24.10.2008 · Nach dem Kursrutsch gibt es wieder Aktien, deren Börsenwert unter den Barmitteln liegt. Das deutet oft auf eine Unterbewertung hin. Und die Auswahl ist inzwischen sogar schon größer als im letzten Bärenmarkt 2002.
Von Jürgen BüttnerDie dramatischen Kursverluste an den Weltbörsen setzen sich auch am Freitag fort. Wer dem Desaster dennoch etwas Positives abgewinnen will, der kann sich mit einem Blick auf die Bewertungen trösten.
Denn selbst wenn hinter den Unternehmensgewinnen für 2009 noch ein dickes Fragezeichen steht, signalisieren doch viele Kennziffern, dass zahlreiche Aktien günstig geworden sind. So finden sich auf den Kurszetteln wieder Aktien, deren Barmittel den Börsenwert abdecken oder teilweise sogar übersteigen.
Signal für Unterbewertung
Im Klartext bedeutet dies nichts anderes, als das alle anderen Vermögensgegenstände sowie der Firmenwert derzeit nicht in den Kursen honoriert wird. Das dürfte zumindest in einigen Fällen auf eine deutliche Unterbewertung und damit mittelfristig deutlichen Kurschancen hindeuten. Für Charles Wolf, Analyst bei Needham & Co. sind solche Bewertungsrelationen jedenfalls „verführerische Kaufsignale“.
Schon Börsenaltmeister Benjamin Graham, der auch ein Mentor von Anlageguru Warren Buffett war, setzte vor 80 Jahren auf dieses Auswahlkriterium. Als während der Großen Depression etliche Aktien unter ihren Barmitteln notierten, kam er zu folgendem Schluss: „Entweder sind die Kurse zu niedrig oder die Unternehmen sollten liquidiert werden.“
Bereits mehr Auswahl als im letzten Bärenmarkt
In einer von Business Week am 14. Oktober angestellten Untersuchung unter Werten mit einer Marktkapitalisierung von 500 Millionen Dollar fanden sich 29 amerikanische Titel und 185 Aktien aus anderen Ländern, deren Börsenwert unter den bilanziellen Barmitteln lag. Und da seitdem die Kurse noch weiter gefallen sind, dürfte es inzwischen sogar noch mehr geworden sein.
Schon zum Stichtag 14. Oktober lag die Zahl der Treffer über der im Oktober 2002, also dem Tiefpunkt des letzten Bärenmarktes. Damals erfüllten nur 14 amerikanische und 77 ausländische Aktien das Auswahlkriterium.
Aktuell wird die Trefferliste von Unternehmen aus dem von der Kreditkrise schwer gebeutelten Finanzsektor wie Morgan Stanley und Macquarie Group angeführt. Andere Gesellschaften, wie General Motors und United Airlines bewegen sich in Branchen, die ebenfalls mit Problemen zu kämpfen haben.
Im Jahr 2002 ging die Anlagestrategie auf
Ob diese Titel auf den Abfallhaufen gehören oder Schnäppchen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Weist die Bilanz auch viele Schulden auf, dann relativiert sich natürlich die Bedeutung der hohen Barmittel. Außerdem kommt es darauf an, was alles zu den Barmitteln gezählt wird. Manche kurzfristige Anlageinstrumente könnten sich wegen der Kreditkrise als wenig werthaltig erweisen. Auch können sich die Barmittel schnell in Luft auflösen, wenn beispielsweise das Geld für eine Übernahme verwendet werden sollte.
Historisch gesehen war es aber oft ein guter Zeitpunkt, bei Werten einzusteigen, deren Börsenwert unter den liquiden Mitteln lag. Auch bei vielen Aktien in Deutschland ging diese Rechnung nach dem Platzen der Technologieblase auf. In Amerika erzielten die 14 erwähnten Firmen, die im Oktober 2002 das Kriterium erfüllten, im Zeitraum von zwölf Monaten danach ein Kursplus von durchschnittlich 66 Prozent. Der Standard & Poor 500 Index kam dagegen in diesem Zeitraum nur auf ein Plus von 29 Prozent.
Und? Wo kann ich die Infos einholen,
Jürgen Zwiebel (Konspirant)
- 25.10.2008, 00:50 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |