28.06.2010 · „Gewinne, indem Du nicht verlierst“, ist das Motto von Mark Donovan, der für die niederländische Robeco einen amerikanischen Fonds für Substanzwerte managt, der zu den besten der Analgeklasse zählt. Jetzt gibt es auch ein Luxemburger Pendant.
Von Martin HockHinsichtlich der Entwicklung der amerikanischen Konjunktur war die Unsicherheit selten so groß wie zur Zeit. Das zeigt sich auch immer wieder daran, wie sehr einzelne schwache Konjunkturdaten den Aktienmarkt belasten können.
Nachdem am Mittwoch vermeldet worden war, dass die Zahl der Neubauverkäufe in der größten Volkswirtschaft der Welt im Mai überraschend stark um 32,7 Prozent auf 300.000 einbrach und sich die Notenbank eher skeptisch zu den Konjunkturaussichten äußerte, gaben die Aktienkurse in den Tagen danach deutlich nach. Gleichzeitig vermögen Konjunkturhoffnungen den Kursen genauso Auftrieb verleihen.
Frustrierende Arbeitsmarktsituation
Mark Donovan, Manager des Fonds „Robeco US Large Cap Equities“ (Isin LU0474363974), der unter Substanzwertkriterien in amerikanische Standardwerte investiert, gehört eher zu denen, die der Konjunkturentwicklung gelassen entgegen sehen. Die Wachstumsprognosen seien mit mehr als 3 Prozent für die Jahre 2010 und 2011 vergleichsweise gut. Der Index der Notenbankniederlassung von Chicago, der die wirtschaftliche Aktivität und die inflationäre Entwicklung messe, liege im Gleichgewichtsbereich zwischen Rezession und Inflationsdruck. Die hohen Haushaltsdefizite dürften nach den Zwischenwahlen angegangen werden.
Sicher sei das geringe Beschäftigungswachstum frustrierend, doch der Arbeitsmarkt sei immer der letzte, der die Trendwende packe. Insgesamt sehe man eine ziemlich normale Erholung. Allein das deutlich überdurchschnittliche Wachstum der Zeitarbeitsbranche zeige, dass die Trendwende bevorstehe.
Optimistische Mikrosicht
Am stärksten sei die Uneinigkeit unter Beobachtern hinsichtlich der Gewinnentwicklung. Die Makroanalytiker (Top-Down) seien recht pessimistisch. Doch er, der einen mikroanalytischen Ansatz (Bottom-Up) verfolgt, teile diesen Pessimismus nicht. Das Quartal sei fast vorbei und außer aus dem Einzelhandel habe man keine Gewinnwarnungen gehört. Und daher seien die Aktien im Auswahlindex S&P-500-Index auf Prognosebasis seien die Unternehmen immer noch ziemlich preiswert, da die Bewertung noch unter dem langfristigen Durchschnitt seit 1926 liege.
Bislang hatten Mark Donovan und die Fondsboutique Robeco Boston Partners, die zur niederländischen Fondsgesellschaft Robeco gehört, offenbar eine recht gute Nase. Der „Robeco US Large Cap Equities“ ist zwar erst seit Jahresbeginn in Europa zugelassen, doch der „Robeco Boston Partners Large Cap Value“ gehört zu den Kernfonds der Boutique.
Verwaltet wird insgesamt ein Vermögen von 5,1 Milliarden Dollar, wovon rund vier Milliarden als institutionelle Kundengelder in separaten Mandaten verwaltet werden. Rund 650 Millionen Dollar werden in dem Fonds „John Hancock Disciplined Value“ verwaltet, für den Robeco Boston Partners seit Auflegung das Beratungsmandat. Dieser Fonds ist nach Gebühren die beste Referenz für den jungen Luxemburger Fonds.
Er ist keine schlechte. Unter den knapp 600 Fonds seiner Anlageklasse ist der „John Hancock Disciplined Value“ längerfristig (über 3, 5 und 10 Jahre) stets im ersten Fünftel zu finden. Das wird außer von diesem nur noch von sechs anderen Fonds erreicht. Auf Jahresfrist sind all diese Fonds indes zurückgefallen.
„Gewinne, indem Du nicht verlierst“
Donovans Motto ist „Gewinne, indem Du nicht verlierst“, dem Kapitalerhalt, der Diversifizierung und einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung in Zeiten fallender Kurse misst er mehr Bedeutung bei als dem opportunistischen Ausnutzen der Chancen in Zeiten steigender Kurse, in denen Schritthalten das Ziel ist.
Drei Auswahlkriterien nennt er: Attraktive Bewertung, starke Geschäftsdaten und einen Katalysator für (positive) Veränderungen. Diese drei Kriterien müssen erfüllt sein, ändert sich die Einschätzung für eines davon, trennt er sich von der Aktie. So gehört die Microsoft-Aktie derzeit zu den größten Werten im Portfolio. Historisch sei diese immer zu teuer gewesen und so habe er geglaubt, dass er sie niemals kaufen werde. Doch derzeit sei sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 12 für 2010 preiswert, und biete eine Cash-Flow-Rendite von mehr als 8 Prozent. Die hohen Liquiditätsbestände ließen auf steigende Dividenden, möglicherweise auch auf eine Sonderausschüttung hoffen. Auch ein Kursziel hat Donovan schon: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 auf Basis des Jahres 2011 unter Berücksichtigung der Nettoliquidität.
Erhältlich ist von den sieben längerfristig besten in große amerikanische Standardwerte investierenden Fonds neben dem Robeco-Fonds nur noch der MFS Value Fund über ein europäisches Pendant mit der Isin LU0125979160. Dies ist allerdings ein in Dollar denominierter Fonds, bei dem der Anleger das Währungsrisiko unmittelbar trägt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |