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Anlageprodukte Fonds und Zertifikate proben friedliche Koexistenz

29.03.2010 ·  Auf die Frage, ob Fonds oder Zertifikate besser sind, scheint der Markt mit einer Zweiteilung zu reagieren. Fonds werden von den Anlegern demnach für Langfrist-Ziele eingesetzt und Zertifikate für die schnelle Gelegenheit.

Von Christian von Hiller
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Die Frage, ob der Anleger besser in Investmentfonds oder in Zertifikate anlegen soll, scheint vorläufig geklärt. Viele antworten mit einem Sowohl-als-auch: "Offenbar setzen Anleger gerne Investmentfonds für die langfristige Vermögensstrategie ein und Zertifikate für die kurzfristig angelegte Optimierung", sagt Sasa Perovic, Analyst bei der Ratingagentur Scope in Berlin.

Der Trend zeigt sich auch darin, dass die Laufzeiten für Zertifikate abgenommen hat. "Der Anlagehorizont ist nach der Einführung der Abgeltungsteuer abrupt kürzer geworden", sagt Marcel Langer, Zertifikate-Spezialist der UBS. "90 bis 95 Prozent der Discountzertifikate, die wir verkaufen, laufen weniger als ein Jahr."

Vor Einführung der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge hatte der deutsche Fiskus eine Spekulationssteuer auf Kapitalanlagen erhoben, die der Anleger weniger als ein Jahr lang hielt. Jetzt unterliegen alle Gewinne aus Zertifikaten oder Fonds der Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer. Damit hat die Laufzeit eines Zertifikats steuerlich keine Bedeutung mehr.

Laufzeiten bei Zertifikaten werden kürzer

Die UBS liegt offenbar im Trend: "Mein Eindruck ist, dass die Laufzeiten am Zertifikatemarkt kürzer werden", sagt Perovic. In den vergangenen Monaten seien mehr Zertifikate auf den Markt gekommen mit einer Laufzeit von nur einem halben oder einem ganzen Jahr. Zertifikate mit dreijähriger Laufzeit gebe es zwar noch. Doch: "Der Schwerpunkt hat sich in den kurzen Bereich verlagert", sagt der Analyst. Die durchschnittliche Laufzeit neu emittierter Zertifikate liege jetzt bei etwas mehr als einem Jahr. Klassische Discount-Zertifikate kommen auf ein Mittel von 395 Tagen. Am höchsten liegt der Durchschnitt bei Bonus-Zertifikaten mit 453 Tagen, während Sprint-Zertifikate mit einer Laufzeit von 273 Tagen im Mittel die kürzeste Laufzeit aufweisen.

Noch kürzere Laufzeiten rechneten sich allerdings für den Anleger nicht. Denn dann müsste der Zertifikate-Käufer zu oft sein Depot umschichten. "Dabei würden Transaktionskosten in einem Maße anfallen, die letztlich die Rendite stark schmälern können", verweist Perovic auf eine Studie von Scope.

Für die langfristige Kapitalanlage wählen die Anleger offenbar eher Investmentfonds, wenn sie dem Fondsmanager vertrauen, oder börsengehandelte Indexfonds (ETF), wenn sie unabhängig von der Leistung eines Fondsmanagers die Entwicklung eines Index wie beispielsweise den Dax nachvollziehen wollen. Zertifikate dagegen setzen sie am liebsten für die kurzfristige Spekulation auf einzelne Marktbewegungen ein.

Produktrisiken sprechen für die gefundene Einsatzverteilung

Der Streit zwischen Zertifikaten und Investmentfonds scheint somit in eine friedliche Koexistenz zu münden. Bei diesem Unentschieden haben nicht so sehr die Kosten eine Rolle gespielt. Bankprodukte gelten in Deutschland insgesamt als teuer, weil der Vertrieb einen Großteil der Provisionen erhält. Vielmehr liegt die Zweiteilung an den Produkteigenschaften. "Viele Anleger glauben, die Entwicklung an den Märkten in den nächsten sechs Monaten besser überblicken zu können als die nächsten drei Jahre", sagt Perovic. Deshalb trauen sie sich für die kurzfristige Spekulation eher an Zertifikate.

Für die langfristige Geldanlage haben Zertifikate zudem verschiedene Nachteile: So hängt der Erfolg eines Zertifikats oft davon ab, ob der Basiswert - dies kann ein Index wie der Dax, eine Aktie oder ein anderer Finanzwert sein - unter eine bestimmte Schwelle fällt oder nicht. Wird zum Beispiel bei Bonus-Zertifikaten auch nur einmal vorübergehend die Barriere verletzt, die der Emittent festlegte, ist der Bonus-Mechanismus verwirkt und der Anleger ist bei der Rückzahlung gestellt, als hätte er direkt in den Basiswert investiert. Liegt der Basiswert bei Fälligkeit unter der Barriere, erleidet der Anleger einen Verlust entsprechend der negativen Entwicklung des Basiswerts. Die Gewinne sind bei Bonus-Zertifikaten im Gegensatz zu Fonds jedoch oft nach oben beschränkt.

Je länger die Laufzeit eines Zertifikats ist, desto größer ist bei vielen Varianten das Risiko, dass die Kursschwelle unterschritten wird. "Das Knock-out-Risiko unterschätzen viele Zertifikatekäufer", warnt Rolf Drees, Sprecher der WGZ Bank. Auch steige mit der Laufzeit eines Zertifikats das Risiko, dass der Emittent bis Fälligkeit nicht mehr existiere. Dieser Gefahr entgehen Anleger mit Investmentfonds, deren Vermögen vor einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt sei.

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