27.11.2008 · Notenbanken und Regierungen versuchen mit allen Mitteln die Verspannungen an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft zu lösen. In den Vereinigten Staaten erreichen die Volumina der getroffenen Finanzmaßnahmen gigantische Ausmaße.
Mit aller Gewalt versuchen Regierungen und Zentralbanken die Verspannungen an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft zu lösen. Sie senken nicht nur die Zinsen, sondern sie stellen immer mehr Marktteilnehmern Liquidität selbst gegen die Hinterlegung von Sicherheiten geringer Qualität zur Verfügung oder kaufen Wertpapiere direkt auf.
Allen voran die amerikanische Zentralbank Fed: Mit exotisch benamten Programmen wie TARP (Troubled Asset Relief Program), TAF (Term Auction Facility), PDCF (Primary Dealer Credit Facility), TSLF (Term Securities Lending Facility), CPFF (Commercial Paper Facility), MMIFF (Money Market Investor Funding Facility) und ABCPMMMFLF (Asset Backed Commercial Paper Money Market Mutual Fund Liquidity Facility) greift sie massiv in das Marktgeschehen ein.
Amerikanische Zentralbank vertraut längst nicht mehr alleine auf tiefe Zinsen
Das macht deutlich, dass sie es längst aufgegeben hat, alleine nur auf tiefe Zinsen zu setzen. Firmen wie American Express, American International Group, Chrysler Financial, Ford Motor Credit, GMAC, General Electric, General Electric Capital, Harley-Davidson, die Kookmin Bank, die Korea Development Bank; Morgan Stanley, Prudential Financial und Torchmark haben sich beispielsweise für das CPFF-Programm registrieren lassen. Zudem versehen die Regierungen angeschlagene Unternehmen in großem Stil mit Garantien.
Zusammen erreichen die unterschiedlichen Maßnahmen riesige Dimensionen. Vergleicht man beispielsweise alleine nur die amerikanischen „Rettungsmaßnahmen“ in ihrem denkbaren finanziellen Volumen mit historischen Maßnahmen vergleichbarer Dramatik, so sieht die Vergangenheit im Vergleich zur Gegenwart recht bescheiden aus. Die Ausgaben für den Marshall-Plan, mit dem der Aufbau Europas nach einem verheerenden Krieg finanziert wurde, kostete auf vergleichbarer Basis gerade einmal 115 Milliarden Dollar.
Einerseits stellt sich die Frage, ob die verfolgten Rettungsstrategien in der gewählten Form tatsächlich notwendig sind. Denn es scheint unvernünftig und gar unrealistisch zu sein, das kreditgetriebene Wachstum der vergangenen Jahrzehnte angesichts der starken Verschuldung der Konsumenten und vieler Unternehmen neu beleben zu wollen. Nun nehmen auch die Verbindlichkeiten der Staaten weltweit deutlich zu, während die Bilanzen der Zentralbanken gleichzeitig förmlich anschwellen. Das alleine schon belastet künftige Generationen finanziell und schränkt auf diese Weise ihren wirtschaftlichen Handlungsspielraum ein.
Hohe Schulden, steigende Defizite - höhere Risikoprämien
Gleichzeitig ist nicht klar, ob die Staaten in der Lage oder willens sind, die Bilanzen der verstaatlichten Finanzunternehmen zu bereinigen und den Finanzsektor auf ein vernünftiges Maß zurück zu stutzen. So besteht die Gefahr, dass die Risiken in den Bilanzen verbleiben und nur in die Zukunft übertragen werden. Alleine schon die Lockerung der Bilanzierungsregeln gibt Finanzunternehmen die Möglichkeit, Schieflagen in ihren Bilanzen nur optisch zu korrigieren.
Auf der anderen Seite scheinen längst auch nicht alle im Finanzsystem verborgenen Risiken offenbar geworden zu sein. Christopher Whalen, Analysten bei Institutional Risk Analytics verweist unter anderem auf den Markt für Credit Default Swaps (CDS). Sollten bei steigenden Ausfallraten auch nur 40 Prozent aller ausstehenden Kontrakte mit einem Nominalwert von etwa 50 Billionen Dollar „ins Geld“ kommen, wären die Verkäufer zu Zahlungen von 15 Billionen Dollar verpflichtet, rechnet er vor. In diesem Falle nähme der Liquiditätsbedarf wieder deutlich zu. Weitere Verkaufswellen an den Börsen und Rohstoffmärkten wären die voraussichtliche Folge.
Längerfristig stellt sich angesichts der verbleibenden Risiken und trotz der in die Märkte gedrückten Liquidität sowie der momentanen Disinflation die Frage, ob die Renditen an den Rentenmärkten nicht steigen müssen. Denn Anleger könnten gerade bei jenen Staaten, die sowohl in ihren Budgets als auch im Außenhandel Defizite erzielen, bei schrumpfenden Ersparnissen weltweit höhere Risikoprämien verlangen. Genau das würde die Kurse amerikanischer Staatsanleihen und des Dollars wieder in die Defensive bringen. Die fragile Finanzlage lässt sich alleine schon an der Dimension „Rettungsmaßnahmen“ ablesen.
Alternativen zum marktwirtschaftlichen System
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| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |