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Anlagen Mehr Freiheiten für Fondsmanager

20.08.2004 ·  Cominvest setzt auf Kundenbedürfnisse und lockert Vorgaben. Der Gewinn rechtfertigt die neuen Freiheitsgrade. Deka bleibt mit starrer Aufgabenteilung allein zurück.

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Die fünftgrößte deutsche Fondsgesellschaft Cominvest setzt wieder stärker auf die individuellen Fähigkeiten ihrer Fondsmanager. Dafür bricht der zum Commerzbank-Konzern gehörende Anbieter den vor drei Jahren eingeführten, an starren Vorgaben orientierten Investmentprozeß spürbar auf.

"Es geht um eine sinnvolle Kombination aus definiertem Prozeß und individuellen Freiheiten", kommentiert Friedrich Schmitz, der in der Commerzbank das Geschäftsfeld Asset Management leitet, das Geschehen. Der neue Ansatz wird seit knapp drei Monaten umgesetzt. Im Zuge dessen soll in den kommenden Monaten auch ein Wechsel auf der Position des Chief Investment Officers stattfinden.

Negative Auswirkungen

Die Cominvest mit ihrer Publikumsfondsmarke Adig und die Dekabank, der zentrale Investmentdienstleister der Sparkassen, hatten in den vergangenen Jahren die Vereinheitlichung ihres Investmentprozesses am weitesten getrieben. So mußten sich etwa die Portfoliokonstrukteure der Commerzbank-Gesellschaft bis auf wenige Ausnahmen genau an einem Musterportfolio orientieren, was kaum Entscheidungsspielraum für eigene Investmentideen ließ.

Die Deka wiederum führte einen arbeitsteiligen Prozeß ein, in dem der klassische Alleskönner verschwindet und statt dessen die Spezialisierung auf Analyse, Portfoliokonstruktion oder Umsetzung verlangt wird. Beide Fondsanbieter haben inzwischen die Grenzen der Standardisierung bei der Anlageentscheidung deutlich vor Augen geführt bekommen. Die Einschränkung der gewohnten Handlungsfreiheiten wirkt demotivierend auf viele Mitarbeiter im Fondsmanagement und schlägt sich schließlich auch negativ im Anlageerfolg nieder.

Vorsicht geboten

So konnten nur rund 10 Prozent der Deka-Aktienfonds im zweiten Jahr nach der Umstellung ihren Vergleichsindex schlagen. Die Cominvest verzeichnete gemessen an ihren Adig-Publikumsfonds ebenfalls im zweiten Jahr der Investmentprozeßumstellung einen Rückschlag.

Die darauffolgende Verbesserung im dritten Jahr mündete nun in einer Lockerung der Zügel. In der deutschen Fondsbranche dürfte dies als ein Signal verstanden werden, mit einer Kompetenzbeschränkung im Kerngeschäft der Vermögensverwaltung vorsichtig umzugehen.

Zu viel Disziplin

Während die Deka ihren Investmentprozeß vor drei Jahren nach einer langen Vorbereitungsphase umbaute, war der Cominvest-Ansatz eher aus der Not heraus geboren. Zum damaligen Zeitpunkt traf der Commerzbank-Vorstand die grundsätzliche Entscheidung, die drei im Konzern unabhängig voneinander agierenden Fondsgesellschaften Adig für das Privatkundengeschäft, Commerzinvest für institutionelle Kunden im Inland und CICM für institutionelle Kunden im Ausland unter dem Dach der Cominvest zusammenzuführen.

"Bei der Zusammenfassung von drei Portfolio-Teams bestand die Notwendigkeit, klare Verantwortlichkeiten zu schaffen", beschreibt Commerzbank-Geschäftsfeldleiter Schmitz die Ausgangssituation. Gegen einen völlig disziplinierten Investmentprozeß habe er schon immer Bedenken gehabt: "Wir leben von Kreativität und Kompetenz."

Motivation für Fondsmanager

Für die jüngste Ausweitung des Handlungsspielraums seiner Fondsmanager nennt Schmitz zwei entscheidende Gründe: Die Motivation der Fondsmanager und die Reaktion auf Kundenbedürfnisse. Letztere würden verstärkt zu verstehen geben, daß sie immer weniger an einer Index-Orientierung (Benchmark-Ansatz) interessiert seien, sondern vielmehr an einem absoluten Ertrag - eine Konsequenz der Erfahrungen aus drei Jahren Aktienbaisse.

Für diese immer stärker werdende Anlegergruppe werde der Typus eines unorthodoxen und ideenreichen Fondsmanagers gebraucht, der aktiv mit Risikosystemen arbeiten könne. Zudem steht die Cominvest angesichts einer auslaufenden Bevorzugung durch die Mutterbank beim Fondsverkauf über die Commerzbank-Filialen in einem immer stärkeren Wettbewerb mit Konkurrenzprodukten.

Auf dem richtigen Weg

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Produktqualität an Gewicht, deren Erfolgsmessung über die bloße Abbildung eines Indexverlaufs hinausgeht. Die Freiheitsgrade im Fondsmanagement würden allerdings nicht global gewährt, sondern individuell definiert, sagt Schmitz. So würden Senior-Portfoliomanager bei einem entsprechenden Nachweis ihrer Leistungsfähigkeit ohne jegliche Anbindung an das weiterhin bestehende zentrale Musterportfolio agieren können, während etwa für Berufseinsteiger eine enge Anbindung bestehe. Insgesamt gesehen würden sich die Freiheitsgrade gemessen an den zulässigen Abweichungen vom Musterportfolio künftig im Durchschnitt verdoppeln. Mit den jüngsten Aktivitäten und der strategischen Ausrichtung seines Geschäftsbereiches Asset Management - zu dem noch Jupiter in London und CCR in Paris zählen - sieht sich Schmitz auf dem richtigen Weg.

Dafür spreche neben der verbesserten Wertentwicklung der Fonds auch die Entwicklung der erwirtschafteten Erträge. Während im vergangenen Jahr noch 85 Euro aufgewendet werden mußten, um 100 Euro zu verdienen, sind es derzeit nur noch 63 Euro. Der operative Gewinn fiel im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 92 Millionen Euro schon höher aus als im Gesamtjahr 2003 mit 90 Millionen Euro. Derzeit verwaltet der Geschäftsbereich ein Vermögen von rund 90 Milliarden Euro, davon entfallen 52 Milliarden Euro auf die Cominvest.

Quelle: sfu / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2004, Nr. 194 / Seite 17
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