29.06.2009 · Um mehr als 65 Milliarden Dollar hat Bernard Madoff Tausende Anleger, Wohltätigkeitsorganisationen und Stiftungen auf der ganzen Welt geprellt. Der größte Kapitalbetrug aller Zeiten beunruhigt auch deutsche Anleger. Acht Fragen und Antworten.
Um mehr als 65 Milliarden Dollar hat Bernard Madoff Tausende Anleger, Wohltätigkeitsorganisationen und Stiftungen auf der ganzen Welt geprellt. Der Fall gilt als der größte Kapitalanlagebetrug aller Zeiten. Von 1991 an baute Madoff ein gigantisches Schneeballsystem auf.
Wie funktioniert ein Schneeballsystem?
Bei einem Schneeballsystem weisen Kapitalbetrüger hohe Renditen aus, um Kunden zu werben. Doch anstatt die Renditen aus tatsächlich verdientem Geld zu zahlen, werden sie aus neuen Geldeingängen bezahlt. Solange das System wächst, kann der Kapitalbetrüger alte Anleger mit dem Geld neuer Kunden ausbezahlen. Wie bei einer Lawine, die beim Herunterrollen aus einem kleinen Schneeball immer größer und zerstörerischer wird, ist ein Schneeballsystem umso gefährlicher, je länger es nicht entdeckt wird.
Kann auch in Deutschland ein Fall Madoff passieren?
Ja. Betrugsfälle wie der European Kings Club oder Phoenix Kapitaldienst haben in der Vergangenheit gezeigt, dass auch das deutsche Finanzwesen gegen solche Betrugsfälle nicht gefeit ist.
Welche Rolle spielt die Bafin?
Die Bafin kontrolliert als Aufsichtsbehörde für die Finanzmärkte auch Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften, um solche Betrugsfälle zu verhindern. Das ist ihr im Fall der Schwindelfirma Phoenix Kapitaldienst nicht gelungen. Phoenix konnte über Jahre hinweg ein Schneeballsystem aufbauen und einen Schaden von mehr als 300 Millionen Euro verursachen, ohne dass die Bafin dies verhindert hätte. Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten ging sie nur zögerlich nach und ordnete schließlich eine Sonderprüfung an, mit der die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young beauftragt wurde.
Welche Aufgabe haben die Wirtschaftsprüfer?
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Jahresabschluss der Finanzunternehmen zu kontrollieren. Dabei könnten den Wirtschaftsprüfern theoretisch Unregelmäßigkeiten auffallen, die mit Kapitalanlagebetrug einhergehen. Eine Sonderprüfung wie im Fall Phoenix Kapitaldienst ordnet die Bafin an. Dabei fiel den Wirtschaftsprüfern beispielsweise nicht auf, dass Phoenix mit Konten arbeitete, die gar nicht existierten. Anschließend warb Phoenix mit der ergebnislosen Sonderprüfung und gewann so neue Kunden. Auf diese Weise hat die Sonderprüfung den Kapitalbetrug noch gefördert.
Können die Anleger ihrer Bank noch trauen?
Die Banken selbst haben ein Interesse daran, sich vor betrügerischen Kundenberatern zu schützen, zumal sie damit rechnen müssen, dass sie von ihren Kunden in einem solchen Fall haftbar gemacht werden. In den Prozessen von deutschen Anlegern gegen Banken geht es eher um Fälle von Falschberatung.
Können deutsche Vermögensverwalter das Geld ihrer Anleger veruntreuen?
Ja, solche Fälle gab es immer wieder, vor allem wenn Anleger dem Vermögensberater ihr Geld direkt anvertrauten. So kam es vor, dass Vermögensverwalter mit ihren Dispositionen schieflagen und anschließend unangemessene Risiken eingingen, um in die Gewinnzone zurückzukehren. Zur Vertuschung kommt es dann zur Fälschung von Depotauszügen. Einen gewissen Schutz bietet es deshalb, wenn Anleger ein Depot bei einer Depotbank auf eigenen Namen eröffnen und einen Verwaltungsvertrag abschließen. Der Vermögensverwalter darf dann Wertpapiertransaktionen durchführen, das Kundenvermögen aber nicht irgendwohin überweisen. Das macht es nach Auskunft der V-Bank unmöglich, dass Vermögensverwalter Anlegergeld veruntreuen, außer wenn sie es in betrügerische Finanzprodukte anlegen.
Wie können sich Anleger vor Kapitalbetrug schützen?
Einen generellen Schutz gibt es zwar nicht. Doch es hilft, sich umfassend zu informieren - über den Vermögensverwalter, über die Entwicklung der Finanzmärkten und über die Anlagevorschläge, die der Berater unterbreitet. Eine maßvolle Verzinsung des Vermögens schützt zwar nicht vor Betrug, doch Kapitalbetrüger arbeiten gerne mit überzogenen Versprechen. Der Maßstab für eine risikolose Geldanlage ist die zehnjährige Bundesanleihe. Derzeit wirft diese eine Verzinsung von 3,3 Prozent ab. Bietet ein Vermögensverwalter eine Rendite, die stark darüber hinausgeht, ist die Geldanlage zwangsläufig mit einem höheren Risiko verbunden.
Wie sicher sind Investmentfonds?
Offene Investmentfonds werden als Sondervermögen behandelt, das vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt ist. Das schützt die Anleger im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft. Auch vor einer Veruntreuung sind Anleger insofern geschützt, als die Fondsgesellschaften das Fondsvermögen nur verwalten und es einer Depotbank übertragen. Anders ist die Lage bei geschlossenen Fonds, die als unternehmerische Beteiligung gelten und weniger geschützt sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |