Wollte es lange Zeit niemand wahrhaben, so spuken die Folgen der amerikanischen Häusermarktkrise inzwischen weltweit herum. Die Konsequenzen einer sorglosen Finanzierung und die fahrlässige Weitergabe der zwar hoch riskanten, jedoch mit Hilfe fahrlässiger Ratingagenturen verführerisch verpackten Kredite an ahnungslose oder einfach nur ignorante Anleger zeigen sich aller Orten.
Erst gehen die Hedge Fonds bei Bear Stearns hoch, einem der Protagonisten des Immobilienbooms und der nun folgenden Krise. Später folgen andere Pleiten. Sei es bei hoch bezahlten und ach so „cleveren“ Hedge-Fonds-Manager von London bis Sydney, smarten Brokern wie Oddo in Paris oder selbst bei den angeblich so soliden Bankern der IKB (vgl. auch Corporates: Die Subprime-Krise breitet sich aus).
Marktteilnehmer werden nervöser
Aus diesem Grund dürfte es kaum verwundern, dass sowohl Kreditgeber als auch Anleger weltweit immer nervöser werden und zu retten versuchen, was noch zu retten ist. Die Gläubiger machen endlich das, was sie von Anfang an hätten tun sollen: Sie führen striktere Kreditvergaberichtlinien ein und machen auf diese Weise Gelder nicht mehr so leicht verfügbar für alle nur denkbaren Spekulationen. Das dämpft den Preisauftrieb an den Finanzmärkten, die lange Zeit von Kredit finanzierten Übernahmespielen und Aktienrückkäufen profitiert hatten.
Die Anleger dagegen versuchen Kasse zu machen, um bei hoch riskanten Geschäften mit intransparenten und illiquiden Hypothekarpapieren, strukturierten Produkten oder Schwellenländeranlagen aller Art ihre Risiken zu reduzieren. So trifft zumindest kurzfristig an den Finanzmärkten eine gedämpfte Nachfrage auf ein zunehmendes Angebot. Das alleine schon dürfte die Nervosität, sie sich unter anderem in deutlich angezogenen Volatilitäten zeigt, noch eine Weile andauern lassen.
Vielfach wird zwar versichert, die fundamentale Wirtschaftslage sei gar nicht so schlecht, der konjunkturelle Boom werde in Europa und Asien weitergehen, während sich die amerikanische Wirtschaft von ihrer Schwäche erholen werde. Der Blick auf die Fakten sieht allerdings etwas anders aus. In den Vereinigten Staaten sind sowohl Konjunktur-, als auch Unternehmenszahlen allenfalls durchwachsen. Ob sie sich erholen und die Weltkonjunktur am Laufen halten können werden, steht noch in den Sternen.
Verheerende Charts widersprechen Optimismus
Immerhin lebte die in den vergangenen Jahren direkt oder indirekt stark vom amerikanischen Konsum, der sich wiederum vom lange dauernden Boom im Immobilienbereich stimulieren ließ. Inzwischen sieht es jedoch kritisch aus. Alleine ein Blick auf die Charts der in diesem Bereich tätigen Unternehmen genügt, um die wahre Bewertung der Lage durch den Markt erkennen zu können. Denn angefangen von den Aktien der Wohnungsbauunternehmen über die der Investment- und Hypothekenbanken sowie der Arbeitsvermittler bis hin zu den Ratingagenturen sehen sie verheerend aus.
Solche Bilder sprechen für sich. Sie stehen im Gegensatz zur weit verbreiteten Theorie, das Problem sei auf einen kleinen wirtschaftlichen Bereich beschränkt. In diesem Sinne dürfte es kaum verwundern, dass die Anleger defensiver als zuvor werden. Das ist auch nicht schwierig, immerhin scheinen sie lange Jahre gar nicht mehr wahrgenommen zu haben, was Risiko überhaupt ist.
Der Markt ist außer Kraft gesetzt worden.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 02.08.2007, 14:01 Uhr