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Anlagestrategie „Bei den Anlegern wird es noch viele lange Gesichter geben“

27.07.2004 ·  Einige der besonders erfolgreichen Geldverwalter verweigern sich leider der Presse. Doch wenn sie sich im Hintergrundgespräch inoffiziell doch äußern, kommt dabei Spannendes heraus, wie der nachfolgende Beitrag zeigt.

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Es gibt Geldverwalter, die sind so erfolgreich, daß sie keine Werbung mehr für den eigenen Namen brauchen. Legen sie dann auch noch mehr Wert auf Anonymität im Privatleben als darauf, in den Medien gefeiert zu werden, dann führt das mitunter dazu, daß sie sich Interviews ganz verweigern.

Aus Anlegersicht ist das deswegen unbefriedigend, weil sie dadurch von der Markteinschätzung von einigen der besten Kennern der Finanzmärkte nichts mitbekommen. Doch wenn man ein bißchen bettelt, bekommt man als Journalist von einem dieser Experten doch noch eine Auskunft.

Was bei einem dieser Gespräche herauskam, faßt dieser Beitrag nachfolgend zusammen. Wobei der Name des Befragten aus den genannten Gründen nicht preisgegeben wird. Aber so viel sei verraten, daß es sich um einen der renommiertesten Vertreter seines Faches handelt, dessen Long-Short-Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren trotz allgemeiner Börsenflaute eine überaus gute Performance erzielt hat.

Die Fehler der Vergangenheit müssen ausgebadet werden

Vielleicht ist es aber auch besser so, daß dieser Mister X nicht offiziell Stellung nimmt. Denn angenehm sind die Botschaften, die er zu verbreiten hat, für die Anleger nicht. So läßt er keine Zweifel daran, daß er sich von den Aktienmärkten über Jahre hinaus keine eindeutigen Aufwärtstrends verspricht.

Über die Sommermonate hinweg sei sogar die Gefahr von deutlich fallenden Kursen sehr groß. Danach könne es im Herbst zwar wieder etwas aufwärts gehen, aber letztlich sei an den Börsen bis auf weiteres nicht viel zu holen. „Eventuell können wir uns noch weiter durchwursteln. Aber die Ausgangslage ist relativ ungemütlich“, lautet sein Fazit.

Das Gedankengebilde, auf dem diese These beruht, ist dabei relativ einfach erzählt. In der Vergangenheit seien zu viele Fehler begangen worden, weshalb wir heute auf vielen strukturellen Problemen säßen. „Die Sünden sind begangen, und sie umfassen unter anderem Punkte wie die Auflösung des Goldstandards 1971 oder die Geldpolitik-Gläubigkeit des amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan.“ Und da nicht nur die Politik, sondern auch unsere Gesellschaft nicht wirklich reformfähig sei, müsse man diese Fehler und die Ende der neunziger Jahre entstandenen Kursblasen vermutlich über Jahre hinweg ausbaden.

Wie schon in früheren Fallen dieser Art schwinge das Pendel dann von einer Überbewertung an den Märkten hin zu einer Unterbewertung. Dabei handele es sich um einen langwierigen Prozeß, bei dem Aktien im Laufe der Zeit völlig aus der Mode geraten. Ob es sich dabei um Siechtum mit einer lange anhaltenden Seitwärtsbewegung handeln werde oder um eine handfeste Baisse, bleibe dabei dieses Mal noch abzuwarten.

Ideale Basis für negative Kursüberraschungen

Kurzfristig gesehen seien fallende Aktienkurse aber eine relativ sichere Wette. „Die Wende von einer ultraexpansiven hin zu einer neutralen Geldpolitik zusammen mit den sich abschwächenden Raten beim Wirtschaftswachstum und bei den Unternehmensgewinnen sind ein gefährliches Gemisch“, lautet seine Bestandsaufnahme. Denn diese Konstellation wirke sich negativ auf die Liquidität an den Märkten aus. Trotzdem seien die meisten Marktteilnehmer aber weiter optimistisch gestimmt, und diese Konstellation sei eine ideale Basis für negative Kursüberraschungen nach unten.

Die vermutlich deutlicher fallenden Aktienkurse zusammen mit einer schwächer werdenden Konjunktur, wie sie von einigen Indikatoren auch schon angezeigt werde, kann die Notenbank in Amerika im weiteren Jahresverlauf sogar dazu zwingen, wieder auf einen expansiveren Kurs umzuschwenken. Das könnten dann wieder zu einer gewissen Kurserholung führen.

Krise des Kapitalismus droht

Zunächst beurteilt Mister X die Kursaussichten für Aktien aber negativ, für die Rentenmärkte ist er neutral bis negativ gestimmt, und auch bei den Rohstoffen rechnet er zunächst mit etwas nachgebenden Preisen. Der Dollar könnte sich dagegen möglicherweise erst einmal etwas berappeln.

Wie schon zuletzt werde es vermutlich zu häufigen Richtungswechseln kommen, und das werde nichts anders bedeuten, als daß die meisten Marktteilnehmer kein Geld verdienen werden. Für die Anleger sei diese Erkenntnis, daß Kapital keine Rendite mehr bringt, schrecklich - und dies führe im Laufe der Zeit zu einer Krise des Kapitalismus.

Generell wieder positiver beurteilt werden könnten die Aussichten erst dann, wenn die Aktien wie in den siebziger Jahren wieder zu Spottpreisen angeboten werden. Solange dies aber nicht der Fall sei, werde es bei den „Anlegern noch viele lange Gesichter geben und auch für die Mehrzahl der Profis wird die Entwicklung katastrophal sein, weil die meisten von ihnen nur Geld verdienten, wenn die Börsen allgemein steigen.“

Tech- und Bankaktien besonders gefährdet

Kursgefahren wittert Mister X vor allem im Technologiesektor, aber auch in der nach seiner Ansicht von der expansiven Geldpolitik völlig aufgeblasenen Bankenbranche. Sollte eine ganz große Krise vermieden werden können, könnten Energie- und Rohstoffwerte nach einer Korrektur längerfristig interessant bleiben.

Trotz der schwierigen Ausgangslage traut er seinem Fonds, der in diesem Jahr bisher mit zehn Prozent vorne liegt, dank des Vorteils, auch auf fallende Kurse spekulieren zu können, auch in den nächsten Jahren durchschnittliche Zuwachsraten von 15 Prozent per anno zu. Doch auch das wird den meisten Anlegern nichts helfen, handelt es sich dabei doch um einen bereits geschlossenen Fonds und neue Produkte sind leider nicht in Planung.

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