26.09.2006 · Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren in sogenannte Bric-Fonds geflossen, die in Brasilien, Rußland, Indien und China investieren. Doch immer mehr Experten meinen, das Kürzel sei vor allem ein Marketing-Konzept.
Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren in sogenannte Bric-Fonds geflossen, Investmentfonds, die ihre Kundengelder an den Aktienmärkten in Brasilien, Rußland, Indien und China anlegen. Doch an den Finanzmärkten häufen sich kritische Stimmen, die bezweifeln, daß das Bric-Konzept auf Dauer die Renditen einspielt, die sich Anleger mit Blick auf das starke Wirtschaftswachstum dieser Schwellenländer erträumen.
Schon jetzt erleben diese Fonds eine Flaute. An Stelle der früheren Euphorie lastet auf den Märkten der Schwellenländer die Sorge, eine schwächere amerikanische Konjunktur könne auch die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum in den großen Schwellenländern der Welt beeinträchtigen. Seither geht es mit der Renditeentwicklung der Bric-Fonds nur noch schleppend voran. Seit Anfang des Jahres gerechnet, blicken die meisten Bric-Fonds zwar trotz der scharfen Korrektur im Mai immer noch auf noch Gewinnzuwächse von 12 bis 15 Prozent zurück. Aber in den vergangenen Wochen haben die Fonds kaum noch nennenswerte Wertzuwächse erzielt.
„Andere Märkte überzeugen durch stabilere Erträge“
„Das Konzept der Bric-Fonds funktioniert besonders gut, solange das Wachstum der Weltwirtschaft kräftig vorangeht und sich die Aktienmärkte weltweit in starker Verfassung zeigen“, sagt John Lomax, Aktienstratege bei der Investmentbank HSBC, die selbst mehrere Bric-Fonds aufgelegt hat. „Aber in einer Situation, in der die Aktienmärkte in schwierigeres Fahrwasser geraten wie jetzt, sind Anlagen in Bric-Fonds nicht gerade die beste Wahl“, warnt Lomax. „Wenn es mit den Aktienmärkten vor allem in den Schwellenländern bergab geht, werden Bric-Fonds stark betroffen sein“, sagt er.
„Andere Aktienmärkte überzeugen durch stabilere Unternehmenserträge derzeit viel mehr wie die Aktienmärkte von Malaysia, Israel und Mexiko“, meint Lomax. Auch die Aktienmärkte von Ägypten und Vietnam hält er für interessant. Freilich ist es für Privatanleger bisher unmöglich, zum Beispiel in Deutschland zugelassene Investmentfonds für Vietnam zu kaufen - auch wenn sich der Markt wesentlich besser als die Bric-Länder entwickelt hat. Aber gerade hier liegt der Knackpunkt.
Kleine Länder entwickeln sich oft besser
Anleger und Banken lieben das Bric-Konzept, weil es eine so einfache Methode ist, an der Wachstumsdynamik der erwachenden volkswirtschaftlichen „Riesen“ wie China, Indien, Rußland und auch Brasilien teilzunehmen. Max King, Investmentstratege bei der südafrikanischen Investmentgesellschaft Investec, ist davon jedoch nicht überzeugt: „Die Bric-Fonds sind ein kluges Marketing-Konzept. Aber eine große Bevölkerung, politische Macht und Größe sind kein Garant für Anlageerfolg.“
Die Geschichte habe gezeigt, daß sich kleine Länder oft wesentlich besser entwickelten - so zum Beispiel der „keltische Tiger“ Irland. Ihm sind die Aktienmärkte der Bric-Länder zudem zu einseitig ausgerichtet: „78 Prozent der Marktkapitalisierung des russischen Aktienmarktes entfallen auf Werte aus der Gas- und Ölindustrie. Wenn ein Anleger jedoch am Wachstum einer Volkswirtschaft teilhaben will, muß er in Konsumwerte investieren können. Die gibt es jedoch am russischen Markt - und bei den Bric-Aktienmärkten überhaupt - nur wenig.“
Konsumtitel sind fast nicht existent
Diese Kritik führt selbst Goldman Sachs an. Die amerikanische Investmentbank, die das Konzept der Brics entwarf, räumte kürzlich ein: „Bric-Fonds müssen nicht notwendigerweise die beste Anlageform sein, um die Chancen, die die Bric-Länder bieten, auszunutzen.“ Goldman Sachs warnt, daß Investitionen in Bric-Märkte sehr einseitig ausgerichtet seien. 41 Prozent der Marktkapitalisierung der Bric-Märkte entfielen auf Rohstoffaktien, Mineralölwerte und Industriewerte. Konsumtitel seien fast nicht existent. An den westlichen Aktienmärkten machten die fünf größten Unternehmen in der Regel nur etwa 10 Prozent der Marktkapitalisierung des Gesamtmarktes aus.
In den Bric-Ländern würden die Aktienmärkte hingegen extrem dominiert von einigen wenigen großen Konzernen. Finanztitel seien zudem untergewichtet, räumt Goldman Sachs ein. Die Aktienmärkte der Bric-Länder spiegeln daher die Wachstumsdynamik ihrer Volkswirtschaften nicht voll wider. Da es im chinesischen Inland immer noch keine Börseneinführungen gibt und sich der Aktienmarkt nur schleppend entwickelt, ist die Marktkapitalisierung des chinesischen Marktes gegenüber der Wirtschaftsgröße des Landes mittlerweile deutlich zurückgefallen. Das Wachstum Chinas läßt sich daher auf den Aktienmarkt nicht übertragen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |