Home
http://www.faz.net/-gvf-rf9z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Altersvorsorge Steuervorteile der Altersvorsorge locken Anleger in die Falle

21.11.2005 ·  Altersvorsorgeprodukte bestechen durch Steuervorteile. Doch ob sie sich wirklich lohnen, hängt von der individuellen Situation ab.

Von Volker Looman
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die „neuen" Sparverträge für den Ruhestand - die Basisrente, die Betriebsrente und die Riesterrente - bestechen durch ihre Steuervorteile. Die Aufwendungen sind als Sonderausgaben absetzbar, und die Renten werden eines Tages zu Sätzen besteuert, die in der Regel erheblich unter den heutigen Werten liegen.

Damit sind die Spar- und Rentenverträge in erster Linie für Spitzenverdiener ideale Steuersparmodelle. Wer heute ordentlich verdient, kann viel absetzen, und wer im Ruhestand weniger einstreicht, wird vom Fiskus nicht mehr so kräftig zur Ader gelassen. Diese Einstellung kann freilich zu falschen Entscheidungen führen.

Denn in vielen Privathaushalten gibt es noch andere Themen wie das Eigenheim und die Kredite. Daher sollten sich Anleger, die in den nächsten Jahren monatlich Geld auf die hohe Kante legen wollen, nicht nur mit der Altersvorsorge, sondern mit dem gesamten Privatvermögen beschäftigen. Sonst wird - wie in folgendem Fall deutlich wird - mancher Vorteil verschenkt.

Mancher Vorteil verschenkt

Ein verheirateter Manager, 45 Jahre, mit Kindern verdient 100.000 Euro pro Jahr. Für die Altersvorsorge wollen die Eltern monatlich 750 Euro sparen. Der richtige Vergleich der Angebote führt über die Renditen der Einzelverträge und den Vergleich der Vermögensendwerte.

Ausgangspunkt ist der Kredit. Die Anleger haben vor fünf Jahren eine Hypothek von 250.000 Euro aufgenommen. Der jährliche Nominalzins beträgt fünf Prozent und gilt noch 60 Monate. Die Tilgung wurde auf ein Prozent zuzüglich Zinsvorteil eingestellt, so daß die monatliche Rate für Zins und Tilgung bei 1.250 Euro liegt. Durch die 60 Raten, die in den letzten Jahren geflossen sind, ist die Schuld auf 235.832 Euro gesunken, und wenn sich an dem Kredit nichts ändert, weder am Nominalzins noch an den Raten, wird die Restschuld in den kommenden 20 Jahren, bis zum 65. Geburtstag des Anlegers, auf 125.936 Euro sinken. Was danach passiert, steht in den Sternen. Entweder wird der Kredit verlängert, oder er wird durch andere Vermögenswerte abgelöst.

Die monatliche Zusatzrate von 750 Euro kann zum Beispiel auf eine Betriebsrente und eine Rüruprente aufgeteilt werden. Aufwendungen für die betriebliche Altersvorsorge sind im Augenblick bis zu 4.296 Euro pro Jahr absetzbar. Das sind 358 Euro pro Monat, so daß für den zweiten Vertrag - die Rüruprente - monatlich 392 Euro übrigbleiben. Die Prämien für die betriebliche Altersvorsorge sind während der Sparzeit in voller Höhe absetzbar, die späteren Renten sind in vollem Umfang steuerpflichtige Einnahmen.

Wenn die Prämien zum Beispiel zu vier Prozent angelegt und das Kapital im Ruhestand über 20 Jahre mit demselben Zinssatz verrentet wird, entsteht vor Steuern ein Zahlungsstrom, der aus zwei Halbzeiten besteht. Zuerst sind 240 Raten à 358 Euro fällig, danach fließen 240 Raten à 784 Euro zurück. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent während des Berufslebens und 30 Prozent während des Ruhestandes sinken die Zahlen auf 215 Euro in der ersten und 549 Euro in der zweiten Halbzeit. Das führt zu einer Rendite von 4,78 Prozent nach Steuern.

Ordentliches Ergebnis

So hoch ist die Verzinsung der Rüruprente nicht. Trotzdem ist das Ergebnis ordentlich. Hier werden ebenfalls 240 Raten angelegt, und die Prämien liegen bei 392 Euro pro Monat. Sie sind in steigendem Maße als Sonderausgaben absetzbar. Der Abzug beginnt 2006 bei 62 Prozent und steigt jedes Jahr um 20 Basispunkte, so daß 2025, dem letzten Sparjahr, die vollen 100 Prozent erreicht werden. Im Gegenzug sind die Renten, die ab 2026 fließen werden zu 86 Prozent steuerpflichtig.

Damit sind vor Steuern insgesamt 240 Prämien à 392 Euro zahlbar, und wenn das Kapital zu vier Prozent angelegt und über 20 Jahr hinweg zu vier Prozent verrentet wird, fließen an den Anleger insgesamt 240 Renten à 859 Euro zurück. In der Sparphase winken Steuervorteile, die bei 97 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 157 Euro steigen. Danach müssen von jeder Rente ungefähr 258 Euro an den Fiskus abgegeben werden. Das führt zu einer Rendite von 4,39 Prozent pro Jahr.

Der Effektivzins der Hypothek und die Renditen der beiden Geldanlagen weisen den Weg. Der Kredit kostet 5,12 Prozent pro Jahr, und die beiden Sparverträge liefern jährliche Verzinsungen von 4,78 und 4,39 Prozent. Die Zinsdifferenz ist negativ, so daß sich die Geldanlagen für den Anleger nicht lohnen. Sinnvoller sind die Erhöhung der laufenden Tilgung um die geplanten Sparraten, damit sich auch die zusätzlichen Geldbeträge mit 5,12 Prozent pro Jahr verzinsen.

Die bessere Lösung

Die Vorteilhaftigkeit hängt jedoch von der Bank ab. Wenn das Institut keine Entschädigung für die höhere Tilgung verlangt, sollte der Anleger auf jeden Fall diese Möglichkeit nutzen. Sonst wird die Investition der Sparraten in die private Altersvorsorge mit hoher Wahrscheinlichkeit die bessere Lösung sein, weil die Vorfälligkeitsentschädigung für den Anleger weniger Rendite als die Rentenprogramme abwirft.

Falls die Sparraten in die Tilgung gesteckt werden, steigt die Rückzahlung auf 2.000 Euro pro Monat. Dadurch wird der Kredit in 162 Monaten vom Tisch sein. Danach wird der Manager die monatlichen Raten sechseinhalb Jahre in die „freie“ Altersvorsorge investieren. Er kann das Geld zum Beispiel in einen Rentenfonds anlegen, der bei einem Steuersatz von 40 Prozent eine Rendite von 2,6 Prozent bringt. Sie bescheren dem Ehepaar nach 78 eingezahlten Raten von jeweils 2.000 Euro ein Endguthaben von 170.000 Euro.

Dieser Betrag ist der Gradmesser, welche Variante günstiger ist. Im ersten Fall wird das Vermögen zum selben Zeitpunkt aus drei Teilen bestehen. Die Hypothek steht bei minus 126.000 Euro. Auf den Sparkonten stehen fiktive Guthaben von 142.000 und 149.000 Euro, so daß sich ein Vermögen von 165.000 Euro ergibt. Das sind 5.000 Euro weniger als bei der zweiten Lösung, so daß viel für die höhere Tilgung spricht. Der Anleger „verzichtet“ zwar auf die Steuervorteile der Renten, doch die beschleunigte Rückzahlung der Hypothek ist hier die bessere Lösung, weil die Kosten der Hypothek über den Renditen der Sparverträge liegen.

Konzentration auf die Tilgung

Die Konzentration auf die Tilgung hat weitere Vorteile. Die Hypothek wird in 14 Jahren kein Thema mehr sein, im ersten Fall kann die Hypothek in 20 Jahren aber zum Problem werden. Der Anleger wird an das Geld, das in den Sparverträgen steckt, nicht herankommen, weil das Kapital verrentet wird. Das wirft die Frage auf, wie die Restschuld getilgt wird. Können andere Anlagen versilbert werden? Oder „müssen“ die Renten zur Verzinsung und Rückzahlung der Schuld verwendet werden?

Die zweite Lösung - erst die Tilgung, dann die Geldanlage - hat weitere Vorteile. Der Anleger ist frei, wie er das Geld anlegt. Falls er nach der Tilgung der Schulden immer noch rürupen will, kann ihn kein Mensch daran hindern. Er kann die 78 Raten à 2000 Euro in die Basisrente stecken und die Prämien zu Sätzen von 88 bis 100 Prozent von der Steuer absetzen. Die spätere Rente wird zu 86 Prozent besteuert werden, so daß dem Anleger unter dem Strich eine jährliche Rendite von 5,5 Prozent winkt. Für diese Verzinsung muß der Investor aber zwei Kröten schlucken. Erstens wird das angesparte Kapital von Amts wegen in eine Rente umgewandelt, und wenn der Anleger nach der ersten Rente stirbt, ist das ganze Geld weg. Da wird die Anlage in einen „freien“ Rentenfonds trotz geringerer Verzinsung die bessere Lösung sein.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z., 19.11.2005, Nr. 270 / Seite 22
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%