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Amerikanische Aktien Neue Jahreszeit, alte Sorgen

03.09.2008 ·  Der Sommer war eine harte Jahreszeit für Anleger an der Wall Street. Der Dow Jones verzeichnete einen kräftigen Rückgang. Nun stellen sich die Akteure an der amerikanischen Börse die Frage, wie sich die Märkte in den so wichtigen Herbstmonaten entwickeln werden.

Von Ben Steverman
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In dieser Woche weht an der Wall Street ein anderer Wind, was allerdings nicht nur auf den Wechsel der Jahreszeiten zurückzuführen ist.

Den ganzen Sommer über sorgten Ölpreisschwankungen und Negativmeldungen aus dem Finanzsektor für heftige Kursausschläge. In dieser Jahreszeit sind viele Investoren und Händler im Urlaub, weshalb das Handelsvolumen traditionell dünn ausfällt. Die maßgeblichen Indizes befinden sich aktuell mehr oder weniger auf den Niveaus, die sie bereits im frühen Sommer Ende Juni markiert hatten.

Nach dem „Labor Day“ ist der volumenarme Börsensommer in den Vereinigten Staaten offiziell beendet. Anleger und Händler kehren in die Märkte zurück, während Portfoliomanager ihre Wetten für den Rest des Jahres abschließen. „Investoren und Händler zeigen gesteigertes Interesse“, sagt Brian Gendreau, Investmentstratege bei ING Investment Management. An der Wall Street „erhöht sich der Puls und die Marktteilnehmer beginnen mit dem Abklopfen ihrer Investmentstrategien.“

Business Week befragte professionelle Investoren, welche Trends den Aktienmarkt im diesjährigen Herbst beeinflussen könnten. Nachfolgend sind fünf Faktoren aufgeführt, die Aktienanleger in den kommenden Wochen im Auge behalten sollten.

1. Ölpreis
Als der Ölpreis zu Beginn des Sommers auf Rekordniveaus vorstieß, traf es Aktien besonders hart. Hohe Energiekosten belasteten die Verbraucherausgaben und schmälerten die Gewinnmargen der Unternehmen. Mit dem Rückgang der Ölpreise von ihren im Juli erreichten Höchstständen hat sich auch bei Aktien eine leichte Erholung eingestellt. Seit dem Allzeithoch bei 147,27 Dollar am 11. Juli ist der Barrelpreis mittlerweile um mehr als 25 Prozent gefallen.

„Der Trend [der Ölpreisentwicklung] scheint derzeit abwärts gerichtet zu sein“, sagt John Wilson, technischer Chefstratege bei Morgan Keegan. Die Bedrohung durch Wirbelstürme könnte einen neuerlichen Ölpreisanstieg auslösen, eine Rally dürfte nach Ansicht von Wilson indes nur vorübergehend sein.

Die Wirbelsturmsaison geht in den Vereinigten Staaten allerdings erst Ende November offiziell zu Ende. Aktienanleger sind sich sehr wohl bewusst, dass ein verheerender Sturm die Ölförderung jederzeit unterbrechen könnte, woraufhin die Rohölpreise und anschließend die Preise an den Zapfsäulen erneut in die Höhe schießen würden. „Wir halten den Atem an“, sagt Richard Sparks von Schaeffer's Investment Research.

2. Kreditmärkte
Für die Kreditmärkte sind Januar und September entscheidende Monate, sagt Brian Reynolds, leitender Marktstratege bei der WJB Capital Group. Nach dem Ende der Winter- bzw. Sommerurlaubssaison werden im Januar und September zahlreiche Neuemissionen von Unternehmensanleihen durchgeführt.
Reynolds zufolge waren die Unternehmensanleihe-Emissionen in diesem Januar aufgrund der Finanzmarktturbulenzen „eine Katastrophe“, in der sich bereits die schwierige Situation des Aktienmarktes in den ersten Monaten des laufenden Jahres angekündigt habe.

Acht Monate später stellt sich die Frage, ob sich Investoren an den Kreditmärkten zum Kauf neuer Anleihen durchringen werden. „Es könnte [in diesem Herbst] zu einem Aktienkursanstieg kommen, der jedoch nur von kurzer Dauer sein wird, solange die Investoren keine Unternehmensanleihen kaufen“, so Reynolds.
Kreditmarktteilnehmer waren in diesem Börsensommer pessimistischer eingestellt als Anleger an den Aktienmärkten.

Nach dem Ende des Sommers dürften Investoren entweder der Meinung sein, dass Anleihen nun zu Schnäppchenpreisen zu haben sind oder aber zu dem Schluss gelangen, dass das Umfeld nach wie vor zu viele Risiken birgt, um sich in großem Stil in Anleihen zu engagieren.

3. Finanzbranche und Häusermarkt

Die krisengeschüttelten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hatten in diesem Sommer einen Stammplatz in den Schlagzeilen, und noch immer sorgen sich Investoren über die Möglichkeit weiterer Bankpleiten. Stellen Sie sich darauf ein, dass der Finanzsektor auch im Herbst im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen wird.

Die Probleme des Finanzsektors lasten natürlich schwer auf dem Aktienmarkt. Gendreau hält eine „nachhaltige Rally“ bei Aktien ohne eine vorherige Erholung bei den gebeutelten Finanzaktien für schwer vorstellbar, die ihrerseits jedoch ohne erste Anzeichen einer Stabilisierung des Häusermarktes schwierig werden dürfte. Die Eigenheimpreise haben eine direkte Auswirkung auf den Wert hypothekarisch gesicherter Wertpapiere, die im zurückliegenden Jahr für die gewaltigen Verluste der Finanzunternehmen verantwortlich waren.

Der am 26. August veröffentlichte S&P/Case-Shiller-Index, der die Häuserpreisentwicklung für die 20 größten amerikanischen Städte abbildet, ging im Vorjahresvergleich um 15,9 Prozent zurück. Gegenüber dem Vormonat zeigte sich jedoch eine Verlangsamung des Rückgangs. „Wir erhalten allmählich ein gemischtes Bild, was in meinen Augen darauf hindeutet, dass der Häusermarkt einen Boden finden könnte“, so Gendreau.

Die künftigen Häusermarktdaten werden zeigen, ob die Probleme auf dem Häusermarkt abzuebben beginnen oder nicht.

4. Wirtschaftsausblick

Wall-Street-Experten sprechen gerne vom vorausschauenden Aktienmarkt, der die Unternehmensgewinne und die wirtschaftlichen Bedingungen in den kommenden sechs Monaten vorwegzunehmen versucht.
Das Ende des Sommers wird von Investoren als willkommener Anlass genutzt, um ihre Glaskugeln hervorzuholen und einen Blick in das kommende Jahr zu wagen. Im September „konzentriert man sich verstärkt auf das nächste Kalenderjahr“, sagt Georges Yared von Yared Investment Research. Er geht davon aus, dass es in Erwartung eines kräftigen Anstiegs der Unternehmensgewinne 2009 zu einer Aktienmarktrally kommen könnte.

Ein entscheidender Indikator für das Umfeld im kommenden Jahr wird der am 5. September veröffentlichte amerikanische Arbeitsmarktbericht für August sein. Volkswirte rechnen damit, dass die in den vergangenen Monaten gestiegene Arbeitslosigkeit bei 5,7 Prozent verharren wird.

Für den Fall eines weiteren starken Anstiegs der Arbeitslosenquote könnte der schwierige Arbeitsmarkt beträchtliche Auswirkungen auf die amerikanischen Verbraucherausgaben haben, sagt Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Avalon Partners. Wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt dagegen nicht merklich verschlechtert, könnte der Markt den Bericht als Zeichen interpretieren, dass die Wirtschaft Anfang 2009 für eine Trendumkehr gerüstet ist. Dies sei das bestmögliche Szenario, so Cardillo: „Die Wirtschaft hangelt sich bis zum Eintreten einer Erholung durch.“

5. Volatilität

Zwar ist auf den Aktienmärkten bereits seit Ausbruch der Kreditkrise Mitte 2007 eine hohe Volatilität zu beobachten, im Sommer 2008 zeigten sich die Märkte jedoch besonders schwankungsfreudig. Die maßgeblichen Indizes reagierten auf jede Meldung mit Ausschlägen nach oben oder unten, wobei sich starke Rallys und kräftige Rückgänge abwechselnd die Klinke in die Hand gaben.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern gebe es keinen Grund anzunehmen, dass diese Volatilität nun enden wird, nur weil der Sommer vorbei ist. Sparks von Schaeffer's beobachtet, dass „mit großer Anspannung auf den nächsten Schlag gewartet wird“. Zu den täglichen Belastungsfaktoren des Marktes zählen der Ölpreis, die Kreditbedingungen und selbst die amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Yared ist der Überzeugung, dass Hedge-Fonds ihren Teil zu dieser Volatilität beitragen. Viele Hedge-Fonds hatten im bisherigen Jahresverlauf wenig Grund zum Jubeln, „weshalb sie nun Performance aufholen müssen“ und jede Meldung nutzen würden, um auf den fahrenden Zug nach oben oder unten aufzuspringen, so Yared.

Einige Investoren richten ihre Augen auf die im November anstehenden Präsidentschaftswahlen und wetten darauf, dass deren Ausgang große Auswirkungen auf Sektoren wie Gesundheitswesen, Energie und Rüstung haben wird. Andere Investoren, darunter James King, Vorsitzender und Chief Investment Officer von National Penn Investors Trust Co., argumentieren dagegen, dass die Wahlen nur geringe langfristige Wirkungen haben werden. King räumt jedoch ein, dass die Wahlen die Marktstimmung beeinflussten, indem sie „zu der gegenwärtig beobachteten Marktvolatilität beitragen“.

Die Herausforderung für Investoren besteht darin, über die tägliche und sogar monatliche Volatilität der Märkte hinaus zu schauen und zu entscheiden, wohin sich die Aktien auf längere Sicht bewegen.

Ben Steverman ist Redakteur bei Business Week.

Quelle: Business Week Online
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