17.03.2003 · Der Dax ist in der Spitze nun schon so stark gefallen wie zu Zeiten der Großen Depression. Doch da der Bärenmarkt intakt ist, sollte die jüngste Kursrally noch nicht als die große Trendwende gesehen werden.
Von Jürgen BüttnerIst dem Dax in der Vorwoche nun der Befreiungsschlag gelungen oder nicht? So lautet natürlich momentan - wieder einmal - die spannendste Frage, welche sich die Börsianer stellen. Nach den in der zweiten Wochenhälfte verbuchten fulminanten Kursgewinnen meldeten sich jedenfalls bereits wieder etliche Beobachter zu Wort, die auf bessere Zeiten setzen.
Hoffnungen wie diese sind nach drei Jahren Bärenmarkt nur zu verständlich. Ob sie allerdings auch der Realität entsprechen, ist fraglich. Aktuell sollte hinter den Gewinnen vom vergangenen Donnerstag und Freitag noch nicht mehr gesehen werden als eine normale technische Erholung auf die zuvor gesehenen schweren Verluste. Die langfristigen Abwärtstrends sind deswegen jedenfalls noch lange nicht geknackt.
Drohender Irak-Krieg bleibt eine Kursbremse
Kurzfristig wird den Aktienmärkten auch ein nachhaltiger Ausbruch nach oben vermutlich verwehrt bleiben. Denn US-Präsident George W. Bush hat erklärt, dass an diesem Montag die “Stunde der Wahrheit für die Welt schlägt“. Die Entscheidung im Irak-Konflikt rückt damit immer näher, und ein Krieg scheint fast unausweichlich zu sein. Sollte den Amerikanern dabei ein schneller Krieg gelingen, wäre zwar anschließend kurzfristig eine erneute Erleichterungsrally denkbar. Friede, Freude, Eierkuchen dürfte deswegen aber noch immer nicht angezeigt sein. Dafür sind die konjunkturellen Risiken und die strukturellen Ungleichgewichte einfach immer noch zu groß.
Hinzu kommt eine noch immer gemessen an der trüben Ausgangslage zu hoch bewertete Wall Street. Sollte es dort zu einer Bewertungskorrektur kommen, dürfte sich dem auch der Dax nicht entziehen können, auch wenn hierzulande mitunter bereits jetzt schon günstig bewertete Titel zu finden sind. Aber dabei ist zu bedenken, dass es ebenso, wie es im Bullenmarkt zu Übertreibungen nach oben gekommen ist, jetzt vermutlich zu Übertreibungen nach unten kommen wird.
Intakte langfristige Abwärtstrends
Gleichzeitig ist es natürlich so, dass der Dax mit einem zwischenzeitlichen Minus von über 73 Prozent gemessen an seinen alten Rekordständen schon stärker gefallen war als zu Zeiten der Großen Depression 1929. Alleine dieser Vergleich zeigt, dass der deutsche Aktienmarkt das Schlimmste hinter sich haben sollte. Allerdings stellt sich gleichzeitig die Frage, woher die Käufer kommen sollen, die eine längerfristige Aufwärtsbewegung tragen. Die meisten potenziellen Kandidaten für derartige Käufe fallen derzeit nämlich aus.
Zu konstatieren ist vielmehr, dass weiterhin per saldo mehr Gelder aus den Aktienmärkten abgezogen als neu hineingepumpt werden. Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Gewinne am Ende der Vorwoche sollten deshalb nicht überinterpretiert werden. Vielmehr sind sie zunächst nur als Reaktion auf einen stark überverkauften Zustand einzuordnen.
Die charttechnische Ausgangslage vieler Einzeltitel ist jedenfalls so hoffnungslos, dass sich zu viel Optimismus von vorneherein verbietet. Mehr als der Versuch einer langfristigen Bodenbildung scheint deshalb noch immer nicht drin zu sein. Sollte bei diesem Versuch allerdings das jüngste Tief beim Dax bei knapp unterhalb von 2.200 Punkten unterschritten werden, würde sich das Bild erneut eintrüben.
Insgesamt gibt es somit für die gefrusteten Anleger noch immer kaum Gründe, um auf den baldigen Beginn eines neuen Bullenmarktes zu setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |