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Anlagebetrug Befolgen von Grundregeln kann schützen

28.09.2007 ·  Mittelkürzungen im öffentlichen Bereich, Sorgen um die Altersvorsorge und eine künftig schärfere Besteuerung von Kapitalerträgen lässt das Geschäft der Kapitalanlagebetrüger boomen. Doch wer ein paar Regeln befolgt, kann sich vor ihnen schützen.

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Jährlich werden in Deutschland immer noch Tausende von Menschen Opfern von Kapitalanlagebetrügern. Mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren Anleger im vergangenen Jahr allein mit den Insolvenzen der Vermögens-Garant, der First Real Estate Grundbesitz (FRE) und vor allem der der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West und der DM Beteiligungen. Eine Milliarde Euro könnten durch die Insolvenz der Göttinger Gruppe verloren gehen.

Das „Deutschen Institut für Anlegerschutz“ (DIAS) beziffert das durch Kapitalanlagebetrug verlorene Vermögen auf rund 250 Milliarden Euro in den vergangenen fünf Jahren. Das wären immerhin zehn Prozent des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte.

„Gier frisst Hirn“ greift zu kurz

Der Markt boomt. Die erfassten Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrugsdelikte sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) 2006 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 70 Prozent auf 18.115 gestiegen. Allerdings sei dies nur die Spitze des Eisbergs: Die Dunkelziffer der nicht erfassten Fälle liegt weitaus höher. Viele Geschädigte melden den Betrug nicht bei der Polizei.

Immerhin wurden im vergangenen Jahr, 99,6 Prozent der erfassten Anlagebetrugsdelikte aufdecken, während die Quote bei allgemeinen Betrugsdelikten nur 84 Prozent betrug. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Anleger ihr Geld wieder sehen. Das ist oft längst verprasst oder in allen möglichen dunklen Kanälen verschwunden.

Wer als Ursache dafür „Gier frisst Hirn“ anführt, greift sicher zu kurz. Dies mag eine Rolle spielen, doch ist es oft nicht die Gier allein, die zu kapitalen Fehlentscheidungen in der Geldanlage führt. Unwissenheit spielt gleichfalls eine Rolle, durch die Risiken falsch eingeschätzt werden. Im Zusammenwirken mit einem grundlegenden Misstrauen gegenüber Geldhäusern, macht dies Menschen anfällig für jede Art von falschen Freunden. Diese verstehen es, glaubwürdig zu versichern, nur das Beste für den Anleger zu wollen und vermitteln eine „todsichere Sache“, deren Rendite weit über dem liegt, was die Banken bieten können.

„Riester“ und „Rürup“ sind zu kompliziert

Auch den Staat trifft ein gerüttelt Maß an Mitschuld. Gerade die zunehmende Verschärfung der Besteuerung lässt viele Anleger zunehmend auf Anlagen ausweichen, wo sicher die Steuerzahlung vermeiden lässt - legal, vorgeblich legal oder auch illegal. Gerade letzter Faktor macht es den Betrügern leicht. Denn oft müssen die Betroffenen nach dem Verlust der Gelder auch noch Ärger mit dem Finanzamt fürchten und schweigen - aus Angst oder Scham oder beiden Gründen.

Zudem hat der Sparkurs zu drastischen Mittelkürzungen bei den überwiegend öffentlich finanzierten Verbraucherzentralen geführt. In früheren Zeiten hätten diese, so das DIAS, einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen für die präventive Bekämpfung unseriöser Geldanlageangebote eingesetzt. Dieses sei aufgrund der begrenzten Mittel heute nur noch bedingt möglich.

Und die Komplexität der staatlich geförderten Programme zur privaten Altersvorsorge bei gleichzeitiger Verängstigung durch immer neue Rentenkürzungen und Tartarenmeldungen, hat unseriösen Anbietern ein neues Spielfeld eröffnet. Viele der Kapitalanlagehaie wedelten vermehrt mit dem Fähnchen „Private Altersvorsorge“ und böten als „Alternative zur Riesterrente“ zweifelhafte sachwertorientierte Anlageformen mit hohen Renditeversprechungen an, so das DIAS.

Zeitdruck am Telefon

Dabei gibt es eigentlich einige Grundregeln, deren Beachtung dafür schützen kann, unseriösen Anbietern allzu leicht in die Hände zu fallen.

Das beginnt beim Erstkontakt. Der unaufgeforderte telefonische Erstkontakt ist im Finanzdienstleistungsgewerbe wettbewerbsrechtlich grundsätzlich verboten. Dennoch nehmen unseriöse Anbieter den Erstkontakt zum Kunden gern per Telefon auf.

Die Betrüger sind außerordentlich gute Menschenkenner. Um möglichst rasch eine finanzielle Beziehung herzustellen, dienen zumeist zwei Mittel. Einmal wird Zeitdruck ausgeübt. Das zielt vor allem auf die Angst, eine gute Gelegenheit zu versäumen.

Dabei wird suggerierte, nur ein sofortiger Entschluss garantiere die versprochenen Spitzengewinne. Damit soll verhindert werden, dass das Angebot sorgfältig geprüft wird. Doch wer das Risiko einer unüberlegten Fehlentscheidung richtig gewichtet, sollte zu dem Schluss kommen, dass die Folgen eines Fehlers weit schwerwiegender sind als die einer verpassten Gelegenheit.

„Salzen“ wie einst im Goldrausch

Anlageentscheidungen sollten immer in Ruhe überlegt werden und stets Alternativangebote geprüft werden. Ähnlich wie bei Discount-Angeboten im Handel gilt: Ein Angebot mit einer aufwändigen Marketing-Kampagne kann eigentlich gar nicht das Beste sein.

Wird der Interessent als misstrauisch eingeschätzt, wird ihm zunächst ein Geschäft mit reduziertem Risiko und geringem Einsatz angeboten. Dies erweist sich dann als lukrativ, worauf Folgegeschäft mit höheren Summen angeboten werden. Es ist das gleiche Prinzip wie das „Salzen“ während des amerikanischen Goldrauschs: auf einem unergiebigen „Claim“ wird Goldstaub ausgestreut und der Kaufinteressent aufgefordert, den Sand versuchsweise auszuwaschen.

Verwandte sind nicht immer klüger

Selbst wenn der Kontakt über den Verwandte, Freunde oder Bekannte zustande kommt, bietet das keine Sicherheit. Bisweilen dienen diese nur als Multiplikatoren oder stehen selbst gerade davor, ausgenommen zu werden. Häufig werden nur Buchgewinne ausgewiesen bzw. „Gewinne“ günstig „reinvestiert“, so dass die unerfahrenen Freunde die Attraktivität gar nicht beurteilen können. Dies gilt ist besonders dann, wenn es sich um langfristige Geldanlagen handelt, bei der die Gewinne erst nach Jahren ausgeschüttet werden. Und das ist der Regelfall.

Kenne Deinen Verkäufer

Wer sich auf Angebote des sogenannten „Grauen Kapitalmarktes“ einlassen möchte, kommt nicht umhin, die Seriosität des Anbieters zu prüfen. Dies ist unerlässlich, weil diese eben nicht durch entsprechenden Ruf und Referenzen als verbürgt gelten kann wie bei bekannten Geldhäusern, wenngleich auch da nicht alles Gold ist, was glänzt.

Anlaufpunkte können die Verbraucherzentralen sein, möglicherweise kann auch ein Anlageberater der Hausbank weiterhelfen. Auch die Kriminalpolizeilichen
Beratungsstellen können weiterhelfen. Auch das Handelsregister gibt einen Anhaltspunkt. Eine Firma in Gründung oder nur kurzer Unternehmensgeschichte hat keine Referenzen. Werden bekannte Namen als Partner genannt, lohnt sich bisweilen dort eine Nachfrage.

Auf dem nicht beaufsichtigten freien Kapitalmarkt tummeln sich viele „Schwarze Schafe“ Der Anbieter ist z.B. erst seit kurzem tätig oder nicht im Handelsregister eingetragen (z.B. GmbH in Gründung).

Blendung durch den schönen Schein

Hochglanzprospekte sind kein Ausdruck von Seriösität, sondern lediglich eine Investition. Und auch kompetenzheischende Begriffe wie „Vermögensberater“, „Finanzkaufmann“ oder „Finanzberater“ besagen nichts, da sie rechtlich nicht geschützt sind.

Auch die Einschaltung eines Treuhänders oder Notars ist noch kein Seriositätsausweis. Notare prüfen lediglich die formale Richtigkeit der Geschäftsabwicklung. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) verteilt keine Gütesiegel, sondern prüft lediglich die formale Korrektheit von Prospekten.

Ferner Firmensitz, schlechte Chancen

Haben Vertragspartner oder Vermittler ihren Geschäftssitz im Ausland, vor allem in exotischen Ländern, ist besondere Vorsicht geboten. Zum einen ist eine Überprüfung deutlich schwieriger, zum anderen lassen sich rechtliche Ansprüche nur schwer oder teuer durchsetzen. Die Werbung mit ausländischen Steueroasen dient oft nur als Köder. Selbst wenn die Einkünfte im Ausland steuerfrei sind, so können sie doch im Inland einer unter Umständen prohibitiv hohen Steuerpflicht unterliegen. Was für Unternehmen gilt, muss für Privatanleger nicht zutreffen.

Dies wird nicht dadurch verbessert, dass der Anbieter durch einen „Agenten“ oder „Repräsentanten“ in Deutschland vertreten wird. Gefahr ist vor allem im Verzug, wenn keine deutsche Bankverbindung besteht.

Renditen werden nicht verschenkt

Auch das Angebot selbst kann Warnzeichen enthalten. Es gibt nichts geschenkt. Renditen, die deutlich über den marktüblichen liegen, müssen größere Risiken bergen. Renditegarantien im zweistelligen Prozentbereich sind im derzeitigen Kapitalmarkt Umfeld als unseriös einzuschätzen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen liegt aktuell bei 4,36 Prozent. Tagesgeld bringt 3,5 bis 4 Prozent und einjähriges Festgeld 4,2 bis 4,5 Prozent. Angebote mit deutlich höheren Renditen müssen deutlich höhere Risiken haben.

Gerne werden Investitionsobjekte ins ferne Ausland verlegt, nach Panama, Kanada oder in die Vereinigten Staaten. Nach Meldungen des DIAS hat vor wenigen Tagen erst die Private Commercial Office (PCO), die unter anderem mit „US-Land-Banking“ eine „grundbuchabgesicherte Rendite“ in Höhe von 25 Prozent pro Jahr versprochen habe, sämtliche Zahlungen eingestellt. Bereits Anfang August hatte die Bafin der PCO untersagt, das Einlagengeschäft grenzüberschreitend in Deutschland zu betreiben und die Rückabwicklung der Gelder angeordnet.

Eine Frage der Perspektive

Natürlich können sich dort attraktive Gelegenheiten bieten. Doch ein Investment bei einem unbekannten Anbieter in einem fernen Land, der möglicherweise in Deutschland nur durch Repräsentanten vertreten ist, erscheint als eine überhöhte Häufung von Risiken.

Fotos reichen als Qualitätsnachweis nicht aus. Die Firma „ZZZZ Best“, die in den achtziger Jahren an den Aktienbörsen als Renovierungsunternehmen für Furore sorgte, täuschte in einer Kleinstadt ein dreistöckiges Gebäude vor, indem sie ein Haus einfach aus der Froschperspektive fotografierte, da es in der ganzen Stadt kein Gebäude in der angegebenen Höhe gab.

Der Anbieter hat eine Bringschuld

Ist eine Besichtigung möglich, sollte man darauf niemals verzichten. Seriöse Anbieter haben damit kein Problem. denn das wahre Verhältnis ist ein anderes: Nicht der Anbieter tut dem Anleger einen Gefallen, sondern er will dessen Geld borgen und hat damit eine Bringschuld.

Eigentlich seriöse Geldanlagen werden gerne auch durch Kostenregelungen zu Risikofaktoren. Werden hohe Provisionen gefordert, so lässt sich davon ausgehen, dass diese Kosten tatsächlich anfallen, die Renditen aber nur vielleicht.

Am schwierigsten ist für die meisten Menschen erfahrungsgemäß zu vermeiden, im Falle von Hausbesuchen einen voreiligen Abschluss zu vermeiden. Meist wird der erfolgreiche Versuch unternommen, persönliche (Schein-)Beziehungen zu den Opfern aufzubauen, zudem versuchen die meisten Menschen besonders in ihrem persönlichen Umfeld Konfliktsituationen auszuweichen.

Vorbereitung auf den Hausbesuch

Seriöse Vermittler suchen zwar in der Regel auch den Kundenkontakt, senden aber auch vorab Prospektmaterial zu. Verweisen sie auf hohe Kosten, scheint es um die Liquidität nicht zum besten bestellt zu sein. Dann ist das Risiko in jedem Fall hoch. Ohne aussagekräftige und umfassende, schriftliche Informationen, die zum Eigenstudium angeboten werden, sollte man nie Geschäfte abschließen - es sei denn, man liebt Risiken von der Höhe des Roulettespiels.

Kann ein Anleger das Prinzip der Geldanlage nicht begreiflich machen, so ist dies für den Anleger selten die richtige Alternative. Geld sollte man nicht in Anlagen stecken, die man nicht versteht. Kann der Anbieter dies nicht erklären, sind Zweifel angebracht, ob er es selbst versteht - oder ob es wirklich so funktioniert wie suggeriert.

Die saarländische Wirtschaftsdetektei Fuchsgruber empfiehlt, solche Gespräche auch psychologisch gut vorzubereiten. So sollte man Zeugen hinzuziehen. Seriösen Vermittlern winkt damit ja ein Folgegeschäft. Von Beratungsgesprächen sollte stets ein Protokoll mit Durchschlag angefertigt werden, das auch diesen Titel tragen sollte, da sich daraus andere Haftungsansprüche ergeben können. Dieses sollte Erläuterungen zu Rendite, Risiko, Steuerersparnis, Laufzeit oder Kündigungsmöglichkeiten einer Geldanlage und Anlageempfehlungen wörtlich festhalten und vom Berater unterschrieben, bevor ein Anlagevertrag zustande kommt.

Verhängnisvolle Fixierung auf die Steuer

Die immer noch gern angeführten Steuerargumente sind weitgehend obsolet. Einmal abgesehen von rechtlichen und moralischen Argumenten: Der Gesetzgeber hat legale Steuersparmöglichkeiten weitgehend eliminiert und die Steuereintreibung verschärft. Damit sind die Risiken viel größer geworden. Ärger mit dem Fiskus lohnt zumeist die ganze Steuerschneiderei nicht. Zudem müssen selbst geringe Verluste durch Betrug erst einmal wettgemacht sein.

Bei großen Vermögen stehen ausländische Banken gerne zur Verfügung, wenn es um die legale steuerlich optimale Strukturierung des Vermögens geht. Hier ist Know-How und Beratung vorhanden. Selbstgebastelte Lösungen tragen dagegen hohe Risiken. Und bei kleineren Vermögen lohnt das Steuernsparen meist weder Risiko noch Aufwand.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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