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Anlagestrategie Wer zu spät kommt, riskiert Verluste

05.05.2009 ·  Die Stimmung unter Privatanlegern wird besser. Immer mehr liebäugeln wieder mit dem Aktienkauf. Doch zuletzt war die Börse eine Insider-Börse, an der die Kurse schon weit gelaufen sind. Wer jetzt einstiegt, riskiert einmal mehr, zu spät zu kommen.

Von Martin Hock
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Der Optimismus an den Aktienbörsen nimmt mittlerweile fast beängstigende Züge an. Die Kurse zahlreicher Aktien stiegen, oftmals wider Erwarten. Lediglich 5 Dax-Aktien weisen noch ein geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2009 von weniger als 10 auf, schon 4 von mehr als 20, im MDax gar schon 9.

Nach einer repräsentativen Umfrage der DZ Bank unter 1067 anlage-affinen Personen hat dies unter deutschen Privatanlegern mittlerweile zu einem Stimmungsumschwung geführt. Sie beurteilten die Situation an den Märkten inzwischen nicht nur wesentlich optimistischer als noch zu Jahresanfang, sondern zeigen sich sogar ähnlich zuversichtlich wie Anfang 2008, als Aktienmarkt und auch die deutsche Wirtschaft noch in einer relativ robusten Verfassung zu sein schienen.

Privatanleger liebäugeln mit der Aktie

Zwar ist die Präferenz für Tages- und Festgeld nur geringfügig gesunken, doch ziehen wieder mehr Anleger Aktien als Anlagemöglichkeit in Betracht. Insgesamt erklärten bei der neuesten Erhebung, die quartalsweise durchgeführt wird, 40 Prozent der Befragten, sie rechneten im nächsten halben Jahr mit weiter steigenden Aktienkursen. Nur noch ein Viertel aller Befragten erwartet sinkende Notierungen. Im Januar hatte dagegen noch jeder Dritte den Dax auf Talfahrt gesehen.

Im Handelsvolumen an den deutschen Börsenplätzen hat sich dies bislang noch nicht bemerkbar gemacht. Die Volumina liegen deutlich unter denen der Vorjahresmonate. Auch im April ist der Handelsumsatz deutlich um 40 Prozent auf 115,7 Milliarden Euro zurückgegangen.

An Insiderbörsen stiegen die Kursen generell

Auch dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Börse derzeit mehr oder weniger eine Insiderbörse ist, an der vor allem unter Trading-Gesichtspunkten gehandelt wird. Vor allem aber verdienen professionelle Anleger ihr Geld nun doch mit Aktienkäufen. Was tun sie also anderes? Und um Aktien zu kaufen, muss man Optimist sein. Das heißt, professionelle Aktienanleger sind generell Optimisten. Was Wunder also, wenn an einer Insiderbörse die Kurse steigen.

Niemand glaubt aber wirklich, heißt es abseits des Parketts, angesichts der Krisenlage an die rasche konjunkturelle Erholung, die für dauerhaft steigende Aktienkurse stets als Begründung nachgeliefert wird.

Die Risiken sind größer als vor vier Wochen

Von einer Bärenmarkt-, schlimmer noch von einer „Fool's Rally“ ist die Rede. Tatsächlich sind die immer wieder ausgemachten Erholungsanzeichen alles andere als eindeutig. Und darauf, dass die Kurse weiter stiegen, wenn sie denn erst einmal steigen, ist wirklich kein Verlass. So stieg der Dow beispielsweise zwischen Jahresanfang 1929 und Mitte April um 26 Prozent. Der Nikkei kletterte in der ersten Jahreshälfte 1994 ebenfalls um 21 Prozent.

Privatanleger, die daher bis jetzt noch nicht dabei waren, laufen wie so oft Gefahr, auch diesmal wieder zu spät zukommen und gerade in einer Phase großer Risiken das häufige Schicksal zu erleiden, zu spät zu kommen - nämlich dann, wenn alle Insider sich langsam damit vertraut machen, wieder auszusteigen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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