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Amerikanische Präsidentschaftswahl Kann der Markt den Sieger vorhersagen?

06.08.2008 ·  Barack Obama oder John McCain? Dieser Zweikampf lässt auch die Wall Street nicht kalt. An der Wertentwicklung des Aktienindex S&P-500 in den drei Monaten vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl lässt sich oft ablesen, wer künftig im Weißen Haus regieren wird.

Von Sam Stovall
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Sollten John McCain und Barack Obama die künftige Entwicklung des Aktienmarktes im Blick behalten? Ein Freund teilte mir nämlich vor kurzem mit, dass die Kursentwicklung des Aktienindex' S&P-500 in den drei Kalendermonaten vor einer amerikanischen Präsidentschaftswahl ein guter Indikator dafür sei, ob der Präsident oder seine Partei wiedergewählt oder abgelöst werde.

Hierbei würde eine positive Indexentwicklung ein positives Ergebnis für den Amtsinhaber oder die regierende Partei bedeuten, während eine negative Kursentwicklung des S&P-500 auf das Gegenteil schließen lasse.

Meine Neugier war geweckt und so nahm ich einen eigenen Test vor. Ich fand heraus, dass dieses „Wahlprognosemodell“ tatsächlich erfolgreich ist: Bei der Vorhersage der Wiederwahl der an der Macht befindlichen Partei ermittelte ich eine Genauigkeitsrate von 79 Prozent, bei der Prognose eines Wechsels der regierenden Partei lag die Erfolgsquote sogar bei 83 Prozent.

Aktienindex ermöglicht zuverlässige Prognosen

Werfen Sie einen Blick auf die beigefügte Tabelle. Seit 1928 fanden 20 Präsidentschaftswahlen statt; die Wahl im diesjährigen November ist Nummer 21. Auf Grundlage der Wertentwicklung des S&P-500 im Dreimonatszeitraum von August bis Oktober liefert dieser Indikator in 80 Prozent der Fälle korrekte Aussagen über Wiederwahl oder Abwahl.

Ich schürfte ein wenig tiefer und fand heraus, dass die Indexentwicklung erfolgreiche Prognosen darüber ermöglicht, ob die regierende Person oder Partei wiedergewählt wird. In den 14 ermittelten Fällen lag das Modell 11 Mal richtig, was einer Trefferquote von 79 Prozent entspricht.

Im Jahr 1932 lag der Indikator daneben: Der S&P-500 gewann mehr als 14 Prozent hinzu, der amtierende Präsident Herbert Hoover wurde aber dennoch abgewählt. Vielleicht hofften viele Investoren auf den Wahlerfolg von Franklin D. Roosevelt und nahmen bereits „die Rückkehr der glücklichen Tage“ vorweg.

1968 und 1980 setzte Wall Street auf den falschen Kandidaten

Auch 1968 irrte das Modell, als die Marktentwicklung prophezeite, dass Hubert Humphrey der nach Martin Van Buren zweite zum Präsidenten gewählte Vizepräsident sein würde. Der dritte Kandidat George Wallace konnte den Demokraten jedoch genügend Stimmen abjagen, um den Republikaner Richard Nixon als strahlenden Sieger hervorgehen zu lassen.

Im Jahr 1980 sagte das Modell schließlich eine Wiederwahl von Jimmy Carter voraus, der jedoch Ronald Reagan unterlag, der den Vereinigten Staaten die Reagan-Revolution und die spöttisch als „Voodoo Economics“ bezeichnete Wirtschaftspolitik bescherte.

Richtige Prognose in fünf von sechs Fällen

Einen Wechsel der regierenden Partei konnte das Modell in fünf von sechs Fällen korrekt vorhersagen, was einer Genauigkeitsrate von 83 Prozent entspricht. Nur in einem Fall lag der Indikator daneben: 1956 führte der 7,7-prozentige Rückgang des S&P-500 in den drei Monaten vor der Präsidentschaftswahl nicht den vorausgesagten Machtwechsel herbei. Der demokratische Herausforderer Adlai Stevenson konnte die Wiederwahl von Präsident Dwight D. Eisenhower nicht verhindern, wahrscheinlich, weil sich „Ike“ noch immer großer Beliebtheit erfreute.

Wie lautet nun die Prognose für den diesjährigen Wahlausgang? Entsprechende Aussagen sind natürlich schwierig, da der hiefür relevante Dreimonatszeitraum erst begonnen hat. Zudem sind Entwicklungen in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Wall Street mag nicht die Demokraten

Im Allgemeinen scheint die Wall Street jedoch selten die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu unterstützen. Ein merkwürdiges Phänomen, da der S&P-500 in den 28 Jahren unter demokratischer Präsidentschaft einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 10,7 Prozent verzeichnete, während in den 35 Jahren unter republikanischen Präsidenten ein mittlerer Zuwachs von 7,6 Prozent erzielt wurde.

Zudem wird George W. Bush wahrscheinlich einer von nur drei amerikanischen Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg sein, dessen Amtszeit mit einer Rezession zu Ende ging. Die anderen beiden Präsidenten waren ebenfalls Republikaner: Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon (dessen zweite Amtsperiode von Gerald Ford zu Ende geführt wurde).

Und auch die beiden seit 1945 eingetretenen massiven Börseneinbrüche, in denen der S&P-500 um jeweils mehr als 48 Prozent absackte, ereigneten sich unter republikanischer Ägide.

Aktienmärkte fürchten Steuersenkung für die Mittelschicht

Eine häufig geäußerte Sorge ist, dass ein Sieg der Demokraten bei der Wahl 2008 wahrscheinlich in einer Steuersenkung für die Mittelschicht zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur resultieren wird, die vermutlich mit einer Erhöhung der Kapitalertragsteuer gegenfinanziert wird.

Diese könnte rückwirkend zum Jahresbeginn 2009 in Kraft treten und infolgedessen gegen Jahresende 2008 einen Ausverkauf an den Aktienmärkten auslösen, da Anleger ihre Veräußerungen vorzuziehen versuchen, um noch von den niedrigeren Kapitalertragsteuersätzen zu profitieren.

Unabhängig davon, welche Partei letztlich ins Weiße Haus gewählt wird: Nach unserer Überzeugung werden Rezession, Ölpreise, Kosten und Zugänglichkeit des Gesundheitssystems sowie die Verteidigungsausgaben die wichtigsten Punkte auf der Agenda sein.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P Equity Research Services.

Quelle: Business Week Online
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