Home
http://www.faz.net/-gvf-olpr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerika Insider haben 2003 deutlich mehr Aktien verkauft als gekauft

05.01.2004 ·  Manager amerikanischer Unternehmen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Aktien verkauft als gekauft. Sie scheinen vor allem den Technologiewerten nicht mehr viel Spielraum nach oben zu geben.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte von amerikanischen Unternehmen haben im vergangenen Jahr so wenig Aktien der Unternehmen, für die sie arbeiten, erworben wie seit acht Jahren nicht mehr. Ihre Aktienkäufe gingen 29 Prozent auf 1,87 Milliarden Dollar zurück, berichtet der Washington Service, der Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht verfolgt.

Dagegen stiegen die Aktienverkäufe von Insidern angesichts steigender Aktienkurse 34 Prozent auf 42,6 Milliarden Dollar. Zu den größten Verkäufern zählten Bill Gates, Chairman des Software- Riesen Microsoft , und Michael Dell, Vorstandschef des Computerherstellers Dell.

Manager halten Aktien für „satt bewertet“

Die Insider dürften zu dem Schluß gekommen sein, daß die Aktienkurse, die nach drei Jahren der Talfahrt im Jahr 2003 kräftig gestiegen sind, nur noch wenig Spielraum nach oben haben, erläutert Joseph Quinlan, leitender Marktstratege bei Banc of America Capital Management. Der amerikanische Benchmarkindex Standard & Poor's 500 hat im letzten Jahr 26 Prozent zugelegt, während die Unternehmensgewinne um etwa 17 Prozent gestiegen sind.

"Sie verkaufen jetzt, weil sie die Aktien für deutlich überbewertet halten", erklärt David Coleman, Herausgeber des Vickers Report. Der Standard & Poor's 500 Index weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 auf. Das ist zwar weniger als die Hälfte des bisherigen Spitzenwerts von 63 im März 2002, aber immer noch mehr als das durchschnittliche KGV von 20 in der ersten Hälfte der 90er Jahre, bevor der Boom bei Internet- und Computeraktien einsetzte. Für nächstes Jahr erwarten von Thomson Financial befragte Analysten, daß sich das Gewinnwachstum der Unternehmen auf 13 Prozent abschwächt.

Milliardär Slim erwirbt SBC-Aktien

Die Insiderkäufe wurden von dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim angeführt. Der Aufsichtsratschef von Telefonos de Mexico kaufte fünf Millionen Aktien der zweitgrößten lokalen amerikanischen Telefongesellschaft SBC für 111,3 Millionen Dollar. Der Aktienkurs von SBC, der seit einem Höchststand von fast 60 Dollar im Jahr 1999 mehr als die Hälfte fiel, hat seit dem Kauf von Slim 17 Prozent zugelegt. Im September hatte Slim gegenüber Bloomberg Magazine erklärt, daß Telekom-Titel eine ideale Investmentmöglichkeit darstellten, weil zahlreiche Anleger einen Bogen um die Branche gemacht und die Kurse in den Keller getrieben hatten.

Microsoft-Aufsichtsratschef Bill Gates hat 64 Millionen Aktien für 1,67 Milliarden Dollar abgestoßen. Gates verkauft im Rahmen eines Programms von Zeit zu Zeit Microsoft-Aktien, um seine Investments zu diversifizieren und Geld zu spenden, erklärt Sprecher Kent Hollenbeck. Steve Ballmer, Vorstandschef bei dem weltgrößten Softwarehersteller, veräußerte 59,6 Millionen Aktien für 1,44 Milliarden Dollar. Ballmer begründete den Verkauf mit einer "Diversifizierung" und betonte, er stehe hinter Microsoft.

Dell- und Microsoftaktien werden verkauft

Michael Dell hat nach Informationen des Washington Service 53,1 Millionen Aktien für 1,65 Milliarden Dollar verkauft. Der Top-Manager will mit dem Verkauf seine Investments diversifizieren und "bleibt der größte Aktionär des Unternehmens", sagte Dell- Sprecher Michael Maher. Dell hält nach Angaben des Washington Service rund 266 Millionen Aktien, das entspricht rund zehn Prozent des Stammkapitals. Ted Turner, der ehemalige Vize-Chairman von Time Warner , stieß 77,2 Millionen Aktien für 977,8 Millionen Dollar ab. Der Verkauf wurde mit einer Diversifizierung des Vermögens begründet.

Für Investoren sind die Aktienkäufe von Vorständen und Aufsichtsräten ein besserer Indikator für die Kursaussichten einer Aktie als die Verkäufe. Insider können ihr Geld auf vielfältige Weise investieren, und wenn sie Aktien kaufen, gilt dies als ein Zeichen von Vertrauen in das Unternehmen. Für Verkäufe können Insider dagegen eine ganze Reihe von Gründen haben - sie wollen vielleicht ein Haus kaufen, ihre Investments diversifizieren oder sie nehmen an, dass der Aktienkurs seinen Höhepunkt erreicht hat.

Wert der Aktienverkäufe liegt deutlich über den Käufen

Der Wert der Aktienverkäufe lag in den vergangenen acht Monaten mindestens 20mal so hoch wie der Wert der Käufe. Dies gab es zuvor sechzehnmal. In elf Fällen davon fielen die Kurse in den folgenden sechs Monaten, beschreibt Lon Gerber, Leiter Insider- Analyse bei Thomson Financial.

Die Verkäufe haben erstmals seit dem Jahr 2000 wieder zugelegt. Damals trieben Internet- und Computeraktien den Nasdaq Composite Index auf ein Rekordhoch bei 5132,52 Punkten und die Insiderverkäufe markierten mit 80,1 Milliarden Dollar ihren bisherigen Höchststand. Seit Juni stiegen die Verkäufe wieder. In den vergangenen acht Wochen lag die Zahl der Verkäufe von Insidern 7,1mal so hoch wie die Zahl der Käufe, zeigt der Argus Vickers Weekly Insider Report. Im Schnitt liegt das Verhältnis zwischen 2:1 und 2,5:1. Im vergangenen Jahr stieg das Verhältnis erstmals über den Wert von 7:1.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%