18.06.2007 · Ins Zwielicht geraten ist der als Börsen-Guru gehandelte Markus Frick. Die Kurse dreier von ihm empfohlener kleiner Rohstoffwerte stürzten binnen kürzester Zeit dramatisch ab. Jetzt werfen ihm die ehemaligen Gefolgsleute wütend alles Schlechte vor.
Glanz und Elend können bei Börsen-Gurus dicht beieinander liegen. Wie ein Evangelist wurde der ehemalige Bäcker Markus Frick von Anlegern und Medien verehrt. Wer sein Geld so anlege, wie er es in seinen Büchern und Videos, auf Seminaren und in der N24-Show „Make Money“ empfiehlt, werde reich, lautete die Botschaft, der Tausende folgten.
Was natürlich in der Konsequenz dazu beigetragen haben dürfte, dass die Kurse der in den vergangenen Monaten von Frick vorzugsweise empfohlenen kleinen Rohstoffwerte hohe Kursgewinne verzeichneten. Und solange alle damit verdienten, war Markus Frick ein Held.
Drei Rohstoffaktien bringen Markus Frick ins Zwielicht
Doch jetzt scheint aus dem Helden für einige Anleger ein Schurke zu werden. Dem besonders vom Sender N24 als Experte hofierten Frick wünschten Anleger in den Kommentaren zu seinem Blog auf n24.de plötzlich „alles erdenklich Schlechte, von Krankheiten über Unfälle bis hin zur Inhaftierung“ und machten sich über den Hinweis des Senders lustig, Frick habe die umstrittenen Empfehlungen nicht in der Sendung selbst gegeben, sondern in seinem privaten Angebot (für das Frick aber auf N24 unablässig werben durfte). Die Show vom Samstag fiel kurzfristig aus. Eine Presseerklärung von N24 dazu gab es nicht.
Grund für den Ärger war, dass die Kurse der Aktien von drei nach eigenen Angaben in Russland aktiven Rohstoffunternehmen - Russoil, Stargold Mines und Star Energy -, die Frick als viel versprechend angepriesen hatte, in den vergangenen Wochen bei ungewöhnlich hohen Handelsumsätzen dramatisch an Wert verloren.
Die Aktien von Russoil waren vor noch nicht einmal vier Wochen in Frankfurt bei 80 Cent gestartet, erreichten nach elf Tagen 1,32 Euro und stürzten am 11. Juni um über 50 Prozent ab. Mittlerweile beträgt das Minus gegenüber dem Hoch über 90 und gegenüber dem Erstkurs rund 85 Prozent. Der Kurs der Stargold-Mines-Aktien stieg von Beginn der Handelsaufnahme in Frankfurt im November 2006 bis Ende Mai von 2,80 bis auf 5,70 Euro und stürzte danach rasch bis auf zuletzt 0,282 Euro ab.
Merkwürdigkeiten schon zu den besten Zeiten
Die Star-Energy-Titel kamen zu Jahresbeginn 206 an die Börse, fielen dann bis Juli auf 30 Cent und wurden im Oktober 2006 „entdeckt“. Von da an kletterte der Kurs von 67 Cent bis auf 3,31 Euro im Januar. Danach begann der Aktienkurs immer rascher zu bröckeln. Aktuell notiert die Aktie bei 0,281 Euro.
Ob es jemals eine Erholung gegen wird, scheint aber derzeit mehr als fraglich. Schon im November 2006 hatte FAZ.NET auf einige Merkwürdigkeiten hingewiesen (Möglichkeiten lassen Aktienkurs der Star Energy steigen). Das Vorstandskarussell drehte sich fast noch schneller als die Geschäftszwecke. Mindestens drei Vorstandsvorsitzende verschliss das Unternehmen allein im vergangenen Jahr.
Der Vorstandsvorsitzende von Russoil, Silvestre Hutchinson, war einst Chef der Firma Quest Minerals & Mines, deren Vorstand auch Marcus Segal angehörte, der zuletzt als Manager bei Star Energy und Stargold Mines in Erscheinung trat.
Der Kurs aller drei amerikanisch-russischen Unternehmen wurde und wird vor allem in Deutschland gemacht. Die Umsätze dort liegen um ein Vielfaches über dem in den Vereinigten Staaten. Das hatte Star Energy seinerzeit bewogen, eine deutschsprachige Website einzurichten.
Die „Erfolgsgeschichte“
Star Energy wurde Ende 2006 so gefeiert, weil das Unternehmen das russische Unternehmen Volganeft übernommen hatte, ein „faszinierendes und sehr leistungsfähiges Investment-Vehikel“ in Russland, das in der Exploration, Entwicklung, Förderung und dem Verkauf von Öl und Gas aus der russischen Samara-Region tätig sei.
Das Unternehmen besitze ein 30.000 Quadratmeter großes Grundstück in Tschapaefsk, auf dem das Unternehmen eine Raffinerie errichten wolle. Überdies besitze das Unternehmen 69 Lkws für den Transport von Öl und brennbaren Gütern und beschäftige 185 Mitarbeiter, teilte das Unternehmen mit.
Börsenbriefe verbreiteten dann, dass Volganeft das Rodnikovsky-Ölfeld in der Orenburg-Region erworben habe und dieses Feld Reserven von insgesamt 95 Millionen Barrel besitze. Obendrein berichtete ein Börsenbrief, dass der testierte Umsatz von Volganeft im Jahr 2005 bei 90 Millionen Dollar gelegen habe und das Unternehmen im „zertifizierten Finanzbericht vom Juni 2006“ Vermögenswerte in einem Gesamtwert von 33,2 Millionen Dollar ausweise, während sich die langfristigen Verbindlichkeiten auf 5,4 Millionen belaufen hätten.
„Bilanzen nicht mehr länger verlässlich“
Schon damals verwunderte, dass es dem Unternehmen gelingen konnte, Volganeft für lediglich zehn Millionen Aktien - zum Kaufzeitpunkt rund zehn Millionen Dollar - zu erwerben, während Ölfirmen und Scharen von Finanzinvestoren auf der ganzen Welt nach Übernahmeobjekten suchen und dafür stolze Preise zahlen.
Am 11. Mai erhielten Anleger eine Ahnung davon, warum das Unternehmen so preiswert gewesen sein könnte. Im Rahmen einer Pflichtmitteilung, wonach man eine Absichtserklärung über den Erwerb einer Holding in der Ukraine unterzeichnet habe, teilte das Unternehmen folgendes mit:
Man sei beraten worden, dass die für Volganeft vorgelegten Bilanzen nicht mehr als verlässlich betrachtet werden könnten. Nachdem die Bilanzprüfer von Star Energy weitere Auskünfte von denen der Volganeft hätten erhalten wollen, stellte sich heraus, dass diese die Bilanzen überhaupt nicht geprüft hatten. Überhaupt habe man keine für Volganeft zuständige Person sprechen können. Man habe neue Wirtschaftsprüfer engagiert und stellte neue Zahlen für Mai in Aussicht.
Minimales Eigenkapital
Auch die zurückgezogenen Bilanzen waren alles andere als überzeugend. Zum Stichtag 6. Oktober 2006 wies das Unternehmen eine nunmehr zweifelhafte Eigenkapitalquote von 1,16 Prozent aus. Der Löwenanteil der Schulden bestand aus Liefer- und Wechselverbindlichkeiten, während der Löwenanteil der Vermögenswerte auf das Anlagevermögen entfiel.
Grundsätzlich ist nicht davon auszugehen, dass die Bilanzen von Volganeft besser ausfallen werden, sondern vielmehr steht hier zu befürchten, dass ein ausgemachter Schwindel dahinter steckt.
Inwieweit und ob überhaupt Markus Frick in irgendwelche zweifelhafte Vorgänge um eines oder alle drei Unternehmen verstrickt ist, muss sich zeigen. N24 hat jedenfalls die wöchentliche Sendung „Make Money - Die Markus Frick Show“ am Samstag aus dem Programm genommen. Wie man erklärte, sei dies „vorsorglich“ geschehen, bis die Vorwürfe ausgeräumt seien. Die Vorwürfe bezögen sich nicht auf Inhalte der Show, sondern ausschließlich auf einen Mail-Newsletter, den Frick als selbständiger Unternehmer betreibe.
Abgeben der Verantwortung ist hochriskant
Schon zuvor hatte der Sender festgelegt, dass es sich bei der Show an diesem Samstag um die letzte Episode vor der Sommerpause handelt. Frick weist die Vorwürfe gegen ihn zurück und spricht von einer „Hetzkampagne“. Die Vorwürfe seien falsch und entsprächen nicht den Tatsachen, sagte Frick dem Tagesspiegel.
Indes wurden nach Angaben des Blattes in Leipzig und Berlin Anzeigen gegen Frick gestellt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) prüft den Handel mit den von Frick empfohlenen Rohstoffwerten routinemäßig ebenfalls.
Gleich, ob hinter den Verlusten der Anleger kriminelle Machenschaften von Frick und/oder anderen stecken, zeigt doch der Fall, wie gefährlich es ist, sich blindlings auf einen Börsen-Guru zu verlassen oder auf einen, der es vorgibt zu sein.
Frick selbst, der gern von sich behauptet, selbst wenn man ihm alle Besitztümer nehme, werde er sie binnen zweier Jahre wieder erlangen, weil er wisse, „wie es geht“, räumt ein, bei den drei besagten Aktien „nicht ganz so glücklich“ gewesen zu sein und bedauert die Verluste der Anleger. Doch haftbar wird er wohl nicht sein. Es kann an der Börse eben finanziell suizidal sein, die Verantwortung für die eigenen Anlageentscheidungen an jemanden abzugeben, der nicht dafür zur Verantwortung zu ziehen ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |