Dietmar Osenberg gibt sich überzeugt: Die deutsche Wirtschaft ist als Anlageziel für Anlagen zugunsten der kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht genug. Wenn die kapitalgedeckte Rente als notwendige Ergänzung zur umlagefinanzierten Rente ihre Aufgabe erfüllen solle, müsse Kapital im Ausland investiert werden, um dringend erwünschte Überrenditen zu erzielen, sagte der Leiter der Strategischen Asset Allocation der Ergo Versicherungsgruppe auf einer Kapitalmarktkonferenz der Commerzbank in Frankfurt.
Angesichts der hohen Volatilität an den Finanzmärkten entstünden mit einer solchen Anlagestrategie aber auch Risiken, die nicht alleine von den Versicherungsunternehmen getragen werden könnten, sagte Osenberg. Die hohe Volatilität, also die Schwankungsbreite der Kurse, bedrückt viele Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke, deren Geschäftsmodelle stabile Zahlungsströme verlangen.
Der Heilige Gral der Vermögensverwaltung
Gleichzeitig wollen viele Vermögensverwalter am Ziel festhalten, eine Mindestrendite von 4 Prozent zu erzielen. Das geht aber nicht alleine mit dem Kauf deutscher Bundesanleihen und Pfandbriefe. Alternative Anlageformen, die eine akzeptable Rendite bei nicht allzu hohen Risiken versprechen, gleichen daher im Moment dem Heiligen Gral der Vermögensverwaltung.
Möglicherweise ist er in der Luft zu finden. Andreas Koch, Leiter von Strategic Asset Finance bei der Commerzbank, stellte ein Modell vor, bei dem mehr als 4 Prozent Rendite möglich erscheinen: Das Investitionsobjekt ist ein Airbus A380. Nahezu ein Viertel des Investitionsvolumens wird durch Eigenkapital finanziert, das Anleger aus dem englischsprachigen Raum zur Verfügung stellen.
Der Rest wird fremdfinanziert, wobei die Commerzbank beabsichtigt, 47 Millionen Dollar aufzubringen. Von diesem Betrag will die Bank höchstens 10 Prozent in die eigenen Bücher nehmen; den Rest können Kunden zeichnen.
Flugzeugfinanzierungen sind ein Vehikel, mit dem Großanleger versuchen, attraktive Renditen zu erzielen. Andere Formen beliebter Fremdfinanzierungen sind Kredite an den Mittelstand und Immobilienkredite. Andere Investoren wollen Eigenkapital zur Verfügung stellen. Hier empfiehlt die Commerzbank, wie andere Adressen aber auch, Investitionen in Infrastruktur, in kommunale Energieversorger, in Wasserkraft, Wind und Solar. Staatlich regulierte Branchen, wo Anlagen feste Zahlungsströme versprechen, sind seit einiger Zeit sehr gesucht.
Eine Nische, die immer mehr Interesse findet, sind nachrangige Hybridpapiere von Versicherungen, die man als Anleihen mit Eigenkapitalcharakter bezeichnen kann. Ihre Laufzeit ist unbegrenzt oder sehr lang. Zwar besitzt der Emittent ein Kündigungsrecht, aber nicht der Anleger.
Diese Papiere bieten gegenüber besser besicherten Anleihen einen spürbaren Renditeaufschlag. Im bisherigen Jahresverlauf wurden in Europa Papiere im Volumen von rund 8 Milliarden Euro ausgegeben, die sehr stark überzeichnet waren.
Wie andere Formen der kapitalgedeckten Alterssicherung leiden auch die Versorgungseinrichtungen der Freiberufler. Angesichts der niedrigen Zinsen erwirtschafteten sie im vergangenen Jahr nur Zinserträge zwischen 3 und 4 Prozent. Viele der 89 Einrichtungen müssen auf Zinsschwankungsreserven zurückgreifen. „Derzeit erreichen wir weiter die prognostizierten Rentenwerte.
Kein künftiger Rentner muss deshalb seine Vorsorgepläne ändern“, sagt Michael Jung, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen. Diese verantworten für rund 800.000 Ärzte, Anwälte, Architekten und andere Freiberufler deren gesetzliche Rente, die aber anders als die Deutsche Rentenversicherung zum überwiegenden Teil auf Kapitaldeckung und zum kleineren Teil auf Umlage beruht. Jung widerspricht einem Bericht des Magazins „Capital“, erste Versorgungswerke stünden vor dem Kollaps.
Anders als Lebensversicherer verwenden diese ihren Rechnungszins ausschließlich, um den Gegenwartswert der Renten zu ermitteln. Sie knüpfen daran keine Garantie. Können sie diesen Zins, der häufig bei 4 Prozent liegt, mit Kapitalerträgen und Reserven dauerhaft nicht erwirtschaften, können sie ihre prognostizierten Renten zurücknehmen. „Erst wenn der Zins langfristig so niedrig bleibt, könnte es für künftige Rentner weniger geben“, sagt Jung. Positiv werde sich auswirken, dass die Aktienquote mit rund 16 Prozent deutlich höher ist als bei Lebensversicherern. (pik)