07.02.2007 · In den vergangenen Jahren entwickelte sich an den Börsen eine Eigendynamik zu Gunsten kleinerer Werte, allerdings zeichnen sie sich inzwischen durch einen Bewertungsaufschlag aus. Aus diesem Grund ist eine gewisse Vorsicht angebracht.
Die vergangenen vier Jahre des internationalen Börsenbooms zeichneten und zeichnen sich zumindest in den etablierten Märkten durch ein einheitliches Phänomen ab: Die Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen schnitten besser ab als jene der Großunternehmen.
Das zeigt sich beispielsweise in Deutschland daran, dass die Werte des MDax ausgehend von Mitte März des Jahres 2003 inzwischen einen Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Dividenden von 253,3 Prozent oder von 38,90 Prozent pro Jahr erzielen konnten. Der SDax-Performanceindex kommt gleichzeitig auf ein Plus von 246,5 Prozent, während die Werte des Dax gerade einmal einen Ertrag von insgesamt 180 Prozent oder von 30,75 Prozent pro Jahr erbringen konnten.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich eine Eigendynamik zu Gunsten kleinerer Werte...
Diese Entwicklung mag damit zusammen hängen, dass kleinere Unternehmen einen höheren „operativen Leverage“ haben, wie es im Fachchinesisch der Finanzanalysten so schön heißt. Da sie nur eine relativ kleine Kostenbasis haben, profitieren sie auf der Ergebnisseite überproportional von einem Wirtschaftsaufschwung und der dadurch ausgelösten Umsatzzuwächse. Aus diesem Grund sind die Werte solcher Unternehmen bei den Portfoliomanagern bei zunehmender konjunktureller Dynamik beliebt.
Das ist jedoch nicht alles. Denn da sich diese Entwicklung auch bei den „gemeinen“ Anlegern herumsprach, investierten sie ebenfalls immer mehr Gelder in diesem Bereich der Märkte, sei es direkt oder über entsprechende Fonds. Das wiederum hat zu der Auflage neuer Fonds geführt, die die Dynamik aufgrund ihrer Wertpapierkäufe wiederum verstärkten.
So dürfte es kaum verwundern, dass die Aufwärtstrends der Papiere, der entsprechend spezialisierten Fonds und nicht zuletzt auch der relevanten Indizes nun schon länger anhalten, als vielfach gedacht wurde. In den vergangenen Monaten wurde zwar immer wieder einmal das Ende dieser Entwicklung ausgerufen, aber alle diese Unkenrufe waren bisher verfrüht.
Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es soweit kommt. Denn inzwischen sind viele der kleineren und mittleren Werte vergleichsweise hoch bewertet. Das zeigt neuerdings eine Studie der Bank Sarasin. So zeichnen sich die Aktien kleinerer Unternehmen im langjährigen Durchschnitt aufgrund der vergleichsweise geringen Handelbarkeit und der damit verbundenen Risiken mit einem durchschnittlichen Bewertungsabschlag von sechs Prozent aus.
... allerdings zeichnen sich diese inzwischen durch einen Bewertungsaufschlag aus
Davon kann jedoch gegenwärtig keine Rede mehr sein, zeigt die Studie. Danach wurde aus dem traditionellen Bewertungsabschlag im Vergleich mit großkapitalisierten Papieren ein Aufschlag von inzwischen etwa 20 Prozent. Das gilt nicht nur für den ursprünglich betrachteten Schweizer Markt, sondern beinahe weltweit (siehe Charts). Im Hintergrund stehen die anhaltend hohe Liquidität, das relativ tiefe Zinsniveau und die dadurch ausgelösten akquisitorischen Aktivitäten.
Allerdings stellt sich die Frage, wie lange diese vorteilhaften Bedingungen anhalten werden. Denn einerseits deuten vorlaufende Indikatoren auf eine sehr wahrscheinlich nachlassende konjunkturelle Dynamik hin in Verbindung mit recht hohen Gewinnerwartungen. Gleichzeitig scheinen auch die internationalen Zentralbanken aufmerksamer als in der Vergangenheit auf die so genannten „Carry Trades“ zu blicken, die viele spekulative Anleger bisher mit günstigen Krediten versorgt haben. Sollte es auch auf dieser Seite zu Beschränkungen kommen, dürften die Finanzmärkte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit volatiler werden.
Sehr wahrscheinlich werden das die kleineren Werte am deutlichsten zu spüren bekommen. Denn große Unternehmen seien globaler aufgestellt und damit in Verbindung mit der relativ günstigeren Bewertung kursrobuster, heißt es. Aus diesem Grund dürfte eine gewisse Neigung bestehen, künftig eher auf die Aktie von Großunternehmen zu setzen und die der kleineren dagegen zu verkaufen.
Allerdings sind solche Urteile etwas pauschal. Denn der längerfristige Blick auf die Kursentwicklung der verschiedenen Marktsegmente in Deutschland zeigt, dass langfristig die Aktien mittelständischer Unternehmen am besten abschneiden. Das dürfte damit zusammenhängen, dass sie aufgrund des relativ kleinen und vor allem auch zu stark regulierten Heimatmarktes früh und ausgeprägt zu einer Internationalisierung gezwungen wurden. Sie sind auf diese Weise gleichzeitig relativ dynamisch und international relativ diversifiziert geworden. Aus diesem Grund könnten sie nach einer Zwischenkorrektur besonders reizvoll werden.
"Local Heroes" - Swiss Small Caps
Fionn Huber (fionn)
- 07.02.2007, 20:49 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |