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Altersvorsorge Der große Riester-Test

Es gab Zeiten, da waren die Deutschen wahre Altersvorsorge-Muffel. Das hat sich geändert. Viele riestern. Aber viele rätseln auch: Welche Riester-Versicherung ist die beste? Ein neuer Vergleich von 73 Tarifen, der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt, gibt Aufschluss.

© F.A.Z. Vergrößern

Es hat lange gedauert, aber langsam gewinnt die private Altersvorsorge in Deutschland an Fahrt. Unangefochtener Spitzenreiter ist dabei das Riester-Sparen. Fast 14 Millionen der staatlich geförderten Sparverträge haben die Deutschen abgeschlossen. Die meisten von ihnen haben Riester-Versicherungen gekauft.

Dyrk Scherff Folgen:  

Mehr als 50 Gesellschaften bieten solche Policen an. Da den Besten zu finden ist nicht leicht. Hilfe kommt vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung in Weiden, das die Versicherungen in 74 Kriterien verglichen hat. Das Ergebnis liegt dieser Zeitung exklusiv vor.

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Das Institut ist im Besitz der drei Geschäftsführer und finanziell unabhängig von einzelnen Anbietern der Riester-Versicherungen. Es verdient sein Geld vor allem mit Vorträgen und Seminaren, Ratings sowie mit Software für die Altersvorsorge. Der Riester-Vergleich, den das Institut zum zweiten Mal durchführt, bewertet 73 Tarife von 50 Gesellschaften und damit fast alle am Markt verfügbaren. Geprüft wurden sowohl klassische Riester-Versicherungen, die sehr konservativ vor allem in Anleihen anlegen, als auch fondsgebundene Riester-Versicherungen, die je nach Wunsch des Anlegers auch riskanter in Aktienfonds investieren.

Infografik 882 / Die besten Riester-Versicherungen / Ein Vergleich für klassische und fondsgebundene Versicherungen © F.A.Z. Vergrößern

Allianz auf Platz eins

In beiden Kategorien liegt die Allianz auf Platz eins. Vorne dabei sind auch der Volkswohl Bund, die Postbankversicherung PBV, die Axa und HDI Gerling sowie Cosmos Direkt. Acht Musterfälle, getrennt nach Alter und Geschlecht, wurden für den Vergleich durchgerechnet. Die 74 Vergleichskriterien umfassen die finanzielle Solidität des Versicherers, die Flexibilität und Transparenz der Tarife sowie die Kosten.

Die Ergebnisse des Tests widerlegen die Behauptung, dass sich Riester-Verträge für niemanden lohnten. In allen acht Musterfällen errechneten die Tester positive Renditen. Eine klassische Riester-Rentenversicherung inklusive staatlicher Zulagen und Überschussbeteiligung bringt für einen 20-jährigen Mann durchschnittlich 4,06 Prozent Rendite. Werden die Steuerersparnis in der Sparphase und die Steuerzahlung in der Rentenphase berücksichtigt, liegen die Renditen sogar noch höher.

Allerdings gilt natürlich weiterhin: Jeder Sparer muss abwägen, ob er den Nachteil des Riester-Vertrags in Kauf nimmt: die fehlende Flexibilität. Nur 30 Prozent des Kapitals können zu Beginn der Rentenphase entnommen werden und müssen dann voll versteuert werden, der Rest wird bis zum Lebensende in monatlichen Raten ausbezahlt. Ein schlechtes Geschäft macht, wer zu früh stirbt. Noch nicht einmal die Angehörigen können sich immer freuen: Riester-Verträge sind oft nicht voll vererbbar.

Versicherungen können durchaus die richtige Wahl sein

Der Vergleich zeigt auch: Wer sich für einen Riester-Vertrag entschieden hat, für den sind Versicherungen durchaus manchmal die richtige Wahl. Vor allem für jüngere Sparer können die Tarife geeigneter sein als etwa ein Riester-Banksparplan. Die Versicherung hat zwar höhere Kosten, bringt aber bei langen Laufzeiten auch mehr Euro ein als die Banklösung.

Bei kurzen Laufzeiten von wenigen Jahren fallen die Kosten der Versicherung hingegen stark ins Gewicht, weil sie - anders als beim Banksparplan - komplett in den ersten fünf Jahren der Laufzeit abgezogen werden. "Für einen 50-Jährigen ist der Banksparplan häufig das geeignetere Riester-Produkt", folgert Michael Hauer, einer der Geschäftsführer des Instituts.

Der Vergleich des Instituts zeigt auch, dass Frauen von Riester-Verträgen stärker profitieren als Männer. So ergab die Untersuchung eine erwartete Rendite von 4,27 Prozent für eine 20-jährige Frau im Vergleich zu den 4,06 Prozent des gleichaltrigen Mannes. Grund ist, dass Frauen länger leben, aber trotzdem nicht mehr Beitrag zahlen müssen. Grundlage der Rechnungen ist die durchschnittliche Lebenserwartung.

Spät anzufangen macht wenig Sinn

Bei älteren Riester-Sparern liegen die Renditen oft prozentual höher. Das sollte aber niemanden dazu verleiten, erst spät mit dem Sparen anzufangen, denn in Euro gerechnet erwirtschaften die Älteren wegen der kurzen Laufzeit und den vergleichsweise hohen Kosten weniger Euro als die Jüngeren. Der Riester-Vergleich zeigt auch, dass fondsgebundene Riester-Versicherungen hohe Kosten haben. Von einer angenommenen Rendite vor Kosten von 6 Prozent bleiben nach Kosten bei 50-Jährigen nur zwischen 3,5 und 4 Prozent, bei 20-Jährigen immerhin noch fast fünf Prozent übrig. Das lohnt sich nur, wenn die Fonds gut sind. Bei Versicherungen kann der Kunde selbst aus mehreren Fonds wählen, während bei Riester-Fondssparplänen meist die Fondsgesellschaft diese Wahl für ihn trifft.

Die Rendite eines Riester-Vertrages ist aber nur eines von mehreren wichtigen Kriterien. Die Tarife sollten sich auch an wechselnde Lebensformen anpassen lassen. „Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges verbessert“, lobt Hauer. So kann der Todesfallschutz während der Laufzeit besser angepasst werden, und in der Auszahlphase kann ein Teil des angesparten Geldes noch in Fonds verbleiben, was die Rendite erhöht. Auch Überschüsse aus klassischen Rentenversicherungen können teilweise renditesteigernd in Fonds angelegt werden. Standard ist zudem, die Beitragszahlung für einige Zeit aussetzen zu können.

Auch transparente, nachvollziehbare Verträge sind den Kunden wichtig. Hier seien fast alle Produkte besser geworden, hat Hauers Institut festgestellt - nicht zuletzt, weil der Gesetzgeber das nun verlange. Die Produktinformationen seien ausführlicher als vor einem Jahr.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 27.06.2010, 20:06 Uhr

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