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Amerikanische Unternehmen Mitarbeiter-Optionen sind künftig Kosten

25.04.2006 ·  Amerikanische Unternehmen müssen künftig die Aktienoptionen der Mitarbeiter als Kosten ausweisen. Diese Richtlinie stößt vor allem in der Technologiebranche auf Widerstand. Analysten unterschätzen die Auswirkungen der neuen Bilanzierung.

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Die meisten amerikanischen Unternehmen müssen für das erste Quartal erstmals Aktienoptionen der Mitarbeiter, wie andere Vergütungen auch, als gewinnmindernde Kosten ausweisen. Mit dieser neuen Richtlinie wollte das Financial Accounting Standards Board, das in Amerika die Regeln für Bilanzierung festlegt, gegen den erbitterten Widerstand zahlreicher Unternehmen vor allem aus der Technologiebranche für größere Transparenz und Vergleichbarkeit der Bilanzen sorgen.

Davor mußten Optionen, die das Recht verbriefen, nach einer gewissen Laufzeit Aktien zu einem bestimmten Preis zu beziehen, nur als Fußnote in der Bilanz erwähnt werden. Obwohl die neue Regel seit Ende 2004 bekannt ist und viele Unternehmen sich ihr bereits freiwillig unterworfen hatten, herrscht an der Wall Street immer noch keine Transparenz, sondern eher Konfusion. Denn noch immer beziehen nicht alle Analysten die Kosten für Optionen in ihre Gewinnschätzungen ein. Das macht die Bilanzen untereinander schlecht vergleichbar. Zudem haben Unternehmen, denen die neue Berechnung das Ergebnis zu schwächen drohte, legale Maßnahmen ergriffen, um die Zahlen zu schönen.

Stärkster Widerstand aus der Technologiebranche

Eine Schwierigkeit der neuen Richtlinie war das Fehlen einer konkreten Bewertungsmethode für die Kosten von Optionen. „Das gibt den Unternehmen den Ermessensspielraum, sich eine Zahl auszusuchen“, sagt Lynn Turner, früherer Chef-Wirtschaftsprüfer bei der Börsenaufsicht SEC und jetzt Analyst bei der Gesellschaft Glass Lewis. Turner glaubt, daß das nun zur jüngsten Ausgabe des „Zahlenspiels“ an der Wall Street werden könnte.

Zu den Unternehmen, die ihre Bewertungsmethoden für Optionen geändert haben, gehört der Halbleiterhersteller Intel. Das Unternehmen stand an vorderster Front bei der Kritik an der Umstellung der Bilanzierung. Der stärkste Widerstand kam neben der Technologiebranche aus den Branchen Gesundheitswesen und Medien, da dort Optionen ein beliebtes Mittel für Bezahlung und Motivation der Mitarbeiter sind.

Im jüngsten Jahresbericht hatte Intel bekanntgegeben, daß der Wert für die Aktienkursschwankung, der für die Berechnung der Optionskosten genutzt wird, auf 26 Prozent reduziert worden ist. Im Jahr davor hatte dieser Wert noch bei 50 Prozent gelegen. Das Resultat: Der rechnerische Wert der Optionen sank. Mit dieser Änderung hat Intel den Wert der ausgegebenen Optionen im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent verringert.

Fragwürdiges Manöver

Dennoch ist der Gewinn von Intel wegen der neuen Optionsbilanzierung zurückgegangen. Intel berichtete in der vergangenen Woche im Jahresvergleich einen Rückgang des Quartalsgewinns von 35 Cent auf aktuell 23 Cent pro Aktie. Ohne Berücksichtigung der Optionskosten hätte Intel 27 Cent verdient. Die Kosten für die neue Bilanzierung haben den Gewinn also um 15 Prozent geschmälert.

Unternehmen haben im vergangenen Jahr auch die Laufzeit bestimmter Optionsprogramme verkürzt, um höhere Kosten in der Bilanz zu vermeiden. Das funktionierte, weil die betroffenen Optionen so noch vor Inkrafttreten der neuen Richtlinie bezugsfähig wurden. Analysten wie Lynn Turner hatten dieses Manöver als fragwürdig kritisiert.

Alle Unternehmen, deren Geschäftsjahr nach dem 15. Juni beginnt, müssen Aktienoptionen nun als Kosten ausweisen. Kurioserweise ignorieren das aber immer noch viele Analysten an der Wall Street. Nach Angaben des Informationsdienstes Thomson First Call hat für ein Drittel der im S&P-500 abgebildeten Unternehmen die Mehrheit der Analysten Kosten für Optionen bei ihren Gewinnprognosen immer noch nicht berücksichtigt. Bilanzfachmann Michael Moran von der Investmentbank Goldman Sachs zeigte sich gegenüber dem „Wall Street Journal“ überrascht darüber, daß das so lange dauert.

Berücksichtigung der Optionskosten

Banken wie Goldman und andere verlangen nämlich seit geraumer Zeit von ihren Analysten, Optionskosten einzukalkulieren. Laut Moran liegt es auch daran, daß in einigen Fällen die Unternehmen Analysten nicht ausreichend informiert haben. Die Konzerne wollen eine starke Reduzierung der Prognosen vermeiden, weil das ihren Aktienkurs belasten könnte. Moran hält es aber für wahrscheinlich, daß bis zum nächsten Jahr die Optionskosten weitgehend berücksichtigt werden.

Nach Einschätzung mehrerer Banken wird die Umstellung der Bilanzierung die Gewinne im S&P-500 in diesem Jahr um rund 3 Prozent verringern. Branchen, in denen Optionen stärker genutzt werden, dürften aber stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. Die im Vergleich zum Gesamtmarkt etwas schwächere Entwicklung des technologielastigen Index der Computerbörse Nasdaq in der vergangenen Woche könnte ein Indiz dafür sein.

Aktien von Unternehmen, deren Gewinnschätzungen wegen der Optionskosten reduziert wurden, entwickeln sich schlechter als der Gesamtmarkt, fanden Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston heraus. Das gilt besonders für Unternehmen, deren Gewinnprognosen um über 5 Prozent zurückgenommen wurden. Ein Grund: Viele Anleger nutzen die Revision von Analystenschätzungen als Werkzeug zur Aktienauswahl. Die Anhebung der Schätzungen gilt als Kaufsignal, die Reduzierung der Prognosen als Anlaß zum Verkauf. Zudem erscheinen Aktien bei gleichbleibendem Kurs teurer, wenn die Gewinnerwartungen gesenkt werden. Denn dadurch steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, eine beliebte Meßlatte für die Bewertung von Aktien.

Quelle: nks., F.A.Z., 26.04.2006, Nr. 97 / Seite 26
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