17.10.2006 · Der hohe Zins lockt? Die Gesellschaft sitzt im Ausland, das spart Steuern? Man soll schnell zugreifen, nur das garantiert Spitzengewinne? Das klingt dubios - und ist es auch. Welche Warnsignale Anleger beachten sollten.
Die privat plazierte Anleihe verspricht einen verlockend hohen Zins? Der freundliche Anlageberater ruft an, statt in der Filiale zu warten? Der Anleger solle doch bitte sofort zugreifen, länger lasse sich das Angebot nicht aufrecht erhalten? All das läßt auf ein dubioses Angebot schließen. Womöglich wird der Anleger sein Geld nie mehr wiedersehen.
Die erfaßten Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrugsdelikte sind nach Ermittlungen des Bundeskriminalamtes 2005 gegenüber 2004 um knapp fünf Prozent auf 10.675 gestiegen. Der dabei entstandene Gesamtschaden betrug 397 Millionen Euro.
Die Betrüger werden gefaßt - aber das Geld ist weg
„Allerdings ist dies nur die Spitze des Eisbergs“, schreibt der Bundesverband deutscher Banken auf seiner Internetseite (www.bankenverband.de). „Die Dunkelziffer der nicht erfaßten Fälle liegt weitaus höher. Denn oftmals melden geprellte Anleger den Betrug nicht der Polizei.“
Indes lohnt sich Geldanlagebetrug meistens nicht, wie die Polizeistatistik zeigt: Während im vergangenen Jahr 83 Prozent der allgemeinen Betrugsdelikte geklärt wurden, konnten die Fahnder 99,3 Prozent der erfaßten Anlagebetrugsdelikte aufdecken - also nahezu alle Fälle. Die Betrogenen allerdings sehen ihr Geld oft nicht wieder.
Telefonkontakt und überzogene Gewinnversprechen
Um sich zu schützen, sollten Anleger einige Warnsignale beachten, die der Bankenverband aufführt. Dazu gehört der Telefonkontakt: Obwohl gesetzlich verboten, knüpfen viele unseriöse Anbieter erste Kundenkontakte per Telefon. „Bei solchen Anrufen gilt: Nicht auf ein Gespräch einlassen“, rät der Verband.
Auch überzogene Gewinnversprechen sollten Anleger vorsichtig werden lassen. Astronomische Renditen blenden Anleger und verleiten viele zu unbedachten Entscheidungen. Zweistellige Renditegarantien seien unseriös.
Hohe Provisionsforderungen und Folgegeschäfte
Der Bankenverband nennt weitere Punkte: Überzogene Provisionsforderungen sprächen dafür, daß der „Anlagespezialist“ eher den eigenen Gewinn als den des Kunden im Sinn hat. Hätten Vertragspartner oder Vermittler ihre Adresse im Ausland, vielleicht sogar in exotischen Ländern, könnten geschädigte Kunden Ansprüche nur schwer durchsetzen. „Die Werbung mit ausländischen Steueroasen ist oft nur ein Köder für gutgläubige Sparer.“
Betrüger setzten Anleger häufig mit dem Argument unter Zeitdruck, nur ein sofortiger Entschluß garantiere Spitzengewinne. Übereilte Entscheidungen würden allerdings oft bereut. Die Experten warnen auch vor Folgegeschäften: „Um potentielle Anleger in Sicherheit zu wiegen, schütten die vermeintlichen Geldprofis aus einem ersten Kontakt mit geringem Kapitaleinsatz stattliche Gewinne aus. Zumeist wird dem Kunden gleichzeitig ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme.“ Auf solche Geschäfte sollten sich Anleger grundsätzlich nicht einlassen.
Oft hilft vor einer Investitionsentscheidung auch ein Blick ins Anlageschutzarchiv (www.anlageschutzarchiv.de). Hier sammelt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Berichte über Firmen, Anlageangebote und Initiatoren, die in der Fachpresse negativ erwähnt wurden. Anlageschützer können auch die erste Anlaufstelle sein für Investoren sein, die auf einen unseriösen Anbieter hereingefallen sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |