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Geldanlage : Vorsicht vor Fonds vom Versicherer

Hoffentlich Allianz versichert? Die Fonds vom Versicherer stehen bei den Verbraucherschützern in der Kritik. Bild: Jakob von Siebenthal

Life Invest oder Invest Flex heißen neue Vorsorgefonds, die Allianz & Co. ihren Kunden verkaufen. Die Rendite ist dürftig und ruft die Verbraucherschützer auf den Plan.

          Fonds sind super fürs langfristige Sparen, diesen Satz kann inzwischen fast jeder Anleger herunterbeten. Man kann es daher super finden, dass selbst die Versicherungsbranche das Fondssparen entdeckt hat, schließlich eröffnet sich damit die Chance, von den Gewinnen am Aktienmarkt zu profitieren. Man könnte es allerdings auch besonders perfide nennen. Denn vieles, was Versicherer mit dem magischen Wort „Fonds“ verkaufen, hat nur sehr wenig damit zu tun. Was also steckt hinter Produkten, die Allianz, Europa oder Cosmos & Co. mit Namen vermarkten wie Life Invest, Invest Flex oder Flexibler Vorsorgeplan?

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zuerst einmal: Dies sind keine Fondssparpläne, auch wenn es aus dem Munde der Versicherer oft so klingt. Die reden gern von „flexiblen Vorsorgekonzepten“, mit denen der Kunde die „Chance“ auf üppige Renditen der Kapitalmärkte erhält, und das bei „voller Flexibilität und Transparenz“. Was jedoch die wenigsten Anbieter sagen: Solche Investprodukte sind nichts anderes als fondsgebundene Rentenversicherungen, bei denen nur ein Teil des eingezahlten Geldes in Aktienfonds fließt. Und allzu oft ist dieser Anteil verschwindend gering, vor allem im Vergleich zu wirklichen Fondssparplänen.

          Risiko liegt beim Kunden

          Bei diesen neuartigen Fondspolicen garantieren die Versicherer den Kunden im besten Fall, dass sie am Ende der Laufzeit mindestens die eingezahlten Beiträge zurückbekommen (Beitragsgarantie). Oft garantieren sie aber auch gar nichts, während es bei klassischen Kapitallebens- und Rentenversicherungen immerhin den Garantiezins gibt, der allerdings mit 0,9 Prozent winzig ist. Welcher Ertrag hingegen bei den Fondspolicen ausgezahlt wird, ist allein davon abhängig, was die Fondsanteile am Ende der Laufzeit wert sind. Das Risiko liegt beim Kunden.

          Wie viel Geld nun in die Fonds fließt, lässt sich schwer sagen, selbst wenn Anbieter mit „100 Prozent Fondsquote“ werben. Denn zuerst wird vom Beitrag ein Batzen abgezogen, der zur Deckung der Abschlusskosten draufgeht, für Provisionen, Sicherheitszuschläge und die Verwaltung. Wie viel danach übrig bleibt, da hüllen sich die Versicherungskonzerne in Schweigen, so viel zur „vollen Transparenz“. Verbraucherschützer haben jedenfalls errechnet, dass so nicht selten 30 Prozent des Beitrages draufgehen.

          Garantien sind teuer

          Die übrigen 70 Prozent werden bei den Policen, die die Beiträge garantieren, auch nicht voll in Fonds gesteckt, sondern auf zwei Töpfe verteilt: Ein Teil fließt in das Sicherungskapital des Versicherers. Dieses Geld verzinst sich in festverzinslichen Wertpapieren sehr mau. Lediglich der letzte Teil wird wirklich in Aktienfonds angelegt.

          Bei der Invest Flex der Allianz mit Beitragsgarantie fließen zum Beispiel 70 Prozent des Sparanteils in den Sicherungstopf und nur 30 Prozent in Fonds. Von einer Einzahlung in Höhe von 100 Euro in diese Police würden bei unterstellten 30 Prozent Kosten also nur 21 Euro in die höherrentierlichen Fonds wandern. Das zeigt deutlich, wie teuer Garantien sind. Nur wer auf sie verzichtet, der steckt wenigstens den Sparanteil komplett in Fonds. Mit einem Sparplan für günstige Indexfonds könnte er rund 30 Euro mehr monatlich sparen.

          Management und Verwaltung kosten viel Geld

          Der zweite Knackpunkt sind die Fonds, in die das Geld fließt. Meist sind es hauseigene Produkte der Versicherer, und die sind längst nicht immer die besten am Markt, stellte die Stiftung Warentest fest. Deshalb fiel ihr Gesamturteil „für viele Policen mittelmäßig bis schlecht aus. Grund ist das dürftige Angebot an guten bis sehr guten Aktienfonds.“ Und jeder Prozentpunkt Rendite, der beim Sparen fehlt, rächt sich später doppelt: „Selbst wenn die Fonds super laufen und im Durchschnitt sechs Prozent Rendite abwerfen würden, käme nur etwa die Hälfte beim Sparer an“, so errechnete Warentest. Das liegt an der doppelten Kostenbelastung der Fondspolicen: Das Fondsmanagement kostet viel Geld, die Versicherungsverwaltung ebenfalls – das ist der Hauptkritikpunkt, den Verbraucherschützer haben.

          Ganz am Ende schlägt die Versicherung noch einmal zu. „Besonders bei fondsgebundenen Rentenversicherungen kalkulieren Versicherer mit hohen durchschnittlichen Lebenserwartungen. Sie unterstellen den Kunden zuweilen, dass sie durchschnittlich mehr als 100 Jahre alt werden. Und je höher das unterstellte Durchschnittsalter ist, desto geringer fällt die Rente aus“, kritisiert der Bund der Versicherten (BdV).

          Für die Altersvorsorge meist ungeeignet

          Die Ratingagentur Franke & Bornberg rechnete etliche Fondstarife durch: Bei 100 Euro Einzahlung im Monat zahlen die Versicherer nach 35 Jahren Vertragslaufzeit mindestens 111 bis 146 Euro aus. 116 Euro bekäme ein Sparer aber schon auf eigene Faust zusammen, wenn er das Geld völlig unverzinst anhäufte und es sich bis zum 95. Lebensjahr selbst auszahlte Bei 6 Prozent Fondsrendite würden die Versicherer der Agentur zufolge eine Monatsrente von maximal 415 Euro zahlen, bei Tarifen völlig ohne Garantien wären es 470 Euro.

          Bespart man selbst einen Fondsparplan, könnte man sich nach 35 Jahren ebenfalls eine Monatsrente von 470 Euro auszahlen lassen, allerdings bis zum Alter von 113. Oder man könnte sich bis zum Alter von 95 rund 750 Euro monatlich gönnen. Aus Sicht der Kunden bedeutet das nach Meinung des BdV: „Fondspolicen sind fast immer ungeeignet für die Altersvorsorge.“

          Quelle: F.A.S.

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