jahre lang war mit Rohstoffen nur schwer Geld zu verdienen. Seit Anfang 2002 ziehen die Preise kräftig an, nicht nur für Edelmetalle und Öl. Auch andere fossile Energieträger, Buntmetalle wie Aluminium, Kupfer oder Nickel und agrarische Rohstoffe wie Getreide, Ölsaaten oder Kaffee haussieren. Viele haben inzwischen ein Niveau erreicht, das seit Jahren oder Jahrzehnten nicht gesehen wurde.

Das Handelsvolumen an den Terminbörsen ist nahe dem Rekordniveau. Große Pensionsfonds, traditionell eher konservative Anleger, investieren Milliarden. Waren im Jahr 2000 noch acht Milliarden Dollar in Derivate auf den Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) investiert, sind es heute 20 Milliarden Dollar. „Erstmals sind es nicht nur institutionelle Anleger, sondern verstärkt auch Privatkunden, die hier ihr Geld anlegen", sagt Jeffrey Currie, Rohstoffstratege bei Goldman Sachs. „Eine so starke Nachfrage war bis vor kurzem unvorstellbar."

Aufwärtstrend bei Rohstoffen existiert nicht erst seit gestern

Mit Rohstoffen haben Anleger in den vergangenen fünf Jahren mehr Geld verdient als mit anderen Investments. Während der GSCI-Rohstoffindex Anlegern einen Gewinn von 142 Prozent bescherte, verdienten sie mit Staatsanleihen nur 38 Prozent (siehe Grafik „Abwechselnd vorne). Und wer auf internationale Aktien setzte, sitzt immer noch auf zwölf Prozent Verlusten.

Bislang warben vor allem weltweit bekannte Investmentgurus wie Marc Faber oder Jim Rogers für die totgeglaubte Anlageklasse. Mit dem Preisaufschwung werden jetzt auch große Finanzinstitute wie die Deutsche Bank auf den Trend aufmerksam. Bei Goldman Sachs und der UBS betrachtet man Rohstoffe zwar schon seit langem als sinnvolle Ergänzung für das Depot, hängt das aber nicht an die große Glocke.

Zahlreiche Gründe für den Aufschwung

Gründe für die Rohstoffrally gibt es viele: Bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien holen auf, bauen ihre Infrastruktur aus und fragen verstärkt Öl und Industriemetalle nach. Hinzu kommen ein weltweiter Konjunkturaufschwung und ein schwacher Dollar. Entscheidend für die Hausse ist aber weniger die rege Nachfrage als das ungewohnt knappe Angebot. Die Kapazitäten der Öl- und Minengesellschaften erreichten 1981 - am Ende der letzten großen Rohstoffhausse - ihren Höhepunkt. Damals wurden im Überschwang und mit üppigen Subventionen riesige Kapazitäten aufgebaut. Seither wurde praktisch nichts mehr investiert, obwohl die Nachfrage kontinuierlich anzog. Jetzt sind die Produktionskapazitäten zu klein (siehe unten angehängte Grafik „Die Zeiten des Überflusses sind vorbei).

Die Lage ist dramatisch: In einem normalen Rohstoffzyklus dauert es acht bis zehn Jahre, bis die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden kann. Diesmal war das Zeitfenster sehr viel schmaler. „Nach nur zehn Monaten überstieg die Nachfrage nach Rohstoffen das Angebot", beobachtete Currie. Besonders eklatant ist das bei den Industriemetallen, aber auch im Energiesektor. Daß es diesmal brenzlig werden könnte, machen auch die Preissprünge klar: Üblicherweise klettern Rohstoffpreise über fünf Jahre Aufschwung um 20 Prozent. Diesmal sind sie in nur zwei Jahren um 60 Prozent hochgeschossen.

Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht: Neue Bergwerke, Fabriken und Pipelines zu bauen verschlingt Milliardenbeträge und dauert viele Jahre. So viel Geld und Zeit bringen nicht einmal die großen integrierten Ölkonzerne mit.

Preisauftrieb vermutlich kein temporäres Phänomen

Damit ist klar: Die Hausse am Rohstoffmarkt ist kein vorübergehendes Phänomen, das mit dem nächsten weltweiten Konjunkturabschwung wieder verschwindet. „Wir sehen einen Strukturbruch", sagt Hendry. Das heißt aber nicht, daß Gold-, Öl- und Weizenpreise gen Himmel streben wie die Technologieaktien Ende der neunziger Jahre. „Rohstoffpreise verhalten sich nicht wie Aktienkurse", warnt Currie. „Sie bekommen in einem Bullenmarkt zwar eine hohe Volatilität der Preise, aber keinen klaren Aufwärtstrend, denn die Nachfrage stößt an eine physische Grenze."

Investoren am Terminmarkt - oder in entsprechende Zertifikate für private Anleger - muß das nicht kümmern: Sie profitieren von den hohen Schwankungen. So verdienten sie 1999, als sich der Ölpreis von zwölf auf 25 Dollar verdoppelte, mit dem GS Energy Index gut 92 Prozent. Im Jahr 2000, als sich der Ölpreis per saldo kaum bewegte, aber stark schwankte, gewannen sie weitere 88 Prozent.

Rohstoffe eignen sich auch gut zur Diversifikation im Depot

Profis schätzen Rohstoffe als alternative Anlageklasse. „Sie eignen sich hervorragend zur Diversifikation", sagt Currie. „Wenn Aktien und Anleihen nur armselige Erträge bringen, entwickeln sich Rohstoffe sehr gut, denn ihre Erträge sind negativ mit den Gewinnen anderer Anlagen korreliert." Zudem bieten Rohstoffinvestments im Gegensatz zu Kapitalanlagen einen natürlichen Inflationsschutz. Und sie bewähren sich immer dann besonders gut, wenn die Ungewißheit über die Zukunft sehr hoch ist - so wie heute.

Bleibt also noch die Frage, ob Anleger unbedingt jetzt einsteigen sollten, nachdem die Rally schon in voller Fahrt ist. „Kurzfristig sind wir nur für Energie skeptisch, alle anderen Rohstoffe sehen wir sehr positiv", sagt Currie. Für einem Korb von Rohstoffen ohne Energie erwartet er auf Sicht von zwölf Monaten zwölf Prozent Rendite.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.03.2004, Nr. 12 / Seite 49
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