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Anlagestrategie Dividenden sind mehr als das Zünglein an der Waage

19.03.2007 ·  Dividenden werden von vielen Aktienanlegern missachtet, scheinen doch die Centbeträge manchmal kaum ins Gewicht zufallen. Doch nicht nur langfristig sieht das Bild deutlich anders aus.

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In alten Zeiten war die gezahlte Dividende das vornehmliche Kriterium für die Aktienauswahl. Aus dieser „grauen Vorzeit“ stammt auch noch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Börsenlexikon: KGV (Kurs/Gewinn-Verhältnis)) als quantitatives Kriterium, soll es doch angeben, in wie vielen Jahren sich der Kaufpreis einer Aktie durch vereinnahmte Dividenden amortisiert hat, gesetzt den Fall, diese bliebe konstant.

In Hochphasen wurde die Verbindung zwischen Aktienauswahl und Dividendenfähigkeit stets lockerer und die Auswahl stets spekulativer. Spätestens seit Ende der neunziger hat diese sich generell gelockert.

Manko vieler Anlagezertifikate

Nichtsdestoweniger ist die Dividendenzahlung für die Ertragsaussichten nicht unbedeutend geworden. das geht zumindest aus einem aktuellen Investment-Kommentar der Schroders-Fondsmanagerin Sonja Schemmann hervor, die hervorhebt, dass langfristig Dividenden ungefähr 50 Prozent der Aktiengewinne ausmachen, die mit Aktien erzielt werden.

Dies ist auch ein Manko der Anlagezertifikate, von denen nun einmal die überwältigende Mehrzahl von 84,3 Prozent nach dem Jahresbericht des Derivate-Forums auf Aktien basiert. Ein sehr großer Teil dieser Produkte aber ist so konstruiert, dass die Emittenten die Dividenden einbehalten und der Anleger lediglich an den Kursgewinnen in der ein oder anderen Form partizipieren kann. Stimmt Schemmanns These, so bringt er sich selbst um 50 Prozent seiner Ertragschancen.

Zudem, argumentiert die Fondsmanagerin, seien Risikoprofil und Volatilität dividendenstarker Aktien niedriger als die vergleichbarer Anlagen und auch die Umschlagshäufigkeit nur halb so hoch ist wie die von Aktien ohne Dividendenzahlung.

Stabilere Investments

Auch das erscheint plausibel, bietet doch die Aussicht auf eine lukrative Dividende eher einen Anreiz, das ein oder andere Tief auch mal auszusitzen und nicht gleich die Flinte ins Korn bzw. die Aktie auf den Markt zu werfen.

Obendrein sei die Kapitaldisziplin auf Unternehmensseite bei diesen Unternehmen strikter. Wenn sich diese Unternehmen zur Investition ihrer Barüberschüsse entschieden, geschehe dies aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Ziel, die Erträge zu stärken, nicht um sie zu verwässern.

Die Unternehmen genössen das Vertrauen der Anleger, weil sie bereit seien, Zahlungsmittelüberschüsse an die Aktionäre weiterzugeben, anstatt sie vorzugsweise bei risikoreichen Akquisitionen oder Investments einzusetzen. Dieses Argument lässt sich indes noch anders wenden: Unternehmen, die keinen für Dividendenzahlungen ausreichenden Kapitalstrom erwirtschaften, sind darauf angewiesen, ihre vorhandenen Überschüsse zu investieren, um sich irgendwann in eine komfortablere Finanzposition manövrieren zu können.

Dividenden sollten nicht sinken

Schemmann sieht in Dividendenstrategien gerade jetzt einen Erfolg versprechenden Ansatz. Wirtschaftliches Wachstum und die Dynamik der Gewinnentwicklung würden sich im Lauf des Jahres eher abschwächen, so dass sich Value-Aktien besser als der Gesamtmarkt entwickeln sollten.

Zudem seien die Ausschüttungsquoten immer noch nicht überhöht. Im weltweiten Durchschnitt liege die Dividendendeckung als Quotient von freiem Cashflow und Dividenden über dem Wert von zwei. Somit gebe es durchaus noch Spielraum für höhere Dividenden.

Indes empfiehlt auch Schemmann sich nicht einseitig nur auf die Dividendenhöhe, sondern vielmehr auf das Gleichgewicht zwischen Auszahlungssumme und Reinvestition zu konzentrieren. Ein Unternehmen, das seine Erträge vollständig ausschütte, investiere nicht in sein Geschäft und schränke das zukünftige Wachstumspotential ein. Das geht früher oder später auch zulasten der Dividendenhöhe. Überdies habe nicht jede Investition in der Vergangenheit auch nur die Kapitalkosten eingebracht.

Der kleine Unterschied

Dass Dividenden auch praktisch einen deutlichen Unterschied machen, zeigen die Infografiken. So ist der Verlauf des Perfomance- und des Kurs Index des Tecdax im wesentlichen identisch, wohingegen sich bei Dax und MDax deutliche Differenzen auftun. Dabei schrumpft im Dax die Differenz in schwachen Jahren und weitet sich in guten Jahren aus. Im MDax ist sie in den vergangene zehn Jahren spürbar gewachsen.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang an anderer Stelle. So hat der Tecdax-Performance-Index in den vergangen Monaten die Wertentwicklung des Dax-Kursindexes übertreffen können, den Performance-Index aber nur einholen können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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