01.11.2006 · Sparer, die entschlossen sind, eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen, haben guten Grund sich zu beeilen. Denn neue Verträge werden bald nur noch eine Zinsgarantie von 2,25 Prozent bieten.
Sparer, die entschlossen sind, eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen, haben guten Grund sich zu beeilen. Denn die deutschen Lebensversicherer werden wegen der niedrigen Anleihezinsen vom kommenden Jahr an für neue Verträge nur noch eine Zinsgarantie von 2,25 Prozent aussprechen. Bis zum 31. Dezember abgeschlossene Verträge haben dagegen noch einen Garantiezins von 2,75 Prozent, bieten also bei gleicher Einzahlung eine höhere garantierte Leistung. Dies gilt auch für einen großen Teil der steuerlich geförderten Riester-Verträge und für die betriebliche Altersversorgung, die meist auf Basis von Lebensversicherungen vereinbart werden.
Der verringerte Garantiezins gilt nur für neue Verträge. Schon bestehende Verträge sind mit höheren Garantien ausgestattet, die je nach Zeitpunkt des Abschlusses 2,75 bis maximal 4 Prozent betragen. Sie gelten für die gesamte Laufzeit des Vertrages. In Phasen, in denen die Lebensversicherer hohe Erträge erzielen, spielen die Garantien nur eine Nebenrolle. Denn dann ist die Überschußbeteiligungen so bemessen, daß die Gesamtverzinsung aller Versicherten einer Gesellschaft gleich ist. Doch wegen der niedrigen Zinsen auf den Anleihemärkten hat die Garantie an Gewicht gewonnen. Denn einige Lebensversicherer schaffen es nicht, für alle ihre Kunden 4 Prozent Gesamtverzinsung zu erreichen. Bei diesen Gesellschaften gilt: Wer eine Zinsgarantie von 4 Prozent hat, bekommt diese. Wer geringere Garantien hat, bekommt weniger.
Reduzierter Grantiezins vergrößert Vorbehalte
Vom kommenden Jahr an wird die sinkende Zinsgarantie zu einer ungewöhnlichen Konstellation im Neugeschäft der Lebensversicherer führen. Insbesondere bei Gesellschaften mit hohen Verwaltungs- und Vertriebskosten werden die garantierten Leistungen nur unwesentlich größer als die Gesamtsumme der zu zahlenden Prämien sein. Bei einigen Gesellschaften werden die Einzahlungen der Kunden sogar größer als die garantierte Leistung sein. Ursache dafür ist, daß sich der Garantiezins nie auf die gesamte Einzahlung bezieht, sondern nur auf den Sparanteil der Prämie. Zuvor werden die Kosten für den Risikoschutz, die Aufwendungen für die Verwaltung und die Provisionen der Vermittler abgezogen. Nur was übrig bleibt, wird angelegt und verzinst. Verbraucherschützer, zum Beispiel der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentralen, raten deshalb meist von Lebens- und Rentenversicherungen ab, unter anderem weil die Verträge als unflexibel gelten.
Der reduzierte Garantiezins wird die Vorbehalte vergrößern. „Je kürzer die Laufzeit ist und je älter der Versicherte, umso geringer ist die garantierte Rendite der kapitalbildenden Lebensversicherungen“, sagt Manfred Poweleit, der den unter Maklern verbreiteten Branchendienst Map-Report herausgibt. Denn bei älteren Versicherten sei der Todesfallschutz kostspieliger und verbrauche einen größeren Teil der Prämie. Besonders teuer werde es bei einem Eintrittsalter von mehr als 52 Jahren. Bei kurzen Laufzeiten bleibe zudem weniger Zeit dafür, daß der Zins die Kosten ausgleicht.
Immer noch eine der beliebtesten Sparanlagen
Für einen Beispielfall – Nichtraucher, ledig, 30 Jahre alt, 1200 Euro Jahresprämie – hat Poweleit die garantierten Ablaufleistungen der Versicherer ermittelt. Bei einer zwölfjährigen Laufzeit und einem Garantiezins von 2,75 Prozent betragen die Einzahlungen 14.400 Euro und die garantierte Leistung 15.250 Euro im Durchschnitt der Anbieter. Bei einer Garantie von 2,25 Prozent liegt der Durchschnitt der Leistung bei gleicher Einzahlung nur noch bei rund 14.800 Euro, wobei schwächere Anbieter auf weniger als 14.200 Euro kommen. Bei Laufzeiten von 30 Jahren und Einzahlungen von insgesamt 36.000 Euro liegt der Durchschnitt für die bisherige Garantie (2,75 Prozent) bei durchschnittlich 45.000 Euro und für die neue Garantie (2,25 Prozent) bei knapp 42.000 Euro.
Trotz aller Vorbehalte zählen Lebensversicherungen zu den beliebtesten Sparanlagen der Deutschen. Rund 30 Millionen Versicherte haben mehr als 90 Millionen Verträge abgeschlossen. Dazu beigetragen hat die steuerliche Förderung, die allerdings inzwischen reduziert wurde. Unterstützt wird der Vertrieb der Versicherer aber noch davon, daß staatlich geförderte Sparformen wie die Riester-Rente oder die betriebliche Altersversorgung meist auf Lebensversicherungen basieren.
Aller Voraussicht nach werden die Lebensversicherten mehr erhalten, als im geschilderten Beispielfall an garantierten Leistungen genannt ist. Denn zusätzlich zur Garantie gewähren die Lebensversicherer Überschußbeteiligungen. Sind sie einmal gutgeschrieben, bleiben sie bis Laufzeitende garantiert und werden mindestens mit dem Garantiesatz verzinst. Hinzu kommen Ansprüche auf einen Schlußgewinnanteil, die aber nicht garantiert sind. Zählt man garantierten Zins und Überschuß zusammen, liegt die durchschnittliche Verzinsung der Lebensversicherer derzeit bei rund 4,3 Prozent. Rechnet man die Zuweisungen zum Schlußgewinn hinzu, liegt der Durchschnitt bei 4,6 bis 4,8 Prozent.
Unattraktiv - aber wozu sich beeilen
Norman Argubi (argubi)
- 01.11.2006, 17:01 Uhr
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