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Anlagestrategie Höhere Renditen bei geringerem Risiko

03.06.2009 ·  Das Interesse an Anlagestrategien mit niedrigem Volatilitätsprofil wächst. Einige Investoren versuchen jedoch, die Volatilität zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Von Tara Kalwarski und Ben Levisohn
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Während der rasanten Berg- und Talfahrt des Marktes haben Anleger am eigenen Leib erfahren, welche Schäden Kursschwankungen in Portfolios und an Nervenkostümen anrichten kann. Der „Maßstab für die Anlegerangst“, der Volatilitätsindex VIX der Chicagoer Optionsbörse (CBOE), ist unlängst zwar auf den tiefsten Stand seit der Lehman-Insolvenz im September 2008 gefallen, die Risikoniveaus liegen jedoch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt.

„Die Volatilität ist von ihren extremen Krisenniveaus zurückgekommen, historisch gesehen allerdings nach wie vor überhöht“, sagt Wasif Latif, Spezialist für Aktienanlagen bei USA Investment Management.

Viele Anleger gelangen selbst im aktuellen Umfeld zu der Einschätzung, größere Risiken eingehen zu müssen, um erlittene Verluste wettzumachen. Möglicherweise ist dies jedoch nicht zwingend erforderlich. In dieser Zeit überdurchschnittlicher Volatilität, in der kurzfristige Marktschwankungen sehr viel schneller erfolgen und extremer ausfallen als im historischen Mittel, bieten sich mehr Möglichkeiten denn je, um ein Portfolio vor Risiken zu schützen oder die Volatilität zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Mehr Rendite bei weniger Risiko

Ein geringeres Risiko müsse nicht zwangsläufig mit niedrigeren Renditen erkauft werden, sagt Harindra de Silva, Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Analytic Investors. Dies war der Tenor einer von ihm als Mitherausgeber im Herbst 2006 veröffentlichten Studie, aus der hervorging, dass schwankungsarme Portofolios den Markt schlagen können. Von 1968 bis 2005 überflügelte ein risikoärmeres Portfolio den Gesamtmarkt um durchschnittlich 0,9 Prozentpunkte pro Jahr.

Nachdem Anlagestrategien mit niedrigem Volatilitätsprofil auf zunehmendes Interesse institutioneller Investoren stießen, entwickelte der Indexbetreiber MSCI Barra eine Reihe von Indizes, mit denen Investoren die Wertentwicklung ihrer Portfolios vergleichen können. Aktien mit geringer Volatilität blieben in starken Rallys zwar tendenziell hinter dem Markt zurück, machten diesen Rückstand in Baissephasen aber wieder wett, so Frank Nielsen, Leiter der Indexanalyse bei MSCI Barra.

Der von MSCI im April 2008 eingeführte U.S.A. Minimum Volatility Index beendete das vergangene Jahr mit einem Minus von 26 Prozent, während der Aktienindex S&P-500 34 Prozent an Wert verlor. Im Mai startete Standard & Poor's eine „risikokontrollierte Version“ des S&P-500, der ein Volatilitätsniveau von zehn Prozent anvisiert. Übersteigt dessen Volatilität diese Marke von 10 Prozent, dann wird ein Teil der Mittel in Geldmarktpapiere umgeschichtet; fällt die Volatilität unter zehn Prozent, werden ebenfalls Anpassungen vorgenommen.

Risikoarme Fonds langfristig oft besser

Doch es gibt auch andere Möglichkeiten zur Handhabung der Volatilität. Viele Fondsmanager konstruieren risikoarme Portfolios. Morningstar stuft Fonds auf Grundlage ihrer Volatilität gegenüber der eigenen Historie und jener ihrer Wettbewerber ein. Wenig überraschend dürfte die Tatsache sein, dass risikoarme Fonds über einen Zeithorizont von einem, drei, fünf und zehn Jahren insgesamt bessere Wertentwicklungen aufweisen als ihre mit höheren Risiken verbundenen Wettbewerber.

Investoren können die Volatilität auch zum eigenen Vorteil nutzen. Ein stärkerer Fokus auf die Anlagemischung wäre bereits ein Anfang. In ruhigeren Zeiten könnten Anleger ihre Portfolios im Quartals- oder Jahresrhythmus an die Marktgegebenheiten anpassen. Im derzeitigen Marktumfeld dürfte das indes nicht ausreichen. Man denke etwa an die jüngste Entwicklung der Finanzaktien. Seit seinem Märztief hat sich der Sektorindex fast verdoppelt, während der breite Markt um 35 Prozent zulegte. Investoren, die einen zehnprozentigen Anteil an Finanztiteln anstrebten, fanden sich in nur wenigen Wochen mit einem Portfolioanteil von 15 Prozent wieder.

Man sollte sogar davon absehen, Positionen partout langfristig zu halten, rät Blaze Tankersley, Managing Director des Investmenthauses Bay Crest Partners. Anleger sollten stattdessen ihre an eine Langfristanlage gestellten Renditeerwartungen bei der Entscheidung über den Verkaufszeitpunkt heranziehen. Erwartet man etwa über einen Zeitraum von fünf Jahren eine jährliche Rendite von zehn Prozent, dann erscheint der Verkauf einer Aktie nach einem Anstieg um 50 Prozent durchaus sinnvoll.

Häufige Anpassungen des Portfolios

David Ellison, Manager der FBR Large and Small Cap Financial Services Funds, würde zwar langfristiges Halten favorisieren, doch seine bevorzugte Kennziffer, das Kurs-Buchwert-Verhältnis, habe ihn davon abgebracht. Finanzaktien hätten sich zu schnell von seiner Kaufspanne, rund die Hälfte des Buchwerts, hin zu seiner Verkaufsspanne, irgendwo zwischen dem Ein- und Dreifachen des Buchwerts, bewegt. „Die Branche möchte, dass man Aktien bis in alle Ewigkeit hält“, sagt Ellison. „Doch wer könnte widerstehen, wenn sie in einer Woche um 80 Prozent nach oben schießen?“

Da die Verwaltung eines Portfolios mitunter recht zeitintensiv ist, könnten Anleger ihre Transaktionen auch im Voraus durch Festlegung bestimmter Kauf- und Verkaufskurse limitieren, empfiehlt Charles Zhang, Finanzberater bei Zhang Financial in Portage, Michigan. Nachdem Bankaktien unlängst auf Erholungskurs gingen, platzierte Zhang Limit-Orders zum Kauf von Aktien, wenn die Kurse um 10 Prozent fallen, und zum Verkauf etwa der Hälfte einer Position, wenn die Kurse um 20 Prozent steigen. Dieselbe Technik würde bei Investoren funktionieren, die ETFs zur Portfoliokonstruktion heranziehen.

Häufige Transaktionen bedeuten allerdings höhere Kosten und auch steuerliche Aspekte sind von Belang. Investoren sollten sich aber nicht scheuen, schlecht laufende Aktien abzustoßen, da sich deren Kursverluste mit Kursgewinnen erfolgreicher Aktien verrechnen ließen, sagt Robert Stimpson, Portfoliomanager bei Oak Funds.

Ben Levisohn ist Redakteur der Business Week für den Bereich Finanzen und persönliche Geldanlagen. Tara Kalwarski ist Redakteurin der Business Week.

Quelle: Business Week Online
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