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Amerikanische Banken Wo die Lichter ausgehen werden

24.09.2008 ·  Welche Banken an der Wall Street könnten von dem großen Rettungsplan der amerikanischen Regierung profitieren, und welche würden den Kürzeren ziehen? Ein Überblick über den Stand der Finanzkrise.

Von David Bogoslaw
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Die Einzelheiten des von der amerikanischen Regierung geplanten 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsfonds, mit dem die Bankbilanzen von notleidenden hypothekenbesicherten Wertpapieren befreit werden sollen, um das eingefrorene Kreditsystem des Landes aufzutauen, stehen noch aus.

Zu den größten Profiteuren des Rettungsplans wird das „Schattenbanksystem“ zählen, darunter noch existierende Investmentbanken wie Merrill Lynch (die einer Übernahme durch die Bank of America zugestimmt hat) und Morgan Stanley, aber auch konservativere Geschäftsbanken mit geringeren Beständen problematischer Vermögenswerte dürften aus dem breit angelegten Programm Kapital schlagen.

Ein wichtiger Punkt, der über den Nutzen der Rettungsaktion entscheiden wird, ist der Preis, den die Regierung zu zahlen bereit ist, und der sich im Extremfall auf niedrige 22 Cent je Dollar Nennwert belaufen könnte. Diese Kennziffer geht auf den von Merrill Lynch im Juli getätigten Verkauf von Vermögenswerten im Nennwert von rund 30 Milliarden Dollar zurück, für die von der Private-Equity-Gesellschaft Lone Star lediglich 6,7 Milliarden Dollar bezahlt wurden.

Finanzunternehmen sind allerdings nicht gezwungen, ihre Bestände notleidender Vermögenswerte an das amerikanische Finanzministerium zu verkaufen, um von der Auffanglösung zu profitieren, die von vielen als „Mutter aller Rettungsaktionen“ bezeichnet wird. Sie könnten sich gegen einen Verkauf entscheiden, weil sie davon ausgehen, dass sich mit den notleidenden Aktiva ein besserer Preis erzielen lasse, sobald sich der Markt ein wenig erholt habe, sagt Gerard Cassidy, leitender Aktienanalyst bei RBC Capital Markets in Portland (Maine).

Käufer der letzten Instanz

Cassidy zufolge habe die Transaktion von Merrill Lynch und Lone Star gezeigt, dass der Abschlag auf diese Vermögenswerte aus zwei Elementen bestehe: Dem Kreditrisiko, das auf der Ausfallwahrscheinlichkeit der zugrunde liegenden Hypothekendarlehen beruhe, und dem Fungibilitätsabschlag, der aus der schlechten Marktgängigkeit als Folge des Mangels potentieller Käufer herrühre.

Indem die amerikanische Regierung nun als Käufer der letzten Instanz einspringe, führe sie dem Bankensystem Liquidität zu, wodurch sich der Wert dieser Papiere erhöhen sollte, sagt Cassidy. Daraufhin dürfte der im Preis der Vermögenswerte berücksichtigte Fungibilitätsabschlag deutlich geringer ausfallen, da die Marktteilnehmer damit rechnen würden, dass ein großer Käufer Liquidität ins Spiel bringe, wodurch weitere Käufer angelockt werden könnten, so Cassidy.

Leer ausgehen könnten dagegen Hedge-Fonds, deren Bestände an notleidenden Kreditpapieren enorm sein dürften, mutmaßt Jack Ablin, Chief Investment Officer der Harris Private Bank in Chicago. „Die nicht der Bankenaufsicht unterliegenden Hedge-Fonds sitzen in diesem Fall nicht mit am Tisch“, im Unterschied zur Bankenlobby und dem amerikanischen Fondsverband Investment Company Institute, die beide einen gewissen Einfluss auf die Gesetzgebung ausüben dürften, so Ablin. Er geht ferner davon aus, dass Hedge-Fonds von der Börsenaufsichtsbehörde SEC direkt ins Visier genommen wurden, als das Verbot von Leerverkäufen für inzwischen mehr als 800 Finanztitel verhängt wurde, das am 22. September in Kraft trat und zunächst bis 2. Oktober befristet ist.

GM als möglicher Verlierer

Zu den Verlierern könnten auch Unternehmen wie General Motors mit seiner Beteiligung an der Finanzdienstleistungsgesellschaft GMAC (der einstigen Finanztochtergesellschaft des Autobauers) zählen, die zwar im Besitz „giftiger“ Wertpapiere sein dürfte, aber wahrscheinlich aus dem Rahmen des staatlichen Rettungsprogramms falle, weil sie streng genommen kein Finanzunternehmen sei, sagt Ablin. „Eine Einbeziehung von GMAC wäre wirklich kurios“, so Ablin. „Das Unternehmen befindet sich fast vollständig im Besitz eines Private-Equity-Fonds [Cerberus Capital Management]. Würde man also [den Cerberus-Chef] John Snow retten wollen?“

Geschäftsbanken mit überwiegend unbelasteten Wertpapierbeständen dürften indirekt profitieren, da durch die Erhöhung der Marktliquidität ihre Geldbeschaffungskosten sinken würden, sagt John Jay, leitender Analyst bei der unabhängigen Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Aite Group in Boston. „Wenn ihre Refinanzierungskosten weit genug absinken, werden deren Führungskräfte verstärkt nach potenziellen Kreditnehmern Ausschau halten.“ Am Ende dürfte es zu einer Ausweitung ihrer Gewinnmargen kommen, da die Differenz zwischen den Zinsen für aufgenommenes und für ausgeliehenes Geld größer wird.

Die Aktien einiger Finanzakteure hätten sich gut geschlagen, obwohl der Markt versucht habe, sie mit der gesamten Branche über einen Kamm zu scheren, sagt Jocelyn Drake, Aktienanalystin bei Schaeffer's Investment Research in Cleveland. PNC Financial Services, Wells Fargo und Hudson City Bancorp haben um problematische Vermögenswerte einen großen Bogen gemacht. Die Aktien dieser Finanzunternehmen kletterten in der vergangenen Woche jeweils auf Ein-Jahres-Hochs - bevor Finanzminister Henry Paulson am 18. September die Pläne zur Auffanglösung bekannt gab. Nach der Ankündigung konnten die Titel ihre Kursgewinne noch weiter ausbauen.

Leichen im Keller

Die Aktienempfehlungen von Schaeffer's basieren in der Regel auf der charttechnischen Entwicklung eines Titels und auf dem Ausmaß an Pessimismus gegenüber einer Aktie. Der Marktpessimismus, der sich in Analysteneinstufungen, dem Niveau der Leerverkäufe und in bestimmten Put/Call-Ratios widerspiegelt, vermittelt einen Eindruck davon, wie viel Kapital am Rand des Spielfelds auf die richtigen Signale zum Markteinstieg wartet. „Es gibt noch immer einige Leichen, die aus den Kellern [der Finanzbranche] gezerrt werden könnten und der Branchengruppe Probleme bereiten“, sagt Dranke. Sie wettet jedoch darauf, dass die in Wartestellung befindlichen Investoren die Chance ergreifen und zuschlagen werden, wenn sich bestimmte Aktien weiterhin gegen den Trend stemmen und ihre Mitbewerber überflügeln.

Drake zufolge würden auch die Aktien einiger Bauträgergesellschaften davon profitieren, wenn Liquidität in den Häusermarkt zurückkehre und die Bestände unverkaufter Eigenheime in Bewegung kämen. Als Favoriten nennt sie Meritage Homes und Toll Brothers, die sich beide seit Jahresbeginn im Aufwärtstrend befinden. In ihren Augen sei der Rückgang der Hypothekenzinsen nach der Ankündigung der staatlichen Zwangsverwaltung von Fannie Mae and Freddie Mac vor zwei Wochen ein positives Zeichen und werde nach ihrer Einschätzung zur Förderung der Häusernachfrage beitragen.

Vertrauen ist gut, Absicherung ist besser

Drake rät Anlegern allerdings zur Absicherung dieser gegen die Marktstimmung laufenden Wetten durch den Kauf von Anteilen börsengehandelter Fonds (ETFs), die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse der entsprechenden Sektoren setzen. Um die von ihr ausgewählten Finanztitel abzusichern, greift sie auf den Financial Select Sector SPDR und den Ultra Short Financials Pro Shares zurück, während sie sich mit dem SPDR S&P Homebuilders vor sinkenden Kursen bei Hausbau-Aktien schützt.

David Bogoslaw ist Reporter für den Investing Channel der Business Week.

Quelle: Business Week Online
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