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Aktienmarkt Die neue Lust auf Amerika

30.01.2012 ·  In Europa köchelt die Schuldenkrise. In China wächst die Wirtschaft langsamer. Aber amerikanische Aktien werden auf einmal wieder attraktiv.

Von Christian Siedenbiedel
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Wird Amerika wieder das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Zumindest begrenzte Fortschritte werden gerade Tag für Tag vermeldet. Die Arbeitslosigkeit ist etwas gesunken, auf 8,5 Prozent. Die Wirtschaftsleistung ist im letzten Quartal des vorigen Jahres um 2,8 Prozent gewachsen. Und sogar der Häusermarkt, der seit der Finanzkrise darnieder lag, scheint sich ein wenig zu erholen. Die Preise für neue Häuser sind im November erstmals seit langem wieder um ein Prozent gestiegen.

Zwar ist das Problem der gewaltigen Staatsverschuldung in Amerika noch immer ungelöst. Auch die Frage, inwieweit die Krise in Europa auch die Vereinigten Staaten beeinträchtigen wird, vermag noch keiner so recht zu beantworten. Trotzdem ist unübersehbar: Amerika meldet sich zurück.

Zuversicht in die Konjunktur

Ob es gleich ein veritabler Aufschwung wird, wie die Bank Sarasin jubelt, oder doch eher ein Mini-Aufschwünglein, darüber streiten die Ökonomen noch. Zu den Unsicherheiten gehört die Wahl im Oktober. Wird es einen Politikwechsel geben? Wird danach gespart? Analysten der Schweizer UBS schreiben in einer Aktienmarkt-Studie, die laufende Berichtssaison der amerikanischen Unternehmen halte auf jeden Fall noch positive Überraschungen bereit.

Höchste Zeit also auch für Anleger aus Deutschland, amerikanische Aktien zu kaufen? "Die amerikanischen Konjunkturdaten sind sehr robust", meint Markus Reinwand, Aktienmarkt-Stratege der Landesbank Hessen-Thüringen, kurz Helaba. Das spricht grundsätzlich für Aktien aus Amerika. Zumal Europa noch unter der Staatsschuldenkrise ächzt - und sich in asiatischen Ländern wie China oder Korea das Wachstum gerade ein wenig abschwächt.

Argumente für Europa

Allerdings gibt es auch zwei Argumente gegen amerikanische Aktien: Das eine ist der Wechselkurs. Im Augenblick kostet der Euro gut 1,30 Dollar. Für die nächsten zwei Quartale rechnet die Helaba mit 1,35 Dollar und 1,40 Dollar. Wechselkursverluste würden für Anleger mögliche Kursgewinne schmälern.

Das andere Argument ist, dass europäische Aktien mehr Nachholbedarf aus dem vorigen Jahr haben könnten als amerikanische. Weil etwa der Dax wegen der Sorgen um den Euro stärker einbrach als amerikanische Indizes wie der Dow Jones, so Aktienstratege Reinwand. Wer glaubt, die Euro-Krise sei vorbei, könne daher mit deutschen Aktien besser auf eine Erholung spekulieren. Wer dagegen eine Eskalation in Europa befürchte, für den sei Amerika umso interessanter.

Spekulation auf Haushaltsgerätehersteller

An die Aktien großer Unternehmen wie Coca-Cola und McDonald's wagten sich hiesige Anleger auch voriges Jahr schon ran. "Jetzt aber kommt die Zeit der kleinen und mittleren Unternehmen", sagt Simon Böll, Portfolio-Manager bei Deka Investment. Das erweitere die Chancen.

Je nachdem, welche Teile der amerikanischen Wirtschaft als Erstes wieder anspringen, werden unterschiedliche Aktien profitieren. Wenn etwa der Verkauf neuer Häuser in Amerika sein altes Normalmaß bald wieder erreichen sollte, dürften auch Hersteller von Waschmaschinen, Kühlschränken und Geschirrspülern mehr Geschäft machen. Wer baut, kauft solche Geräte schließlich oft neu. Ein wichtiger Haushaltsgeräte-Anbieter ist Whirlpool aus Michigan. Die Whirlpool-Aktie ist auch in Frankfurt an der Börse notiert - das macht den Kauf für hiesige Anleger besonders einfach. Allerdings wird sie nicht sehr häufig gehandelt.

Vorsicht bei Autos

Wenn die Amerikaner wieder mehr Autos kaufen, wie Präsident Obama vermutet, dürften Ford und General Motors die Nutznießer sein. "GM hat sich seit dem Insolvenzverfahren stark gewandelt und schreibt das erste Mal seit mehr als einem Jahrzehnt Gewinne", sagt Adrian Brass, Fondsmanager bei Fidelity Investments. Trotzdem rät er zu Vorsicht. Noch sei unklar, ob die Opel-Mutter auch in Zukunft profitabel bleibe.

Unternehmen der zweiten Reihe, die gleichfalls von einem Autoboom profitieren könnten, sind zum Beispiel große Zulieferer. Eine Aktie, die Fondsmanager in diesem Zusammenhang gern nennen, ist American Axle. Das Unternehmen aus Detroit produziert unter anderem Achsen für die SUV genannten Geländewagen.

Wenn die Amerikaner wieder mehr Geld in der Tasche haben, merkt das auch Harley-Davidson: Der Kult-Motorradhersteller aus Milwaukee in Wisconsin, der in der Wirtschaftskrise in existentielle Schwierigkeiten geriet, konnte bereits von einer "Belebung" des Geschäfts berichten.

Und immer wieder Apple

Die wichtigste Stärke Amerikas aber ist die Fähigkeit seiner Wirtschaft, sich immer wieder neu zu erfinden. Wo es darum geht, innovativ zu sein, vor allem aber Trends zu setzen, da ist Amerika stark.

Das zeigt sich gerade am Erfolg von Apple. Die jüngsten Quartalszahlen sprengten alle Erwartungen: 37 Millionen iPhones verkaufte Apple, ein Plus von mehr als 100 Prozent. Der Kurs ging durch die Decke, die Aktionäre jubelten.

Ilga Haubelt, Fondsmanagerin bei Union Investment, meint: "Amerikanische Technik- und Software-Aktien werden sich weiter besonders gut entwickeln." Rund um das Internet und das Management großer Datenmengen gebe es nach wie vor viel Bedarf - und ein Ende der Entwicklung sei nicht abzusehen.

Anlegerservice

 

Kurs........................................... 447,28 Entwicklung 12 Monate....... 33,1 % KGV (9/2012).................................10,7 Börsenwert.......................... 417 Mrd. Gewinn/Aktie 2011...................... 35,1 2012/20013 (erwartet)......... 41,8/46,6 Angaben in Dollar Quelle: Datastream TREND: Apple überraschte gerade mit Spitzen-Quartalszahlen. Zwar kämpft das Unternehmen mit harter Konkurrenz fürs iPhone. Trotzdem läuft's.

Kurs........................................... 54,60 Entwicklung 12 Monate....... -39,3 % KGV (2012)......................................9,4 Börsenwert.......................... 4,2 Mrd. Gewinn/Aktie 9/2011.................... 4,56 2011/2012 (erwartet)......... 9,24/5,83 Angaben in Dollar Quelle: Datastream TREND: Whirlpool dürfte beim Absatz von Waschmaschinen und Kühlschränken profitieren, wenn die Amerikaner wieder mehr neue Häuser kaufen.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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