08.06.2011 · Weil Anleger nach der Finanzkrise mehr Transparenz und Sicherheit wollen, ist ein EU-Hedgefonds-Format namens Ucits sehr gefragt.
Von Alexander ArmbrusterHedgefonds sind infolge der Finanzkrise deutlich beliebter geworden. Dies lässt sich an dem Vermögen ablesen, das Anleger ihnen anvertrauen. Mittlerweile sind es etwas mehr als 2 Billionen Dollar auf der ganzen Welt, hat der in Chicago ansässige Datenanbieter Hedge Fund Research errechnet.
Immer mehr Anleger, die sich für Engagements in Hedgefonds-Strategien entscheiden, wählen dafür allerdings einen regulierten Zugang, der sich hinter der kompliziert klingenden Abkürzung Ucits (im Deutschen: Ogaw) verbirgt.
Der Weg zum Publikumsfonds
Die Abkürzung steht für einen Kriterienkatalog, auf den sich die EU-Staaten geeinigt haben. Wer ihn erfüllt, kann Hedgefonds-Strategien in einem Publikumsfonds abbilden. Die Kriterien erhöhen die Transparenz und beschränken die Risiken gegenüber nicht regulierten Hedgefonds. Beispielsweise darf ein Ucits-Fonds nur 10 Prozent der ihm von Anlegern anvertrauten Vermögen zusätzlich (und dann auch nur kurzfristig) als Kredit aufnehmen und anlegen.
Außerdem dürfen maximal 10 Prozent des Portfolios in Anlagen eines einzelnen Emittenten investiert werden, und das auch nur in höchstens vier Fällen. Schließlich verbieten die Kriterien physische Leerverkäufe und fordern ein höheres Maß an Liquidität, was dem Anleger ermöglichen soll, seine Fondsanteile vergleichsweise schnell zurückzugeben.
Nicht nur die Anleger wünschen sich Regulierung
Das Interesse an Fonds, die sich diesen Anlagebeschränkungen unterwerfen, kommt dabei offensichtlich nicht nur von Seiten der Anleger, die nach der Finanzkrise mehr Sicherheit und Offenheit einfordern. „Der Ucits-Mantel ist mittlerweile auch für viele Offshore-Manager interessant geworden, ganz einfach, weil die Anleger ihn eben nachfragen. Der klassische Offshore-Fonds wird demgegenüber an Bedeutung verlieren“, sagt Michael Busack, Gründer und Leiter des in Hamburg beheimateten Analysehauses Absolut Research.
„Dieser regulierte Rahmen ist sowohl auf Wunsch der Branche als auch der Investoren entstanden“, sagt auch Frank Dornseiffer, der Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments, der die Hedgefonds-Branche in Deutschland vertritt.
Die Zahl der Ucits-Fonds ist während der vergangenen Jahre spürbar gestiegen. Nach Berechnungen von Absolut Research gibt es derzeit rund 700 entsprechende Produkte - wenngleich in der Zahl nicht nur Hedgefonds-Strategien enthalten sind -, die ein Vermögen von insgesamt etwas mehr als 100 Milliarden Euro verwalten (siehe Grafik). Im Jahr 2004 gab es der Statistik zufolge nur etwas mehr als 50 solcher Fondsprodukte.
Deutsche Bank und Universal Invest in Deutschland führend
Ein entsprechendes Produkt entsteht in aller Regel über die Zusammenarbeit eines Hedgefonds-Managers mit einem Finanzinstitut. In Deutschland zählt beispielsweise die Deutsche Bank zu den wichtigsten Anbietern von Hedgefonds im Ucits-Format. Einer ihrer Ucits-Fonds wird etwa von dem amerikanischen Hedgefonds-Manager John Paulson verwaltet, der während der Finanzkrise reich und berühmt wurde, weil er unter anderem schon frühzeitig auf sinkende Preise am amerikanischen Hypothekenmarkt setzte.
Ein weiteres Produkt wird von David Harding verwaltet, dem Gründer des britischen Hedgefonds-Anbieters Winton Capital. Während Paulson einzelne, von ihm für chancenreich befundene Wertpapiere aussucht, versucht Harding anhand von vergangenen Kursdaten und mit Hilfe von hochleistungsfähigen Computern Trends zu identifizieren und über standardisierte auf die Zukunft gerichtete Wertpapiere (Futures) entsprechend anzulegen.
Der Vermögensverwalter Universal ist auf dem Markt ebenfalls sehr aktiv und legte beispielsweise im vergangenen Herbst eine Ucits-Variante des finnischen Hedgefonds Estlander & Partners auf, der eine ähnliche Anlagestrategie verfolgt wie Winton Capital.
Gemessen an der Zahl der aufgelegten Ucits-Fonds zählen auch die Bank of America Merrill Lynch, der zur Société Générale gehörende Anbieter Lyxor, BNP Paribas und der britische börsennotierte Hedgefonds-Spezialist Man Group zu den großen Anbietern. Die Baader Bank kooperiert mit dem kanadischen Hedgefonds-Anbieter Arrow Hedge, der unter anderem auf Rohstoffe spezialisiert ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,54 $ | −0,08% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |