http://www.faz.net/-gv6-8bxw0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 03.01.2016, 15:29 Uhr

Anlagetrend ETF Böses Spiel mit guten Fonds

Indexfonds (ETF) sind so populär wie nie. Weil sie einfach und günstig sind – und genau das steht jetzt auf dem Spiel. Es gibt nämlich einen kleinen, aber entscheidenden Haken.

von
© Getty

Es gibt Geschichten, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. In den vergangenen Jahren hat es eine kryptisch anmutende Kombination aus drei Buchstaben zum wohl beliebtesten Kürzel der Finanzwelt gebracht. ETF (die Abkürzung steht für Exchange Traded Funds, auf Deutsch auch Indexfonds genannt) sind der Anlagetrend unserer Zeit. Fast 3000 Milliarden Dollar haben Anleger aus aller Welt mittlerweile in sie investiert – seit dem Jahr 2008 hat sich dieser Betrag nahezu vervierfacht. Keine andere Anlageart konnte zuletzt so stark wachsen.

Dennis Kremer Folgen:

Die Grundidee der ETF ist eine wunderbare: Sie bilden bekannte Börsenbarometer wie den Dax exakt ab. Steigt der Dax beispielsweise um drei Prozent, gewinnt auch der ETF drei Prozent hinzu, bei Verlusten vice versa. Das ist für Anleger nicht nur deswegen eine schöne Sache, weil sie auf diese Weise so gut wie immer wissen, wie es gerade um ihr Investment bestellt ist: Ein kurzer Hinweis auf die Entwicklung des Dax gehört als fester Bestandteil zu jeder Nachrichtensendung.

Überdies kann jeder Investor mit ETF einen großartigen Gedanken des Ökonomie-Nobelpreisträgers Eugene Fama in die Praxis umsetzen. Er lautet: Niemand, auch nicht der beste Fondsmanager der Welt, kann auf Dauer mit seinen Aktien eine bessere Wertentwicklung erzielen als der Aktienmarkt als ganzes.

Infografik / der aufstieg der ETF © F.A.Z. Vergrößern

Was also kann klüger sein, als in Indexfonds zu investieren, die den Markt eins zu eins abbilden und die obendrein keine hohen Gebühren verlangen? Am Ende sind sowohl die Anleger zufrieden (weil sie ihr Geld nicht hochbezahlten Fondsmanagern hinterherwerfen) als auch die ETF-Anbieter (weil sie viele neue Kunden gewinnen).

Die Anbieter sind längst nicht zufrieden

Der geneigte Leser wird es bereits geahnt haben: So schön das alles auch klingt – diese wunderbare Geschichte hat einen kleinen, aber entscheidenden Haken. Die Anbieter nämlich sind trotz des hohen Wachstums noch längst nicht zufrieden. Sie würden, wer hätte das gedacht, an der ganzen Angelegenheit noch viel mehr Spaß haben, wenn sie ihre ETF teurer verkaufen könnten.

Mehr zum Thema

Darum trommeln wichtige Unternehmen der Branche wie die Deutsche Bank mit ihrer Marke db x-trackers, Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt, mit seiner Marke iShares und Lyxor nun für eine neue Art von ETF. Für sie haben sich die Anbieter den Namen „Smart Beta“ einfallen lassen (manchmal auch „Strategic Beta“ oder „Factor-Investing“ genannt). Das hört sich geheimnisvoll an, doch die bittere Wahrheit ist: Diese neuen Fonds brechen mit fast allen Prinzipien, die die Geldanlage in ETF für Anleger so wertvoll macht. Sie sind weder besonders einfach zu verstehen, noch sind sie besonders günstig.

Das größte Problem aber ist: Sie verleugnen den Grundgedanken, der ETF aus der Masse so vieler unnützer Anlageprodukte einst herausgehoben hat. Niemand kann den Markt schlagen? Doch, behaupten die Anbieter nun plötzlich. Die neuen „Smart Beta“-ETF können dies ihrer Meinung nach ganz gewiss.

Investment auf den Kopf gestellt

iShares beispielsweise wirbt mit dem „Zugang zu Anlagestilen, die historisch betrachtet langfristig Mehrwert erwirtschaftet haben“. Bei db x-trackers klingt das ganz ähnlich: „Durch den Einsatz solcher ETF kann langfristig bei gleichem Risiko eine Zusatzrendite gegenüber den klassischen Marktindizes erzielt werden.“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldanlagen Die Fonds, die immer gewinnen

Absolute-Return-Fonds versprechen Gewinne, selbst wenn die Börsenkurse fallen. Das funktioniert ganz gut. Also eine erstrebenswerte Anlagemöglichkeit? Mehr Von Dyrk Scherff

22.08.2016, 10:25 Uhr | Finanzen
Animation Das Geheimnis des billigen Öls

Noch vor einigen Jahren kostete ein Faß Rohöl 115 Dollar, heute etwa ein Viertel. Was sind die Gründe?  Mehr Von Christian Siedenbiedel und Reinhard Weber

17.08.2016, 20:30 Uhr | Finanzen
Notenbanken Wenn die Zentralbank zum Großaktionär wird

Die Schweizer Nationalbank investiert stärker in Aktien und erhebt auf Hauptversammlungen ihre Stimme. Die Bank von Japan kauft ETFs. Einfluss auf Unternehmen üben sie nicht aus. Mehr Von Gerald Braunberger und Johannes Ritter, Zürich

23.08.2016, 09:54 Uhr | Finanzen
Marktbericht Dax beendet den Tag über 10.600 Punkten

Die gute Laune am deutschen Aktienmarkt hat auch am Mittwoch angedauert und den Dax über 10.600 Punkten gehalten. Der Leitindex knüpfte an seine am Vortag begonnene Erholung an und beendete den... Mehr

24.08.2016, 18:32 Uhr | Finanzen
Anleihenkaufprogramm EZB kauft auch in nicht-öffentlichen Verfahren

Das Anleihenkaufprogramm der EZB ist nicht unumstritten. Doch die Bank kauft nicht nur am Anleihenmarkt, sondern auch Privatplazierungen. Mehr Von Philipp Plickert

23.08.2016, 10:46 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
Carmignac Patrimoine A € Acc -- --
DWS Top Dividende LD -- --
Deka-ImmobilienEuropa -- --
FvS Sic Multiple Opp R -- --
Ethna-AKTIV A -- --

Produktverbote sind heikel

Von Christian Siedenbiedel

Die Finanzaufsicht Bafin soll Anleger schützen - jetzt auch per Produktverbot. Doch das ist heikel, weil es die Aufsicht überfordert. Mehr 4 1