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Anlagetrend ETF : Böses Spiel mit guten Fonds

Bild: Getty

Indexfonds (ETF) sind so populär wie nie. Weil sie einfach und günstig sind – und genau das steht jetzt auf dem Spiel. Es gibt nämlich einen kleinen, aber entscheidenden Haken.

          Es gibt Geschichten, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. In den vergangenen Jahren hat es eine kryptisch anmutende Kombination aus drei Buchstaben zum wohl beliebtesten Kürzel der Finanzwelt gebracht. ETF (die Abkürzung steht für Exchange Traded Funds, auf Deutsch auch Indexfonds genannt) sind der Anlagetrend unserer Zeit. Fast 3000 Milliarden Dollar haben Anleger aus aller Welt mittlerweile in sie investiert – seit dem Jahr 2008 hat sich dieser Betrag nahezu vervierfacht. Keine andere Anlageart konnte zuletzt so stark wachsen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Grundidee der ETF ist eine wunderbare: Sie bilden bekannte Börsenbarometer wie den Dax exakt ab. Steigt der Dax beispielsweise um drei Prozent, gewinnt auch der ETF drei Prozent hinzu, bei Verlusten vice versa. Das ist für Anleger nicht nur deswegen eine schöne Sache, weil sie auf diese Weise so gut wie immer wissen, wie es gerade um ihr Investment bestellt ist: Ein kurzer Hinweis auf die Entwicklung des Dax gehört als fester Bestandteil zu jeder Nachrichtensendung.

          Überdies kann jeder Investor mit ETF einen großartigen Gedanken des Ökonomie-Nobelpreisträgers Eugene Fama in die Praxis umsetzen. Er lautet: Niemand, auch nicht der beste Fondsmanager der Welt, kann auf Dauer mit seinen Aktien eine bessere Wertentwicklung erzielen als der Aktienmarkt als ganzes.

          Bild: F.A.Z.

          Was also kann klüger sein, als in Indexfonds zu investieren, die den Markt eins zu eins abbilden und die obendrein keine hohen Gebühren verlangen? Am Ende sind sowohl die Anleger zufrieden (weil sie ihr Geld nicht hochbezahlten Fondsmanagern hinterherwerfen) als auch die ETF-Anbieter (weil sie viele neue Kunden gewinnen).

          Die Anbieter sind längst nicht zufrieden

          Der geneigte Leser wird es bereits geahnt haben: So schön das alles auch klingt – diese wunderbare Geschichte hat einen kleinen, aber entscheidenden Haken. Die Anbieter nämlich sind trotz des hohen Wachstums noch längst nicht zufrieden. Sie würden, wer hätte das gedacht, an der ganzen Angelegenheit noch viel mehr Spaß haben, wenn sie ihre ETF teurer verkaufen könnten.

          Darum trommeln wichtige Unternehmen der Branche wie die Deutsche Bank mit ihrer Marke db x-trackers, Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt, mit seiner Marke iShares und Lyxor nun für eine neue Art von ETF. Für sie haben sich die Anbieter den Namen „Smart Beta“ einfallen lassen (manchmal auch „Strategic Beta“ oder „Factor-Investing“ genannt). Das hört sich geheimnisvoll an, doch die bittere Wahrheit ist: Diese neuen Fonds brechen mit fast allen Prinzipien, die die Geldanlage in ETF für Anleger so wertvoll macht. Sie sind weder besonders einfach zu verstehen, noch sind sie besonders günstig.

          Das größte Problem aber ist: Sie verleugnen den Grundgedanken, der ETF aus der Masse so vieler unnützer Anlageprodukte einst herausgehoben hat. Niemand kann den Markt schlagen? Doch, behaupten die Anbieter nun plötzlich. Die neuen „Smart Beta“-ETF können dies ihrer Meinung nach ganz gewiss.

          Investment auf den Kopf gestellt

          iShares beispielsweise wirbt mit dem „Zugang zu Anlagestilen, die historisch betrachtet langfristig Mehrwert erwirtschaftet haben“. Bei db x-trackers klingt das ganz ähnlich: „Durch den Einsatz solcher ETF kann langfristig bei gleichem Risiko eine Zusatzrendite gegenüber den klassischen Marktindizes erzielt werden.“

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