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Anlagestrategie Im Moment bedeutungslos: Traditionelle Bewertungs-Kennziffern

22.10.2008 ·  Die Finanzmarktkrise hat dazu geführt, dass bewährte Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eines Unternehmens oder die erwartete Dividendenrendite keine verlässlichen Signale mehr geben, wohin der Markt steuert.

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Die Anleger an den Aktienmärkten suchen nach Orientierung, aber ausgerechnet jetzt können sie den traditionellen Leuchtbojen nur noch sehr eingeschränkt vertrauen.

Die unerwartet lange und heftige Finanzmarktkrise hat dazu geführt, dass bewährte Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eines Unternehmens oder die erwartete Dividendenrendite keine verlässlichen Signale mehr geben, wohin der Markt steuert. „Der Anleger kann sich an diesen Werten zwar weiterhin orientieren, aber er sollte mit der Interpretation sehr vorsichtig umgehen", sagt Franz-Josef Leven, Direktor am Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Kurs-Gewinn-Verhältnisse bieten derzeit keine allzu gute Orientierung

Unter normalen Verhältnissen würden die inzwischen erreichten Kurs-Gewinn-Verhältnisse eindeutig ein Kaufsignal aussenden. Im Dax und auch bei anderen großen europäischen Indizes liegt das KGV derzeit deutlich unter 10 und damit auch weit unter dem Niveau, das im März 2003 auf dem Tiefpunkt der damaligen Krise erreicht wurde. „Das wäre jetzt eigentlich die Zeit für eine Schnäppchenjagd", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Aber wie viele andere Marktbeobachter geht auch er davon aus, dass die derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse keine allzu gute Orientierung mehr bieten. Das liegt an den täglich stark schwankenden Aktienkursen, viel mehr aber noch an den Gewinnerwartungen, die nach Ansicht vieler Fachleute nach wie vor zu hoch sind. Eine kräftige Korrektur der Gewinnprognosen nach unten steht deshalb wohl unmittelbar bevor. Das würde die Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder nach oben bringen, aber aus einem für Anleger unangenehmen Grund. „Der Aktienmarkt signalisiert derzeit, dass die schlimmste Konjunkturkrise seit 25 Jahren droht", sagt Hürkamp. Als Kaufsignal sollte das KGV aber nur verwendet werden, wenn es durch steigende Aktienkurse hervorgerufen wird, ergänzt Leven.

Auch der Rückgriff auf die Dividendenrendite könnte die Anleger auf eine falsche Fährte führen. Die Kennziffer signalisiert derzeit zwar ebenfalls einen höchst attraktiven deutschen Aktienmarkt. Mit einem erwarteten Wert von rund 5 Prozent für dieses Jahr liegt sie im Dax weit über dem langjährigen Durchschnitt von 2,5 bis 3 Prozent. „Aber wer kann sicher sagen, dass die Unternehmen ihre Ausschüttungen für 2008 nicht noch deutlich kürzen", sagt Peter Kolberg, Mitinhaber der Vermögensverwaltungsfirma Büttner, Kolberg & Partner. Bei den Banken, die sich nun der Staatshilfe bedienen, droht sogar eine vollständige Streichung der Ausschüttung. „Dividendenrenditen sind nur dann aussagekräftig, wenn die Unternehmensgewinne steigen, nicht aber wenn sie fallen", erläutert Christoph Berger, Fondsmanager der Cominvest.

Schwankungsunanfällige Kennziffern gewinnen an Bedeutung

Angesichts dieser Unsicherheiten werden andere, weniger schwankungsanfällige Kennziffern plötzlich mehr in den Vordergrund gerückt, zum Beispiel das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Aber auch diese Zahlen sind in Krisenzeiten nicht wirklich verlässlich, da sie zum Beispiel Annahmen über das Eigenkapital oder über künftige Zahlungsströme beinhalten - und beides kann sich dieser Tage rasch verändern. "Niemand hat wirklich Erfahrung mit einer solchen Krisensituation", sagt Peter Kolberg. Deshalb empfiehlt es sich umso mehr, über die klassischen Kennziffern hinwegzublicken, rät er. Das heißt: die Unternehmen genau und über längere Zeit studieren und ein Gespür dafür entwickeln, wohin sich die Gewinne bewegen werden. „Kennzahlen wie das KGV sind nach wie vor nützlich, aber jede Kennzahl muss unter Berücksichtigung der speziellen Situation eines Unternehmens betrachtet werden", sagt Christoph Berger.

Zwar gelte die alte Weisheit weiter, wonach die Kurse langfristig die Fundamentaldaten der Unternehmen abbilden, heißt es. „In der aktuellen Krisenphase werden die Kurse aber nicht von Fundamentaldaten bestimmt, sondern von psychologischen Faktoren", sagt der Frankfurter Finanzprofessor Raimond Maurer. Irgendwann werde auch diese Krise zu Ende sein, ergänzt er. „Aus den traditionellen Kennziffern wird man den Zeitpunkt allerdings nicht ablesen können."

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