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Aktienstrategie Globale Midcaps: Riskant, aber verlockend

21.08.2008 ·  Die Börsenturbulenzen halten an. Aktien wachstumsstarker mittelgroßer Unternehmen, insbesondere aus aufstrebenden Ländern, könnten risikofreudigen Anlegern längerfristig jedoch lukrative Chancen bieten, glauben die Analysten von S&P.

Von Ben Steverman
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Es ist eine riskante, aber verlockende Investmentstrategie: Mit der Direktanlage in wachstumsstarke internationale Unternehmen mittlerer Größe am rasanten Wachstum aufstrebender Märkte rund um den Globus partizipieren.

Ein vor kurzem von Standard & Poor's veröffentlichter Bericht listet weltweit 300 dieser Unternehmen auf. Mit einer typischen Marktkapitalisierung zwischen einer und fünf Milliarden Dollar befinden sich diese Unternehmen nach Ansicht von S&P im „optimalen Bereich der Märkte“. Nachdem sie eine turbulente Anlaufphase überlebt haben, zeigen sich mittelgroße Kapitalgesellschaften stabiler als kleinere Unternehmen und verzeichnen zudem höhere Wachstumsraten als ihre großkapitalisierte Konkurrenz, da sie häufig vom kräftigen Wirtschaftswachstum in Schwellenländern wie China profitieren.

Für Anleger hat sich die Investitionen in Aktien internationaler Unternehmen mittlerer Größe bislang ausgezahlt. Der Vergleich mit einer ähnlichen S&P-Liste aus dem Jahr 2003 zeigt, dass sich die durchschnittliche Marktkapitalisierung dieser Unternehmen zwischen 2002 und 2007 fast verdreifacht hat. Eine Auswahl von Unternehmen der S&P-Liste 2008 finden Sie in Form der beiliegenden Charts.

Der Kaufkurs ist entscheidend

Allerdings warnen selbst erfahrene, international agierende Investmentprofis vor den Tücken dieser Anlagestrategie.

Zunächst einmal muss der Kurs stimmen, so die Experten. „Wachstumsstarke Unternehmen sind zwar schön und gut, doch es bringt nichts, wenn man sie nicht zum richtigen Kurs kaufen kann“, sagt Michael Stack, Co-Portfoliomanager des UMB Scout International Discovery Fund.

In der jüngsten Vergangenheit haben Sorgen um eine weltweite Wachstumsverlangsamung für fallende Kurse an den internationalen Aktienmärkten gesorgt. Dies verdeutlicht die mit der Aktienanlage einhergehenden Risiken, eröffnet nun jedoch auch Chancen für Schnäppchenjäger. „Viele dieser Unternehmen können wir in Relation zu ihrem Wachstum zu erheblich günstigeren Kursen kaufen“, vor allem in Asien, sagt Rob Lutts, Chief Investment Officer von Cabot Money Management.

Unternehmen selbst unter die Lupe nehmen

Viele Großkonzerne können es sich leisten, ihre Aktien an mehreren Börsenplätzen der Welt notieren zu lassen. Ein Listing an der Technologiebörse Nasdaq oder an der New Yorker Börse (NYSE) erleichtert amerikanischen Investoren den Aktienkauf. Die meisten kleinen und mittleren ausländischen Kapitalgesellschaften sind jedoch nicht an amerikanischen Börsen notiert. Dies führt zu allen möglichen Problemen für Anleger in den Vereinigten Staaten. Da wäre zum einen das Währungsrisiko: Ein erstarkender Dollar schmälert den Wert ausländischer Aktienbestände. Hinzu kommen praktische Probleme: Beim Erwerb ausländischer Aktien fallen häufig höhere Transaktionsgebühren an.

Die größte Hürde für amerikanische Anleger dürfte jedoch der Bezug von Informationen über mittelgroße Kapitalgesellschaften sein. Während viele Unternehmen bereits englische Übersetzungen ihrer Jahresabschlüsse und anderer Dokumente anbieten, unternehmen andere keine Anstrengungen in dieser Richtung.

Darüber hinaus werden viele ausländische Unternehmen mittlerer Größe nur von einer relativ kleinen Anzahl von Analysten abgedeckt. „Die Lupe muss man also selbst in die Hand nehmen“, sagt Lutts. „Man muss Zeit investieren, um das Unternehmen zu verstehen“, so Edwin Lugo, Leiter des Teams für ausländische Wachstums-Nebenwerte bei Franklin Global Advisers. Uri Landesman, Leiter der Abteilung für internationale Wachstumswerte bei ING Investment Management, sieht in einer geringeren Analystenabdeckung jedoch auch ein „großes Plus“. Wenn „die Aktie weniger intensiv beobachtet wird, dann wächst die Chance“, dass eine Aktie „falsch bewertet“ sei, wovon clevere Anleger profitieren könnten.

Experten raten Anlegern bei der Beurteilung von Finanzergebnissen ausländischer Unternehmen zu einer gesunden Skepsis. Die Rechnungslegungsgrundsätze sind von Land zu Land verschieden. In Europa, Hongkong und Singapur notierte Unternehmen „weisen für gewöhnlich eine sehr gute Offenlegung auf“, so Lugo. In anderen Teilen der Welt, vor allem in Schwellenländern, sind die Standards dagegen geringer.

Rechtsordnung und politische Verhältnisse im Auge behalten

Eine laxe Rechnungslegung ist indes nicht die einzige Gefahr für Anleger. Während ein starkes Wirtschaftswachstum Kapital in aufstrebende Länder wie China lockt, können Sorgen um politische Instabilität auf Investoren abschreckend wirken.

In einigen Ländern „haben wir bei Investments ein ungutes Gefühl“, sagt Stack von UMB. Er hält Ausschau nach rechtsstaatlichen Prinzipien, effizienten Kapitalmärkten und Aktionärsrechten. China habe es zwar „weit gebracht“, doch es sei nach wie vor ein kommunistisches Land, in dem der Staat großen direkten Einfluss auf den Betrieb vieler Unternehmen ausübe, so Stack.

Auch lokale Regeln und Vorschriften können ausländischen Unternehmen das Leben erschweren. Eines der Kriterien für die Aufnahme in die S&P-Liste ist das Wachstum der Belegschaft, doch Anleger sollten „auch im Blick behalten, ob die Unternehmen ihre Kosten im Griff haben“, rät Landesman von ING. Häufig stellen zu schnell wachsende Unternehmen in zu kurzer Zeit zu viel Personal ein, was in vielen Ländern mit strengem Arbeitsrecht (darunter auch China) bei späteren Problemen nur schwer mittels Arbeitskräfteabbau korrigiert werden kann.

Trotz dieser Herausforderungen ist der Kauf von Aktien wachstumsstarker internationaler Unternehmen mittlerer Größe attraktiv, da sie Anlegern die Partizipation an profitablen Wachstumstrends ermöglichen.

Viele der weltweiten Großunternehmen, insbesondere in Europa, sind Mischkonzerne. „Mit der Anlage in mittelgroße Aktienwerte kann man den Fokus etwas einengen“, sagt Landesman.

In den zurückliegenden Jahren standen bei Investoren vor allem Unternehmen der Sektoren Industrie, Grundstoffe und Energie - als Profiteure des globalen Infrastrukturbooms - hoch im Kurs. Mehr als die Hälfte der in der S&P-Liste geführten Unternehmen entstammt jenen Sektoren.

Ausschau nach Unternehmen mit großem Wettbewerbsvorteil

Hierin „spiegelt sich die Entwicklung der Weltwirtschaft in den vergangenen fünf Jahren“, so Stack. Er prophezeit jedoch, dass „es zu Veränderungen kommen wird“ und in Zukunft andere Sektoren den Wachstumsstab übernehmen werden. Lugo von Franklin Global Advisers rät Anlegern zur Ausschau nach Unternehmen mit großem Wettbewerbsvorteil, „mit dem sie sich von anderen abheben“.

Trotz des rasanten Wachstums in China fällt es Lugo nach eigenen Aussagen schwer, dort kaufenswerte kleine und mittelgroße Aktienwerte zu finden: Aufgrund des massiven ruinösen Konkurrenzkampfes im Reich der Mitte „kann man sich keinen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen“.

Die weltweite Anlage in mittelgroße Aktienwerte bietet laut Stack „eine Erweiterung der Chancenpalette“. Als Gruppe sind diese Papiere zwar mit zahlreichen Risiken verbunden, für intelligente Anleger eröffnen sie jedoch Tausende neuer Möglichkeiten beim Aufspüren eines Überfliegers.

Ben Steverman ist Redakteur bei Business Week.

Quelle: Business Week Online
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