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Amerikanische Aktien Starke Signale nach unten

05.09.2008 ·  Trotz erster Anzeichen einer Verbesserung auf dem amerikanischen Aktienmarkt deuten langfristige Indikatoren nach wie vor darauf hin, dass die Baisse noch nicht überstanden ist. Eine charttechnische Analyse der Lage an der Wall Street.

Von Mark Arbeter
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In der vergangenen Woche prallten die maßgeblichen Aktienmarktindizes an einer kleineren Chartunterstützung ab und hielten sich daraufhin deutlich oberhalb der Mitte Juli markierten Kurstiefs, die nach unserer Einschätzung jedoch noch ausgelotet werden. Die Rally erfolgte bei sehr geringem Handelsvolumen, ein in unseren Augen schlechtes Zeichen.

In den zurückliegenden Wochen konnten wir eine Menge Negatives hinsichtlich Stimmungsindikatoren, internen Marktdaten und unvollständigen Umkehrformationen beobachten. Da langfristige Indikatoren einige Zeit benötigen, um bei einem ausgeprägten Marktboden eine Umkehr zu vollziehen und sie bis weit nach dem letzten Tief für gewöhnlich keine bullischen Signale aussenden, hielten wir es für angebracht, uns zurückzulehnen, die letzten Sommertage zu genießen, unsere Ferngläser zu zücken und zu schauen, was uns diese äußerst bedeutsamen längerfristigen technischen Indikatoren mitzuteilen haben.

Die Baisse ist noch nicht überstanden

Die Langfristindikatoren deuten trotz erster Anzeichen einer Verbesserung nach wie vor darauf hin, dass die Baisse noch nicht überstanden ist. Zu unserem favorisierten längerfristigen (und in der Anwendung sehr einfachen) Indikator zählt das System der Kreuzungen in den Verläufen der exponentiell gleitenden 17- und 43-Wochen-Durchschnitte in Verbindung mit dem 43-Wochen-RSI (Relative-Stärke-Index). Dieses Indikatorsystem hält den Anleger während des Hauptzeitraums einer Hausse (Baisse) tendenziell im (oder, je nach Situation, auch aus dem) Aktienmarkt. Das System generiert jedoch keine Signale zum Ausstieg am Kursgipfel und zum Einstieg im Kurstal - dies ist nicht die Funktion eines längerfristigen Indikators.

Bärische Signale oder mittel- bis langfristige Verkaufssignale werden erzeugt, wenn der 17-Wochen-Durchschnitt den 43-Wochen-Durchschnitt von oben nach unten kreuzt und der 43-Wochen-RSI die Fünfziger-Marke unterschreitet. In der ersten Januarwoche des laufenden Jahres fiel der 43-Wochen-RSI unter die Marke von 50, was darauf hindeutete, dass der S&P-500 in eine größere Korrektur oder Baisse übergegangen war. In der darauf folgenden Woche kreuzte der 17-Wochen-Durchschnitt sein 43-Wochen-Pendant von oben nach unten, bestätigte damit die Schwäche des wöchentlichen Momentums und wies auf eine mögliche weitere Abschwächung an den Aktienmärkten hin.

Die Konstellation deutet auf eine neue Abwärtsbewegung

Nach diesen Verkaufssignalen Anfang Januar sprang der 43-Wochen-RSI im Mai wieder über die Fünfziger-Marke, der 17-Wochen-Durchschnitt konnte den 43-Wochen-Durchschnitt jedoch nicht mehr kreuzen. Die gegenwärtige Konstellation dieses Indikatorsystems ist deutlich bärisch: Der 43-Wochen-RSI befindet sich im Bereich um 45, während der 17-Wochen-Durchschnitt mittlerweile weit unterhalb des 43-Wochen-Durchschnitts verläuft. Der Abstand zwischen den beiden Durchschnittswerten betrug Anfang August 3,6 Prozent, was in etwa dem Ende März erreichten Wert entspricht und nahelegt, dass die Kurse zu stark gesunken sein könnten und dass diese überkaufte Situation in eine Gegenbewegung ähnlich der jüngst beobachteten münden könnte. Die beiden Durchschnittswerte bewegen sich jedoch weiterhin in abwärts gerichteter Tendenz. Der 17-Wochen-Durchschnitt flacht bei Erreichen des Bodens oftmals ab, bevor er zum Anstieg ansetzt, den 43-Wochen- Durchschnitt von unten nach oben kreuzt und damit ein erstes Signal eines potenziell bullischen Kreuzungspunkts generiert.

Vor dem Verkaufssignal im Januar wurde das letzte Kaufsignal dieses Indikatorsystems von Anfang bis Mitte Juni 2003 erzeugt. In jenem Jahr überwand der 43-Wochen-RSI die 50er-Marke in der ersten Juniwoche, während der 17-Wochen-Durchschnitt den 43-Wochen-Durchschnitt in der zweiten Juniwoche von unten nach oben kreuzte. Das davor zuletzt ausgelöste Verkaufssignal stammt aus dem November 2000, als der S&P-500 in eine stark ausgeprägte Baisse drehte.

Langfrist-Indikatoren geben Warnsignale

Ein weiterer Indikator für den Aktienmarkt mit einem noch längeren Zeithorizont ist das System der Kreuzungen in den Verläufen der exponentiell gleitenden 10- und 20-Monats-Durchschnitte in Verbindung mit dem 13-Monats-RSI. Dieses System ist noch träger als das bereits besprochene, hat die Anleger jedoch über den Hauptzeitraum der Hausse (Baisse) erfolgreich im (aus dem) Markt gehalten. Ein erstes Warnsignal erhalten wir mit diesem System, wenn der S&P-500 am Monatsende unterhalb des 20-Monats-Durchschnitts schließt. Dies ereignete sich Ende Januar, weit vor dem Ende Mai eingetretenen bärischen Kreuzungspunkt. Die Bestätigung der sich hier abzeichnenden Probleme erfolgte, als der 13-Monats-RSI Ende Januar unter die Marke von 50 sank und dessen Verlauf weiterhin abwärts gerichtet ist. Die 10- und 20-Monats-Durchschnitte tendieren ebenfalls nach unten und deuten damit an, dass die Ausbildung eines langfristigen Kaufsignals noch Monate dauern könnte.

Wir können zusätzlich den Monats-MACD hinzuziehen, der das gleiche Ergebnis liefert. Dieser sehr langfristige Indikator generierte Ende 2007 ein Verkaufssignal und fiel erst vor kurzem unter die Nulllinie, womit er das bärische langfristige Momentum bestätigte.

Extreme Niveaus von Angst und Pessimismus

Wie bei jeder Investmenttechnik, so sind auch hier nicht alle Indikatoren nur in eine Richtung interpretierbar. Im Verlauf der Baisse sanken einige Marktstimmungsindikatoren auf extreme Niveaus von Angst und Pessimismus, ein in unseren Augen letztlich positives Zeichen. Nach unserer Überzeugung sind Emotionen wie Panik, Verzweiflung und Depression unter Anlegern die Grundvoraussetzung für eine langfristige Bodenbildung des Marktes im Anschluss an eine Baisse oder größere Korrektur.

Entsprechende Ausprägungen dieser Emotionen konnten wir in einigen der von uns beobachteten Stimmungs- und Konsumklimaindikatoren feststellen. Die von Investor's Intelligence durchgeführte Umfrage zeigte Mitte Juli den größten Anteil an Pessimisten seit der zweiten Jahreshälfte 1994 (eine sehr gute Zeit, um sein Geld anzulegen). Im März ermittelte die Consensus-Umfrage die höchste Pessimistenquote seit 2002, während die Umfrage von Market Vane den größten Bärenanteil seit Anfang 2003 ergab. Die auf alle Optionen bezogenen Put/Call-Ratios an der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) verfehlten im März nur knapp ihre Allzeithochs, derweil die rein auf Aktienoptionen bezogenen Put/Call-Ratios an der CBOE im März und April dieses Jahres auf neue Rekordmarken kletterten.

Ein weiteres, potenziell positives längerfristiges Signal ist die Entwicklung der wöchentlichen Momentum-Indikatoren. Der 14-Wochen-RSI hat nach seinem Vorstoß in überverkauftes Terrain im Januar eine bullische Divergenz ausgebildet. Dieser Indikator hat zwar bereits höhere Tiefs verzeichnet, bislang jedoch noch nicht die Reihe höherer Hochs durchbrochen. Der Wochen-MACD hat ebenfalls eine bullische Divergenz gebildet - zum ersten Mal seit Ende 2002/Anfang 2003.

Es gibt zwar Anzeichen einer möglichen Bodenbildung des Marktes, nach unserer Einschätzung legt eine überwältigende Fülle technischer Signale jedoch den Schluss nahe, dass sich der Markt noch nicht von den Fesseln der Baisse befreit hat.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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