23.06.2009 · Von der Erholung profitieren zwar die Vermögensverwalter, die seit der Marktschmelze die beste Performance erzielen konnten, aber den aktiv geführten Fonds rücken die ETFs zu Leibe.
Von David BogoslawAlle aktiv geführten offenen Aktienfonds haben in den letzten drei Monaten in hohem Maße von der Erholung der Aktienmärkte profitiert. Die Fondszuflüsse haben massiv zugenommen, und die Aktienkurse der Investmentgesellschaften sind seit dem 9. März in etwa auf das Doppelte gestiegen. In den letzten zwei Wochen ist die Begeisterung der Märkte über die Aktien jedoch wieder etwas abgeflaut angesichts der doch zu erwartenden hohen Hürden, die die Wirtschaft der Vereinigten Staaten bis zu ihrer Gesundung wohl noch überwinden muss.
Wenn auch im Juni (im Vergleich zu den beiden Vormonaten) ein deutlicher Zuwachs an Kapitalzuflüssen in offene Aktienfonds zu beobachten war - so ist das für die Aktien doch ein eher „bärisches“ Zeichen, meint Trim Tabs Investment Research im kalifonischen Sausalito. Und zwar nicht nur, weil inzwischen weniger Geld auf der Reservebank geparkt wird, sondern auch, weil Anleger in offene Fonds meistens erst in der letzten Phase der Erholung verstärkt zu investieren beginnen, erklärt Conrad Gann, Geschäftsführer von Trim Tabs.
Daniel Fannon, Analyst bei Jefferies (JEF) in San Francisco, geht jedoch davon aus, dass alle Manager offener Fonds vom neuen positiven Trend am Aktienmarkt profitieren. Wie die Mai-Daten der Nettozuflüsse in offene Fonds belegen, interessieren sich die Anleger zwar dank der anhaltenden Kurserholung seit Anfang März wieder verstärkt für Wertpapiere, unternehmen dabei jedoch keine großen Anstrengungen, zwischen guten und schlechten Asset Managern zu unterscheiden, bemerkt Fannon.
Das wird in den nächsten sechs Monaten aber „nicht so weitergehen, selbst wenn die Aktien-Märkte eine Flaute erleben“, sagt er. „Die Leute werden sich genauer überlegen, wo sie ihr Geld investieren. Sie werden wieder ein größeres Augenmerk auf die relative Performance und die Ein-, Drei- und Fünf-Jahres-Zahlen legen.“
Die Umsatzrenditen des zweiten Quartals
Nach Ansicht Fannons werden einige Vermögensverwalter, die seit Jahresbeginn überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften konnten, ab dem Zeitpunkt Marktanteile hinzugewinnen können, an dem die Anleger beginnen, eine bessere Performance zu honorieren. Unter den voraussichtlichen Gewinnern der Markterholung scheint ihm Invesco besonders attraktiv - aufgrund seiner außerordentlich positiven relativen Wertentwicklung in 2008 und sogar im ersten Quartal 2009. Waddell & Reed sollten ebenfalls in der Lage sein, neues Kapital für sich zu gewinnen, wenn man bedenkt, welche herausragenden Renditen ihre Fonds Ivy Asset Strategy Fund und Ivy Global Natural Resources Fund in diesem Jahr bereits erzielen konnten. Janus Capital hat ein breiteres Spektrum an Fonds mit einer guten Performance in diesem Jahr, und auch einige Fonds von T. Rowe Price können auf beeindruckende Renditen verweisen, fügt er hinzu.
Doch es gibt noch einen anderen Weg, attraktive von weniger attraktiven Aktien zu unterscheiden, meint D.J. Neiman, Analyst bei William Blair in Chicago: Durch einen Vergleich der Umsatzrenditen der Erträge des zweiten Quartals. „Die Unternehmen haben ihre Belegschaften um 10 bis 12 Prozent reduziert, um ihr Ausgabenvolumen an die Realität des Marktes und an die Ertragssituation anzupassen“, sagt er. „Wir werden sehen, wie schnell die Umsatzrenditen zurückschnellen können, seit sie sich in diesem Jahr aus ihrem Tief befreien konnten“, sagt er.
In den nächsten zehn Jahren wird das Wachstum im Bereich offene Fonds und bei einzelnen börsennotierten Unternehmen vornehmlich von Anlegern kommen, die ihren Hauptwohnsitz nicht in den Vereinigten Staaten haben, prognostiziert Neiman. Davon sollten Invesco, Franklin Resources und Blackrock profitieren, weil ein größerer Teil ihres Kapitals von nicht-amerikanischen Anlegern stammt.
Die meisten Gewinne von verwalteten Vermögen, die auf eine Aufwertung am Aktienmarkt zurückzuführen waren, werden im zweiten Quartal wahrscheinlich direkt auf die Reingewinne der Vermögensverwalter fallen, schrieb Analyst Kenneth Worthington in einem JP Morgan Chase Prognosebericht für das zweite Halbjahr 2009 vom Juni dieses Jahres.
Invescos Geldmarktfonds hat zugelegt
Invesco ist für Worthington in den nächsten sechs Monaten der klare Favorit der Gruppe. Diese Wertschätzung verdankt die Investmentgesellschaft dem Aufwärtstrend der Aktien und dem starken Wertzuwachs beim Kanadischen Dollar und dem Britischen Pfund. Da sich die ausländischen Märkte schneller erholen als Amerika, sollte Invescos größeres internationales Engagement als Plus zu Buche schlagen, selbst wenn man einmal von den Währungseffekten absieht, sagt Worthington. Seiner Ansicht nach wird Invescos Management nun intensiv nach neuen Wegen suchen, seine Gewinne am aktuellen Markt zu erhöhen. Damit wird das Unternehmen nach seinen Prognosen selbst bei einem flauen Markt ein stärkeres Ertragswachstum erzielen können, als es die Konkurrenz für sich verbuchen kann, und sein Kurs-Gewinn-Verhältnis um ein Vielfaches hochtreiben.
Invescos Fähigkeit, für seine Geldmarktfonds inmitten einer zunehmend schwächelnden Geldmarktbranche Marktanteile gewinnen zu können, macht das Unternehmen umso attraktiver, meint Credit-Suisse-Analyst Craig Siegenthaler. In einem Forschungspapier vom 10. Juni verweist er für den Monat Mai auf 5,4 Milliarden Dollar Nettozuflüsse in Invescos Geldmarktfonds.
Die Aussicht auf einen schwächeren Dollar lässt Franklin Resources zu einem heißen Tipp werden, denn es gehört zu den Unternehmen, deren Fremdkapital sich am stärksten aus Dollars speist, meint Credit Suisse. Zwar gehen 24 Prozent seiner Assets under Management auf Kunden aus nicht-amerikanischen Ländern zurück, aber Franklins Umsatzrendite basiert nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent auf dem Dollar.
Janus verdankt seine geschätzte 23-prozentige kapitalgewichtete Rendite im zweiten Quartal des Jahres zum Großteil seinen Fonds mit Auslandsvermögen - wie etwa dem Orion Fund und dem Contrarian Fund, sagt Credit Suisse. Waddell & Reeds Renditen im zweiten Quartal profitierten dagegen klar vom firmeneigenen Global Natural Resources Fund, der seit dem 1. April stolze 42 Prozent erwirtschaften konnte.
ETFs: Geringere Kosten und steuerliche Vorteile
Eaton Vance erhält von Credit Suisse die Bewertung „Outperform“ - zum Teil auch deshalb, weil seine steuerbegünstigten Strategien in so hohem Maße zur seiner 8,8-prozentigen kapitalgewichteten Rendite seit dem 30. April beigetragen haben.
Zwar hat die aktuelle Erholung ein gewisses Vertrauen in die aktiv geführten offenen Fonds wiederherstellen können - und dennoch haben die mit dieser Anlageform betrauten Asset Manager noch einen steinigen Weg vor sich. Der Grund liegt auf der Hand: Die Privatanleger erkennen in zunehmendem Maße, wie hohe Gebühren sie eigentlich an die Manager offener Fonds bezahlen, und wenden sich deshalb mehr und mehr den Exchange-traded Funds zu, die mit viel geringeren Vermittlungskosten belegt sind und bei der Gewinnausschüttung zudem noch steuerliche Vorteile mit sich bringen.
Das amerikanische Finanzunternehmen Blackrock, das (wie am 16. Juni bekannt gegeben wurde) für 13,5 Milliarden Dollar die Vermögensverwaltung BGI der britischen Barclays-Bank erworben hat, wird nun die weltgrößte Investmentbank. Diese Entwicklung könnte die Aufnahme von ETFs in die Portfolien anderer Asset Manager beschleunigen, die vermeiden wollen, dass sie gegenüber Blackrock an Boden verlieren. ETFs haben sich in den letzten zehn Jahren energisch Marktanteile sichern können, und die generelle Underperformance der aktiv geführten Fonds im Bezug auf Indizes im vergangenen Jahr hat ihr Übriges getan, die ETFs noch attraktiver zu machen.
Eine der wichtigsten Herausforderungen, der sich aktiv geführte Fonds in Zukunft stellen müssen, wird darin bestehen, sich innerhalb der festgelegten Leistungspläne gegen die Konkurrenz der ETFs zu behaupten. Die Kostenträger der 401-(k)-Pläne stehen ja bereits unter dem Druck des Kongresses, ihre Berichtslegung für Planteilnehmer hinsichtlich Performances, Kostensätzen und Gebühren für Fonds innerhalb der Pensionspläne zu verbessern.
ETFs werden Gebührensenkungen bei den offenen Fonds erzwingen
„Ich denke, dass die ETFs letzten Endes ihren Weg in die 401(k)s finden werden“, sagt Tom Lydon, Herausgeber der Website ETFTrends.com. Nach seinen Schätzungen könnten Teilnehmer am 401-(k)-Plan ganze 1 Prozent ihres Portfoliowertes sparen, wenn sie in kostengünstige ETFs statt in aktiv geführte Fonds investieren würden. Und weil die ETFs als Kategorie ziemlich breit gefächert sind - und mehr als 50 Prozent ihres Kapitals außerhalb der Vereinigten Staaten investieren - könnten sie den Teilnehmern an 401-(k)-Plänen zum Vorteil gereichen. Ein wesentlicher Pluspunkt ist die realistische Prognose, dass sich einige ausländische Wirtschaftssysteme schneller von der Rezession erholen werden und bessere Wachstumsprognosen haben, konstatiert Lydon. Dagegen investiert der durchschnittliche 401-(k)-Plan nur etwa 12 Prozent seines Kapitals außerhalb der Vereinigten Staaten, sagt er.
Die Konkurrenz der ETFs wird zunehmend Druck auf die Gebühren für offene Fonds ausüben, sagt Fannon von Jefferies. Bis heute hat der Vormarsch der ETFs noch keine nennenswerten Verluste auf Seiten der offenen Fonds verursacht, weil es genügend (Wachstums-)Raum für alle Asset Manager gab. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass die offenen Fonds im Vergleich zum durchschnittlichen ETF mehr als das Doppelte kosten, „gibt es innerhalb der offenen Fonds noch genügend Spielraum für eine Gebührensenkung“, ohne die Umsatzrenditen der offenen Fonds ernsthaft zu gefährden, fügt Fannon hinzu.
Vanguard bietet seinen Kunden eine Auswahl an ETFs, und Pimco, eine Tochter der Allianz, hat einen ETF auf den Markt gebracht, der kurzfristige Schatzanweisungen enthält. Charles Schwab hat ebenfalls die Registrierung einer Handvoll ETFs in die Wege geleitet. Seine Fonds werden voraussichtlich zum Jahresende auf den Markt kommen, sagt Lowry. Er geht davon aus, dass auch T. Rowe Price über kurz oder lang ETFs anbieten wird, wenn die Nachfrage steigt, und fügt hinzu, dass das Unternehmen bereits über die internen Strukturen verfügt, die für eine Entwicklung von ETFs notwendig sind.
Die ETFs werden wohl in Zukunft noch eine wesentlich größere Anzahl an Vertriebswegen nutzen - von Anlegern mit hohem Eigenkapital bis hin zu bestimmten Broker-Dealer-Netzwerken - und dadurch wahrscheinlich noch einen größeren Marktanteil gewinnen, sagt Fannon von Jefferies, obwohl noch abzuwarten ist, wie diese Entwicklung konkret verläuft.
Aber auch geringe Gebühren können nach Ansicht Fannons eine Tatsache nicht widerlegen: „Performance ist auf lange Sicht das beste Unterscheidungsmerkmal“. „Ganz egal, was Sie anbieten: Für ein herausragendes Produkt sollten Sie immer einen hohen Preis verlangen können. Wie in diesem Jahr, in dem aktive Manager eine nachhaltige Erholung erreicht haben, was die Performance angeht. Das ist nach wie vor der beste Weg für die Unternehmen, ihre Wettbewerbsposition auf Dauer beizubehalten.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.748,71 | +0,83% |
| FAZ-INDEX | 1.506,75 | +0,78% |
| TecDAX | 774,38 | +0,58% |
| MDAX | 10.309,70 | +0,59% |
| SDAX | 5.015,01 | +0,60% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.497,43 | +0,67% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,78 | +0,96% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3250 | +0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 137,87 € | −0,54% |