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Anlagestrategie Die Zukunft der „Carry Trades“

03.01.2007 ·  Carry Trades, also das Leihen von Geld in Niedrigzins- und das Investieren in Hochzinsregionen könnten mit einer Änderung der japanischen Geldpolitik an Attraktivität verlieren und zu Turbulenzen auf den Märkten führen. S&P hält die Besorgnis aber für übertrieben.

Von Alec Young
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Die niedrige globale Inflation, Chinas 1.000 Milliarden Dollar schwere Devisenreserven und die sprudelnden Petrodollars im Mittleren Osten bescheren der Welt eine wahre Liquiditätsschwemme. Diese resultierte in einer gestiegenen Risikobereitschaft, geringeren Schwankungen an den Aktienmärkten und hohen Erträgen risikoreicherer Anlageklassen.

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass die reichlich vorhandene Liquidität zu weltweit niedrigen Zinsniveaus beigetragen hat. So betreibt Japan - aufgrund anhaltender Deflationssorgen - die bei weitem stärkste akkommodierend ausgerichtete Geldpolitik unter den großen Volkswirtschaften.

Angst vor einer restriktiveren Geldpolitik Japans bleibt bestehen

Wagemutigere Marktteilnehmer haben aus dieser Zinsdisparität mit Hilfe einer als „Carry Trade“ bekannten Anlagestrategie Kapital geschlagen. Hierbei leiht sich ein Anleger Geld in Niedrigzinsländern wie etwa Japan und investiert es in einem Land mit deutlich höheren Zinsen. Der Gewinn liegt in der Zinsdifferenz. Ein schwacher Yen infolge der Zurückhaltung der japanischen Notenbank bei Zinsanhebungen hat Carry Trades noch attraktiver werden lassen.

Die Aussichten für das japanische Wirtschaftswachstum und dessen Auswirkungen auf die Geldpolitik der Bank of Japan haben weitreichende Folgen für die internationalen Kapitalmärkte. Dies zeigte sich im vergangenen Mai, als sich die Besorgnis über die Wachstumsperspektiven Japans und mögliche restriktivere geldpolitische Schritte der japanischen Notenbank in einem Einbruch der globalen Märkte niederschlug. Zwar haben sich die Märkte zwischenzeitlich wieder erholt, die Besorgnis jedoch bleibt.

Die Schwarzmaler sehen die japanischen Zinsen auf deutlichem Weg nach oben. Die hohen Zinsdifferenzen, die Carry Trades in den vergangenen Jahren angeheizt haben, würden in diesem Szenario schrumpfen. Daneben würden wettbewerbsfähigere Zinsen dem Yen einen starken Aufwertungsschub verleihen und damit die Grundlage für Short-Positionen in japanischer Währung untergraben.

Carry Trades werden nur langsam verschwinden

Die Pessimisten glauben, dass das mögliche Austrocknen der Carry-Trade-Liquidität zu einem starken Anstieg der Volatilität führen könnte, da Anleger Aktien meiden und stattdessen in risikoärmere Anlageklassen wie etwa Tagesgeld investieren.

S&P Equity Strategy ist zwar der Ansicht, dass die Popularität des Yen-Carry-Trade möglicherweise ihren Höhepunkt erreicht hat und diese Strategie nach und nach verschwinden wird. Dies wird aber nur begrenzt negative Auswirkungen auf die globalen Kapitalmärkte haben.

Erstens ist zu bezweifeln, dass die japanische Notenbank eine aggressive geldpolitische Straffung vornehmen wird. Nach einem Jahrzehnt fallender Kurse gehen wir davon aus, dass die japanischen Zinsen nur schrittweise ansteigen werden, da die Zentralbank weitere Anzeichen für ein Ende der Deflation abwartet. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Dynamik der japanischen Wirtschaft etwas nachlassen wird und eine restriktivere Geldpolitik weniger wahrscheinlich macht.

Aktiengewichtung bleibt unverändert

Zweitens wird das erwartete moderate Tempo der Zinsanhebungen eine zu starke oder zu schnelle Aufwertung des Yen verhindern, insbesondere weil die Europäische Zentralbank und die Bank of England schneller restriktive geldpolitische Schritte unternehmen werden.

Dies ist als gute Nachricht für weltweit agierende Aktienanleger zu werten. Die globale Portfoliostrukturierung von S&P Equity Strategy bleibt daher unverändert mit einer Aktiengewichtung von 60 Prozent, die sich aus 40 Prozent inländischen und 20 Prozent internationalen Titeln zusammensetzt. Bei der Gewichtung internationaler Aktien empfehlen wir einen Anteil von 15 Prozentpunkten für Titel aus entwickelten Volkswirtschaften und fünf Prozentpunkten für Aktien aus Schwellenländern.

Alec Young ist Aktienstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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