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Anhörung in Washington Schwere Vorwürfe gegen Börsenaufsicht im Fall Madoff

06.02.2009 ·  Ein Fondsmanager hat jahrelang erfolglos versucht, die Börsenaufsicht zu Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Betrüger Bernard Madoff zu bewegen. Jetzt packte er vor dem Kongress aus. Die Anhörung gilt als Vorläufer für eine erwartete größere Neuordnung der Finanzaufsicht.

Von Norbert Kuls, New York
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Abgeordnete des amerikanischen Repräsentantenhauses und ein Fondsmanager haben bei einer Anhörung in Washington die Rolle der Börsenaufsicht SEC im Betrugsfall Madoff scharf kritisiert. Der Fondsmanager Harry Markopolos, der die SEC seit neun Jahren auf Ungereimtheiten bei Madoff hingewiesen hatte, warf der Börsenpolizei Unfähigkeit und eine zu große Nähe zur Finanzbranche vor. „Die SEC fürchtet sich davor, Klagen gegen die größten und mächtigsten Firmen zu führen“, sagte Markopolos.

Dem New Yorker Börsenmakler Bernard Madoff wird von der Staatsanwaltschaft und der SEC vorgeworfen, Anleger in einem gigantischen Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Bei Schneeballsystemen werden Verluste vertuscht und Auszahlungen an Kunden mit dem Geld neuer Investoren finanziert. Madoffs Firma gehörte zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq, deren Verwaltungsratsvorsitzender Madoff Anfang der neunziger Jahre war.

Das größte Schneeballsystem der Geschichte

Der Auftritt von Markopolos vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses war mit Spannung erwartet worden. Seine Versuche, die SEC auf die Fährte von Madoff zu lenken, hatten bereits zu internen Ermittlungen bei der Behörde geführt. Markopolos hatte der SEC mehrfach detaillierte Berichte mit einer Liste von Warnsignalen geschickt. Er gab der SEC zudem genaue Instruktionen für Ermittlungen und führte sogar Namen und Telefonnummern von Finanzfachleuten auf, die seine Theorien bestätigten. „Ich habe ihnen das größte Schneeballsystem der Geschichte in Geschenkpapier verpackt geliefert, aber irgendwie machten sie sich nicht die Mühe für anständige und gründliche Ermittlungen“, sagte Markopolos.

Der Fondsmanager hatte seine Nachforschungen begonnen, weil ihn einer seiner früheren Chefs beim Vermögensverwalter Rampart Investment Management aufgefordert hatte, die als beständig und erfolgreich geltenden Investmentstrategien von Madoff nachzubilden. Er habe innerhalb von fünf Minuten gewusst, dass Madoff ein Betrüger sei, sagte Markopolos. Weitere vier Stunden mit genauerer Prüfung der Gewinnentwicklung und Zahlen hätten seine Vermutungen bestätigt.

Neuordnung der Finanzaufsicht

Nach Einschätzung von Markopolos sind bei der SEC keine ausreichend erfahrenen Finanzexperten beschäftigt. Die SEC sei „unfähig“ gewesen, die komplexen Finanzinstrumente zu verstehen, mit denen Madoff seinen Betrug kaschiert habe. Zudem wurden Ermittlungen offenbar von internen Rangeleien behindert. So traf Markopolos nach eigenen Angaben zunächst auf offene Ohren bei Edward Manion, dem Chef des Bostoner SEC-Büros. Aber das höherrangige New Yorker Büro habe weitere Ermittlungen blockiert.

„Herr Manion hat mich gewarnt, dass die Beziehungen zwischen den regionalen Vertretungen in New York und Boston in etwa so warm sind wie die zwischen den Yankees und den Red Sox, und dass New York nicht gerne Hinweise aus Boston erhält“, sagte Markopolos. Die Rivalität zwischen den Baseballteams New York Yankees und Boston Red Sox ist eine der legendärsten Rivalitäten im amerikanischen Profisport.

Die zur Anhörung geladenen Vertreter der SEC gerieten in die Defensive. „Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir Betrug hassen“, sagte Linda Thomsen, die die Sparte Strafverfolgung bei der SEC leitet. Den Abgeordneten reichte das nicht. „Ihr Job ist es, Betrug zu verhindern, nicht zu hassen“, konterte der Ausschussvorsitzende Paul Kanjorski. Die SEC-Mitarbeiter lehnten es mit Hinweis auf Vertraulichkeit ab, zu den laufenden Ermittlungen gegen Madoff konkrete Angaben zu machen. Die SEC erwäge aber die häufigere Prüfung von registrierten Vermögensverwaltern wie Madoff. Die Anhörung gilt als Vorläufer für eine erwartete größere Neuordnung der Finanzaufsicht.

Zahlreiche Opfer

Die SEC hat jüngst Fehler im Fall Madoff eingeräumt. Der interne SEC-Kontrolleur David Kotz will bei seinen Ermittlungen klären, ob Madoffs Status innerhalb der Aufsicht eine Rolle bei der Handhabung seines Falles spielte. Aufgrund seiner Expertise saß Madoff in Beratungsgremien der Behörde. Ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen ist die Beziehung von Madoffs Nichte zu ihrem jetzigen Ehemann, der einst bei der SEC für die Aufsicht von Madoffs Firma zuständig war.

Markopolos warf auch Fragen zur Rolle von Fonds auf, die Madoff als Zwischenhändler mit Geld versorgt hatten. So habe der Hedge-Fonds Fairfield in den vergangenen Jahren ungewöhnlich oft seinen Wirtschaftsprüfer gewechselt. Nach Angaben von Markopolos sind zudem ein Dutzend Fonds in Europa, die ebenfalls Gelder ihrer Kunden an Madoff vermittelt haben, noch gar nicht bekannt. In den Vereinigten Staaten und Europa gehören zahlreiche Hedge-Fonds, Banken, prominente Privatanleger und Stiftungen zu den Opfern.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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