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Altersvorsorge Nicht sparen wollen oder können?

04.06.2007 ·  Fast jeder dritte Deutsche ist nicht imstande, regelmäßig für seine Altersvorsorge anzusparen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage. Doch lassen die Ergebnisse immer noch Interpretationsspielraum zu.

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Zwei Probleme plagen die Staatskassen weltweit, mal mehr, mal weniger. Das eine sind die alten Schulden, das andere sind die alten Menschen. Sicherlich ist der Druck nicht überall gleich, doch weltweit wird nach Schätzungen der Vereinten Nationen die Altersabhängigkeitsquote als Relation zwischen den über 60jährigen und dem Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 19 Prozent im Jahr 2005 bis 2050 auf 45 Prozent steigen.

Chinas Altersabhängigkeitsquote wird sich in diesem Zeitraum vervierfachen und die Lateinamerikas verdreifachen. Selbst in Saudi-Arabien wird sich der Anteil der Älteren vervierfachen. Sollen die Alterslasten nicht Staatshaushalt und mittelbar die Wirtschaft überlasten, muss ihre Finanzierung entsolidarisiert und mehr auf die Schultern des einzelnen übertragen werden.

Weniger als die Hälfte gibt an, für die Altersvorsorge zu sparen

Um diesen Weg einzuschlagen, wurden in Deutschland seit den neunziger Jahren vermehrt Vehikel wie AS-Fonds, Riester- und Rürup-Rente mit all ihren Fehlern und Schwächen geschaffen. Vor allem aber wurde das Sparen propagiert.

Kritiker aber sehen in den geförderten Programmen nicht nur Verdrängungseffekte. Vielmehr muss, wer sparen soll, auch sparen können. Und solange sich die Abgabenbelastung nicht verändert, könnte das bedeuten, dass manch einer gar nicht in den Genuss der privaten Rente kommen könne.

Geht man nach den Ergebnissen einer Umfrage, die die Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Fondsgesellschaft JP Morgan unter rund 2.000 Frauen und Männern ab 14 Jahren durchgeführt hat, so könnten sich die Kritiker bestätigt sehen.

Nicht nur, dass demnach über 40 Prozent der Bundesbürger überhaupt für den Ruhestand sparen. Vielmehr gaben mehr als 70 Prozent der Nicht-Sparer an, sich das nicht leisten zu können. Weniger als jeder sechste Nicht-Sparer vertraut auf die gesetzliche Rente und 16 Prozent auf die Kombination aus staatlicher und betrieblicher Ruheleistung.

Junge und alte Muffel

Das Ergebnis zeige, dass die meisten der Befragten die Notwendigkeit von zusätzlichen Sparleistungen erkannt hätten, es einem Gutteil jedoch an der Fähigkeit fehle, dagegen etwas zu unternehmen, so die Einschätzung bei der Fondsgesellschaft. Hinzu kommen rund 7,7 Prozent der Befragten, die unter 50 Euro monatlich in Fondssparpläne, Riester- oder Rürup-Renten, Renten- oder Lebensversicherungen, Sparbücher oder Immobilien investieren.

Einige markante demographische Ausprägungen relativieren des Ergebnis indes etwas. So seien sehr junge Menschen in Ausbildung oder einer frühen Phase des Berufslebens Vorsorge-Muffel. Wenn 63,2 Prozent der 14- bis 19jährigen angibt nichts zu sparen, weil dafür kein Geld übrig ist, so muss das nicht weiter beunruhigen, auch wenn JP Morgan nicht zu Unrecht empfiehlt, frühzeitig mit der Altersvorsorge zu beginnen.

Dass auch die Altersgruppe der über 60-Jährigen nicht intensiv vorsorgt, ist auch kaum überraschend. Überproportional viele seien der Meinung, dass die staatliche Rente und gegebenenfalls die betriebliche Altersvorsorge ausreichend sei. Auch das ist keine allzu abwegige Ansicht. Allen Nullrunden zum Trotz dürfte der Zusatzbedarf bei den Rentnern der nahen Zukunft weniger hoch sein als bei denen der ferneren Zukunft, so dass sich nur die Frage stellt, ob die Erwartung an den Lebensstandard auch mit der künftigen Fähigkeit übereinstimmt.

Fragen des Konsumniveaus- und horizonts

Generell ist bei solchen Umfragen immer wieder zu hinterfragen, ob das, was die Betroffenen sagen, auch das ist, was die Betroffenen meinen. Wer zum Beispiel behauptet, er könne es sich nicht leisten, vorzusorgen, kann es vielleicht deswegen nicht, weil er das vorhandene Geld mit vollen Händen verkonsumiert, und eine regelmäßige Vorsorge eine Einschränkung des gewohnten großzügigen Lebensstils darstellen würde.

Wenn beispielsweise der Anteil der Ledigen beziehungsweise Singles unter den Nicht-Sparern überdurchschnittlich hoch ist und die Befragten in Haushalten mit drei und mehr Personen eine überdurchschnittliche Sparerquote haben, könnte man das auch so interpretieren, dass diese weniger gewohnt sind, sich einzuschränken und konsequent zu wirtschaften. Indes sind solche Interpretationen selten schlüssig zu belegen und meist mehr von den Anschauungen des Interpretierenden geprägt.

So spricht dagegen, dass der Anteil der Nicht-Sparer mit steigendem Einkommen abnimmt. Auf der anderen Seite ist die persönliche Sparleistung als Restgröße des Konsums immer noch von dessen Niveau abhängig. Und da die Bedürfnisse der meisten Menschen nicht im selben Maß steigen wie ihre Konsummöglichkeiten, steigt naturgemäß auch die Sparquote. Das bedeutet nicht, dass ein Sparen mit geringerem Einkommen nicht möglich ist.

Es gibt also noch großen Forschungsbedarf in diesem Bereich. Auch JP Morgan will sich diesem Thema künftig vierteljährlich widmen und erhofft sich dadurch Aufschluss, wie sich das Sparverhalten ändert, ob es vom wirtschaftlichen Klima oder der Börsenentwicklung beeinflusst wird und ob sich neben dem Bewusstsein auch die Sparleistung langfristig wandelt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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