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Anlagestrategie Es gilt, Chancen nicht zu verpassen

12.03.2009 ·  Die Zahlen von realwirtschaftlicher Seite sind schlecht. Tatsächlich drehten die Börsen aber in der Vergangenheit nicht erst nach oben, als die Daten gut aussahen, sondern als sie weniger schwarz als zuvor wurden.

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An den Börsen hat sich die negative Stimmung in den vergangenen Tagen etwas entspannt. Immerhin konnten einige Indizes wie der amerikanische S&P 500 oder auch der deutsche Dax in einer Woche rund zehn Prozent zulegen.

Obwohl konjunkturelle und Unternehmensnachrichten durchwegs schlecht ausfallen, scheint die Neigung zuzunehmen, sich auf die optimistischen Aspekte zu konzentrieren. In den vergangenen Tagen versuchten verschiedene Bankvorstände, für positive Nachrichten zu sorgen. Das trug zumindest kurzfristig zum Stimmungsumschwung bei und sorgte in dem in den vergangenen Monaten arg gebeutelten Finanzsektor für deutliche Kursgewinne.

Schlechte Zahlen von realwirtschaftlicher Seite ...

Am Donnerstag setzt sich das Bild fort. Während die Daten über die Industrieproduktion in Deutschland mit einem Minus von 19,3 Prozent im Januar auf Jahresbasis sehr schlecht ausfielen, sind die Einzelhandelsumsätze in den Vereinigten Staaten im Februar überraschend lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. In der Abgrenzung „ohne Automobile“ war im Vergleich mit dem Vormonat sogar ein Plus von 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Zum zweiten Mal in Folge überraschte die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze positiv, heißt nun von Seiten von Analysten. Nur für die Autohändler und für den Bereich Nahrungsmittel seien negative Rückpralleffekte nach starken Zuwächsen im Vormonat gemeldet worden, erklären sie weiter. Die weiteren Teilbereiche glänzten fast alle mit Umsatzzuwächsen. Das komme vor dem Hintergrund einer sehr schwachen Arbeitsmarktentwicklung sehr überraschend, heißt es.

Allerdings dürfte es ratsam sein, den positiven Unterton solcher Analysen mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Denn faktisch sind die amerikanischen Einzelhandelsumsätze vom Februar des Jahres 2008 auf Februar des Jahres 2009 um 8,34 Prozent gefallen. Ohne Berücksichtigung des schwachen Automobilsektors gingen sie um 5,22 Prozent zurück.

Auf der anderen Seite stellen sich erfahrene Strategen die Frage, wann es denn für Anleger ratsam sein könnte, sich an den Börsen wieder stärker zu engagieren. Auf der einen Seite sei es reizvoll, auf Liquiditätsbeständen sitzen zu bleiben, da Aktienmärkte in vergangenen Bärenmarktphasen weiter gefallen seien. Das heißt, Aktien könnten in einer fortgesetzten Baisse noch günstiger werden.

... müssen nicht gegen eine Erholung der Börsen sprechen

Auf der anderen Seite zeige die Historie, dass der Zeitpunkt zu Aktienkäufe mittel- und langfristig gerade dann besonders günstig gewesen sei, als vormals vernünftige Anleger nervös wurden und aufgrund schwacher Daten aus der Realwirtschaft das „Ende der Welt“ prophezeiten. Solche Phasen stellten aus psychologischer Sicht eine Klimax dar, die antithetisch gewertet werden konnte.

Da es praktisch unmöglich sei, genau zu den Tiefstkursen zu kaufen, raten sie zu einem festen Kaufplan. Anleger sollten sich feste Kurs- oder Indexmarken vornehmen, bei deren Erreichen sie ihre Liquidität Häppchen für Häppchen in gut gewählte, solide Werte reinvestierten. Diese Strategie vermeide einerseits das Risiko, zu früh zu stark investiert zu haben. Auf der anderen Seite müssten jedoch auch die Opportunitätskosten berücksichtigt werden. Denn in vergangenen Bärenmärkten erholten sich die Indizes trotz schwacher Daten in kürzester Zeit unheimlich stark. Alleine in den Jahren 1932/33 beispielsweise legte der Dow Jones Industrial nach massivene Kursverlusten in den drei Jahren zuvor in zwei kurzen Phasen mehr als 100 Prozent zu - lange bevor die Bankenkrise und die Arbeitslosigkeit ihre Höhepunkte erreicht hatten.

Letztlich gehe es strategisch darum, solche Phasen auf keinen Fall zu verpassen. Die Märkte drehten schließlich nicht erst nach oben, wenn die Daten gut aussähen, sondern sobald sie allmählich weniger schwarz als zuvor würden, erklärt zum Beispiel Jeremy Grantham von Vermögensverwalter GMO in Boston.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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