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Anlagestrategie Kleinanleger sind verdächtig optimistisch

02.01.2009 ·  Nach den Turbulenzen der vergangenen Monate hat sich die Lage an den internationalen Börsen in den vergangenen Tagen beruhigt. Die Volatilitäten haben sich zurückgebildet, aber gerade die Kleinanleger sind verdächtig optimistisch.

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Nach den Turbulenzen der vergangenen Monate hat sich die Lage an den internationalen Börsen in den vergangenen Tagen beruhigt. Gerade im dünnen Handel über die Feiertage hat sich der allgemeine Optimismus durchgesetzt und sich auch ins frühe Jahr 2009 übertragen.

Die Börsen starten im nach wie vor dünnen Handel mit deutlichen Kursgewinnen ins neue Jahr. In Asien legte der Hangseng-Index am ersten Handelstag satte 4,55 Prozent zu, in Singapur ging der Straits Times Index um 3,87 Prozent nach oben und der südkoreanische Kospi konnte einen Kursgewinn von 2,93 Prozent verbuchen.

Volatilitäten haben sich in den vergangenen Wochen zurückgebildet

In Europa setzt sich die Entwicklung nahtlos fort. In Schweden verbucht der OMX 30 Kursgewinne von bis zu 3,5 Prozent, in Holland geht es um 3,4 Prozent nach oben, der französische Cac 40 legt um 2,10 Prozent zu und auch der Dax liegt am frühen Nachmittag mit einem Plus von 1,9 Prozent bei 4.900 Zählern.

Die allmähliche Beruhigung der Lage hatte sich in den vergangenen Wochen schon an der Entwicklung der Volatilitätsindizes ablesen lassen. Denn nach rekordverdächtigen Werten von bis zu 81 Prozent am Beispiel des amerikanische VIX-Index und von 83 Prozent am Beispiel des VDax New im November beziehungsweise im Oktober des vergangenen Jahres kam es danach zusammen mit einer Art Bodenbildung der Indizes zu einer Rückbildung der Volatilitäten

Sowohl der VIX-Index als auch der VDax-New-Index sind in den vergangenen Wochen deutlicher gefallen, als die Kurse an den beiden Aktienmärkten gestiegen sind. Sollte sich die Korrelation, die sich in den Schwächephasen herausgebildet hatte, auch nur in Ansätzen bestätigen, so müssten die Aktienkurse unabhängig von der fundamentalen Lage zumindest kurz- und mittelfristig weiter steigen.

Tatsächlich waren die Börsen in den vergangenen Monaten aus technischer Sicht stark überverkauft. Gleichzeitig sitzen viele Anleger auf riesigen Liquiditätspolstern, die aufgrund der extrem tiefen Nominalzinsen mit fallender Tendenz kaum Rendite abwerfen. Sollte auch nur ein geringer Teil dieser Mittel in die Aktienmärkte umgeschichtet werden, so dürften sich rasch und deutlich nach oben laufen können.

Die Kleinanleger sind verdächtig optimistisch

Wie weit ist allerdings eine andere Frage. Denn angesichts der schwachen Konjunkturdaten stellt sich die Frage, ob die Unternehmen in den kommenden Monaten die Gewinne werden liefern abliefern können, die die Analysten im Durchschnitt erwarten und die die Anteilsscheine zumindest optisch günstig aussehen lassen. Da Analysten zu optimistischen Schätzungen neigen, scheint eine gewisse Skepsis angebracht zu sein. Immerhin stammten in den vergangenen Jahre große Teile der gesamtwirtschaftlich erzielten Gewinne aus dem Finanzsektor. Genau dieser wird künftig aufgrund der Kreditkrise und ihren Folgen nicht mehr stark prosperieren können wie in der Vergangenheit.

Verdächtig ist auch die Tatsache, dass vor allem die Kleinanleger sehr optimistisch sind. So hat die Put-Call-Ratio, die von der International Securities Exchange in New York in Form des ISEE Index berechnet wird, zum Ende des vergangenen Jahres den höchsten Stand seit Monaten erreicht. Der Index schließt die Transaktionen professioneller Marktteilnehmer aus und bezieht sich nur auf Anleger, die neu auf steigende oder fallende Kurse setzen. Ein Indexstand von mehr als 100 steht für optimistische Kleinanleger. Der Zehn-Tagesdurchschnitt lag Ende des vergangenen Jahres bei 150. In den vergangenen sieben Jahren hatte er sich zwischen 78 und 229 Punkten bewegt.

So besteht das Risiko, dass professionelle Anleger in den kommenden Wochen Kursgewinne dazu nutzen könnten, um anhaltend schlechten Nachrichten von konjunktureller und auch von Unternehmensseite Kasse zu machen. Gerade auch der Finanzsektor dürfte noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus sein. Denn die schwache Wirtschaft führt zu weiterem Abschreibungsbedarf. CDOs mit einem zunächst fiktiven Wert von Billionen von Dollar geraten immer mehr ins Geld und führen zu entsprechenden Belastungen. In diesem Sinne sind Absicherungsstrategien bei Aktienkäufen ratsam.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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