Home
http://www.faz.net/-gvf-vyza
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Anlagen Fondssparern droht eine Anlagefalle

04.09.2009 ·  Die Fondsgesellschaften schließen Fonds. Eine Verschmelzung ist für den Anleger zunächst steuerlich neutral. Doch auch die birgt Tücken. Anleger müssen nun besonders achtsam sein. Sonst erleiden sie schmerzhafte Nachteile.

Von Christian Hiller von Gaertringen
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die Fondsbranche wirbt gerne mit ihrer Transparenz. Doch manchmal können die Verantwortlichen der Fondsgesellschaften auch ganz diskret sein. So werden in diesem Quartal noch zahlreiche Fonds geschlossen, ohne dass die Gesellschaften damit groß an die Öffentlichkeit gehen. Bei vielen Anbietern ist viel Geschick notwendig, um die Informationen auf den Internetseiten zu finden. Eine Ausnahme ist Allianz Global Investors. Die hat auf ihrer Seite gut sichtbar die Rubrik „Fondsverschmelzungen und Fondsschließungen“ eingerichtet.

Dabei müssen die Anleger besonders aufmerksam sein, wenn sie in diesen Wochen Post von ihrem Fondsanbieter erhalten. In der Regel versuchen die Fondsgesellschaften, einen lästig gewordenen Fonds mit einem anderen, ähnlichen zu verschmelzen. Das ist für den Anleger zunächst steuerlich neutral. Wird ein Fonds dagegen aufgelöst und der Anleger legt das Geld wieder an, fällt dieser Teil des Vermögens unter die Abgeltungsteuer.

„Die Gesellschaften bringen den Investor in Zugzwang“

Anders bei einer Fondszusammenlegung: „Eine Verschmelzung von in Deutschland zugelassenen Fonds ist in aller Regel steuerunschädlich“, sagt Gerd Bennewirtz, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung SJB Fonds Skyline. Doch auch eine Verschmelzung birgt Tücken. Der Anleger findet sich unter Umständen in einem Produkt wieder, das er gar nicht haben wollte. Verkauft er die Fondsanteile, unterliegt der Erlös bei einer Wiederanlage dann der Abgeltungsteuer. „Der Anleger muss genau schauen, ob der neue Fonds noch zu seinen Anlagezielen passt“, warnt ein Sprecher von Allianz Global Investors und empfiehlt, das weitere Vorgehen mit seinem Bank- oder Vermögensberater zu besprechen.

Das empfiehlt auch Bennewirtz: „Die Gesellschaften bringen den Investor in Zugzwang“, sagt der Vermögensverwalter. Eine Fondsschließung sei schließlich eine Zwangsentscheidung, der sich der Anleger nicht entziehen könne. „Ob er will oder nicht – der Investor muss die Gewinne oder Verluste des untergehenden Fonds realisieren und sich um adäquaten Ersatz kümmern.“ So übertrage die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, derzeit das Vermögen des DWS Invest Brazilian Equities und des DWS Invest Indian Equities auf den DWS Invest Bric Plus.

Stichwort „Optimierung der Produktpalette“

Dieser jedoch investiert nicht nur in Brasilien und Indien, sondern auch in China und Russland. Wer die Verschmelzung akzeptiere, senke somit den Anteil seiner Indien- oder seiner Brasilien-Position. Und umgekehrt: „Sind bereits größere China-Positionen im Depot, steigt das Risiko einer Klumpenbildung“, warnt Bennewirtz.

Allein in der zu Ende gehenden Woche löste die DWS ersatzlos den DWS Asia Select und den DWS Global Inflation Buster auf. Bis zum Monatsende folgen der DWS Invest USD Reserve (USD), der Dynamic Funds Euro Strategie (Renten) und der DWS Iberia-Fonds. Der DWS Deutsche Aktien 130/30, der DWS Skandinavien, der DWS Europa Basket und der DWS Invest Energy werden in diesem Monat mit jeweils anderen Fonds verschmolzen. Insgesamt will die DWS bis Mitte 2010 das Angebot um rund 100 Fonds auf etwa 300 Kernprodukte straffen – das Ganze läuft unter dem Stichwort „Optimierung der Produktpalette“. Allianz Global Investors will sich dieses Jahr von 109 Fonds trennen, hat die Hälfte schon hinter sich und will das Angebot 2010 nochmals um 35 Fonds senken.

Deka löst Fonds ersatzlos auf

Die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, will in diesem Jahr 10 Fonds schließen, sagt ein Sprecher. Einer steht noch aus, der Zertifikatefonds Deka Bonus Strategie, der Ende September liquidiert wird. Bis auf zwei offene Immobilienfonds, die verschmolzen werden, löst die Deka die Fonds, von denen sie sich trennt, ersatzlos auf. Im März 2010 werden noch der Deka Deutsche Aktien DS, der Deka-Deep Discount Strategie und der Deka-Renten USD geschlossen.

Anleger, die einer Verschmelzung zustimmen, müssen weder Abgeltungsteuer noch Transaktionsgebühren zahlen. Doch wer verkauft und in einen anderen Fonds investiert, verliere den steuerlichen Bestandsschutz und müsse noch die Transaktionskosten tragen, kritisiert Bennewirtz. „Noch 2002 hätten sich die Gesellschaften geschämt, für den Wechsel aus einem gescheiterten Fonds Geld zu verlangen“, klagt der Vermögensberater.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%