Aktienfonds, die in Schwellenländer in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika investieren, verzeichneten in der Woche zum 23. März den größten Mittelabfluß seit mehr als zehn Monaten. Investoren zogen per Saldo 350 Millionen Dollar ab, berichtet der Fondsbeobachter EmergingPortfolio.com. Seit Jahrebeginn haben die Anleger jedoch per Saldo 2,5 Milliarden Dollar in diese Fonds gesteckt, verglichen mit einem Nettozufluß von 2,2 Milliarden Dollar im gesamten letzten Jahr.
In Amerika sind „die Zinsen nach oben gegangen. Die Anleger denken darüber nach, ihr Risiko zu verringern. Dazu gehört auch, Geld aus den Emerging Markets abzuziehen,“ erläutert Tim McCarthy Fondsmanager bei Troika Dialog Asset Management in Moskau die jüngste Entwicklung. Die Notenbank Fed hat vergangene Woche den Leitzins auf 2,75 Prozent angehoben. Es war die siebte Zinserhöhung seit Juni vergangenen Jahres. Des weiteren zeigten sich die amerikanischen Währungshüter besorgt, daß der Inflationsdruck zunehme. Angesichts höherer Zinsen sinkt die Attraktivität der potentiellen Gewinne aus den risikoreicheren Wertpapieren der Schwellenländer.
Kurseinbrüche in Osteuropa und der Türkei
Insgesamt verzeichneten die Emerging-Market-Fonds, darunter auch Fonds, die in Lateinamerika und Asien investierten, einen Nettoabfluß von 762 Millionen Dollar. Das der höchste seit der Woche zum 19. Mai 2004, berichtet EmergingPortfolio.com. Seit Jahresbeginn haben Emerging-Markets-Fonds gleichwohl über sechs Milliarden Dollar an neuem Anlagekapital erhalten und steuern auf einen Rekord zu. Die Aktienindizes der Türkei, von Tschechien, Ungarn und Polen sind in vergangenen zwei Wochen mehr als zehn Prozent eingebrochen (CeCe-Index mit schärfster Korrektur seit Einbruch im April 2004). Damit rangieren die vier Leitindizes unter den fünf Schlußlichtern der 60 von Bloomberg beobachteten Aktienbenchmarks.
Indes rechnen Mark Mobius, der bei Templeton Asset Management 17 Milliarden Dollar in Emerging-Market-Investments verwaltet, und andere Investoren damit, daß sich die Aktienkurse der Schwellenländerbörsen wieder erholen. „Wir werden wahrscheinlich eine Kurserholung erleben, weil die Bewertungen immer noch sehr attraktiv sind,“ erklärte Mobius in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. „Es handelt sich um eine natürliche und erwartete Korrektur, die uns nicht zu viel Kopfzerbrechen bereiten sollte.“
Wieder Boden gutgemacht
Am Donnerstag und Freitag haben die Aktien der Schwellenländer Boden gut machen können. Der EM Eastern Europe Index von Morgan Stanley International Capital, der 45 Aktien aus Osteuropa enthält, zog 0,7 Prozent auf 155,98 Zähler an. Turkcell Iletisim Hizmetleri AS kletterten 4,8 Prozent auf 9,75 Lire. Der skandinavische Telekomkonzern TeliaSonera AB erklärte, er habe eine vorläufige Vereinbarung abgeschlossen, weitere 27 Prozent an dem türkischen Mobilfunkanbieter für 3,1 Milliarden Dollar von der Cukurova Holding zu kaufen. OAO Surgutnetegaz legten 1,7 Prozent auf 20,96 Rubel zu. Rußlands viertgrößter Ölproduzent hat die Dividende auf seine Stammaktien fast verdreifacht.