05.03.2004 · Mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen lassen sich lukrative Renditen erwirtschaften. Das verleiht dem Bereich Anziehungskraft. Für Privatanleger hat Private Equity aber Tücken, bietet vereinzelt jedoch auch Chancen.
Der Markt für Private Equity, also grob gesprochen dem Segment, in dem es um die Bereitstellung von privaten und haftenden (meist außerbörslichen) Eigenkapital-Beteiligungen an Unternehmen geht, hat nach einer vorherigen Boomphase in den vergangenen Jahren schwere Zeiten durchlebt. So flossen im Vorjahr zwar 3,47 Milliarden Euro in Risikokapitalbeteiligungen, doch das war im Jahresvergleich ein Minus von 23 Prozent. Und im Jahr 2000 betrug die Anlagesumme sogar noch 19,7 Milliarden Euro.
Doch nachdem das allgemein über Fonds aufgenommene Kapital im Jahr 2003 auf das tiefste Niveau seit mindestens acht Jahren gefallen ist, gibt es nun eindeutige Zeichen für eine Verbesserung des Umfelds. Fast täglich kommen aus der Branche ermutigende Meldungen und Branchenvertreter wie Thomas Middelhoff, Partner der Beteiligungsgesellschaft Investcorp und früherer Bertelsmann-Chef sprechen sogar schon wieder von „rosigen Perspektiven“.
Optimistische Töne schlägt auch der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) an. Laut BVK-Vorstandsmitglied Michael Groß sei 2004 mit einer Belebung des Marktes für Private-Equity-Finanzierungen zu rechnen und 2005 werde dann der Aufschwung richtig greifen.
Private Equity lockt mit langfristig hohen Renditen
Das klingt verlockend, schließlich zeigen zahlreiche Studien, daß in dieser Anlageklasse durchschnittliche jährliche Renditen von fast 15 Prozent winken. Nach Untersuchung der Private Equity Consultant-Firma Mackewicz & Partner ist damit langfristig eine etwa um 400 Basispunkte über den an der Börse erzielbaren Renditen möglich.
Doch um es gleich vorwegzunehmen: Die höheren Renditechancen werden wie immer bei der Geldanlage auch mit höheren Risiken erkauft. Darauf weist auch Detlef Mackewicz von der gleichnamigen auf Risikokapital spezialisierten Unternehmensberatung hin: „Die hohen Renditen sind das Entgelt für das höhere Risiko und die eingeschränkte Liquidität, die der Anleger im Vergleich zu festverzinslichen und traditionellen Anlageformen eingeht.“
Hinzu kommt eine geringe Markttransparenz und die Tatsache, daß Anleger einen langen Atem bei diesen Anlagen von im Idealfall zehn bis 20 Jahren mitbringen müssen. Denn kurzfristige Gewinne wie an der Börse sind hier kaum realisierbar. In der Investitionsphase ist es sogar zunächst in der Regel so, daß der Wert von Private Equity Fonds sinkt, weil zunächst nur Ausgaben, aber keine Erträge anfallen.
Anlageform mit großen Chancen und Risiken
Trotz der genannten Risiken bezeichnet derzeit aber auch Mackewicz den Zeitpunkt für einen Einstieg als gut geeignet. Gleichzeitig warnt er aber eindringlich: Privatanlegern raten wir wegen der Intransparenz und der hohen Kosten von einem Engagement ab.“ In der Tat ist der Bereich Private Equity mit Vorsicht zu genießen. Von den erwähnten Renditechancen sollten sich unbedarfte Marktteilnehmer jedenfalls nicht blenden lassen.
Zu einem Einstieg kann eigentlich nur Anlegern geraten werden, die bereit sind, sich mit der Materie intensiv zu beschäftigen und die bereits über ein gewisses Vermögen und damit eine breite Streuung ihres Portfolios verfügen. Laut Fondsanalyst Stefan Loipfinger sollten interessierte Anleger wenigstens 200.000 Euro im Depot liegen haben. Davon dürften dann fünf Prozent, höchstens jedoch zehn Prozent in Private Equity investiert werden, so seine Empfehlung.
Daß der Bereich nicht ohne Gefahren ist, mußten in den vergangenen schwierigen Jahren selbst die Spezialisten bei den Investmentbanken erfahren. Die dabei gemachten negativen Erfahrungen führen nun dazu, daß diese Aktivitäten immer öfter in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert werden und so die Konzerne von den Risiken unabhängig zu machen.
Verschiedenste Anlagealternativen
Richtig eingesetzt können Private-Equity-Anlageinstrumente aber dabei helfen, eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Das erkennen offenbar auch immer mehr institutionelle Anleger. Eine Umfrage von Mackewicz & Partner bei 198 institutionellen Investoren in Europa ergab jedenfalls, daß diese planen den Anteil von Private Equity an ihren gesamten Kapitalanlagen binnen fünf Jahren im Durchschnitt von 1,1 auf 3,2 Prozent zu erhöhen. Die Berater rechnen daraus hoch, daß Europas Investoren in den nächsten fünf Jahren 130 Milliarden Euro zusätzliches Kapital in die globalen Private-Equity-Fonds stecken werden.
Um daran mitzuverdienen stehen auch Privatanlegern grundsätzlich verschiedene Optionen offen. Sie können entweder selbst in Unternehmen investieren, in speziell aufgelegte Private Equity Fonds einsteigen, sich in Dachfonds engagieren oder auf die Aktien von Private-Equity-Gesellschaften setzen.
Alle Alternativen haben allerdings teilweise ihre Tücken. Diese reichen von Einstiegshürden wie Mindestinvestments über große Performance-Unterschiede bei Dachfonds bis hin zu einem fehlenden Überblick darüber, welche Investitionsmöglichkeiten es derzeit überhaupt gibt. Zum letztgenannten Punkt bieten zwar Anbieter wie die Gesellschaft Initiative Europe zwar Services an, die zeigen, welche Gesellschaften gerade Kapital einsammeln, aber diese Dienstleistung ist gleich wieder mit Kosten verbunden.
Konkrete Investmentvorschläge
Im Dickicht des intransparenten Angebots hat Matthias Rieger, Autor der Publikation „Hanseatischer Börsendienst“ dennoch zwei interessante Anlagen herausgefiltert. Bei der einen handelt es sich um eine Princess Wandelanleihe (ISIN: XS0098576563), für deren Rückzahlung zum Nennwert die Schweizer Rück zum 31. Dezember 2010 gerade steht.
Dieses Produkt beinhaltet zudem eine jährliche Rendite von 3,4 Prozent auf Dollarbasis sowie ein erstmals im Jahr 2007 ausübbares Wahlrecht zum Umtausch. Gehandelt wird die Wandelanleihe derzeit in etwa zum Nettoinventarwert, was die Chance beinhaltet, daß bei Versilbern der Beteiligungen wie der an der Suchmaschine Google dieser Nettoinventarwert mittelfristig steigen wird. Rieger gefällt an dem Produkt das sehr gute Chance-Risiko-Verhältnis.
Ähnlich zuversichtlich fällt sein Urteil zum Partners Group Private Equity Performance Zertifikat P3 (ISIN: DE0001734994) aus. Das von der Dresdner Bank mit einem Kündigungsrecht zum Ende des Jahres 2010 gestrickte Zertifikat gibt Privatanlegern die Chance zu einem Investment, das noch immer unter dem innerer Wert von über 880 Euro gehandelt wird.
Private-Equity-Aktien überzeugen langfristig
Trotz der überzeugenden Gründe für die beiden genannten Konstrukte scheint für Privatanleger ein Investment in dem Vereich über den Kauf von Private Equity Aktien fast die am einfachste zu handhabende Möglichkeit zu sein. Im Zeitraum von Dezember 1993 bis Februar 2004 war dies jedenfalls durchaus lohnend, wie der Listed Private Equity Index zeigt (siehe Chart unten). Dieser vom Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum der Universität Basel entwickelte, 50 Werte umfassende Index hat es in dieser Phase auf eine Rendite von 10,55 Prozent gebracht und dabei nicht nur den MSCI Welt, sondern auch die Nasdaq geschlagen.
Insgesamt haben die Baseler Wissenschaftler bei ihren Recherchen 287 börsennotierte Gesellschaften ausfindig gemacht, deren Hauptzweck Private Equity Investments darstellen. Allerdings schränken nach ihrer Einschätzung Liquiditätsüberlegungen die Zahl der investierbaren Unternehmen auf 122 ein.
Viele dieser Titel weisen inzwischen wieder ansprechende Charts auf, die darauf hinweisen, daß die Gesellschaften wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Werte, die mit eine aussichtsreichen Charttechnik aufwarten können, sind beispielsweise Castle Private Equity, New Venturetec, Private Equity Holding, ENR Russia Invest, 3i Group, Wobei auch hier natürlich der Hinweis weiterhin Gültigkeit behält, daß man sich vor einem Einstieg intensiv mit den fundamentalen Rahmendaten der jeweiligen Unternehmung auseinandersetzen sollte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |