An diesem Dienstag feiert ein Mitglied der Dax-Familie seinen ersten Geburtstag: Zum 3. Januar vergangenen Jahres führte die Deutsche Börse AG den „German Entrepreneurial Index“ ein. Und gemessen am Wertzuwachs hat sich dieser Schritt gelohnt. Der kurz Gex genannte Index hat sich erheblich besser entwickelt als der Dax und sogar den MDax knapp geschlagen - trotz deutlicher Kursverluste von neun Prozent im Oktober. Bei dem Dividenden einbeziehenden Gex Total Return steht ein Kursgewinn von 38,3 Prozent zu Buche, während der Dax um 28,5 Prozent vorgerückt ist und der MDax ein Plus von gut 37 Prozent vorzuweisen hat.
Der Gex vereint die Aktien börsennotierter Familienunternehmen aus Deutschland. Unter ihnen sind mit Fresenius Medical Care und Henkel seit Anbeginn zwei Dax-Werte, mit Solarworld eine herausragend gelaufene TecDax-Aktie sowie die im SDax gelistete Vivacon, deren Wert sich binnen zwölf Monaten mehr als vervierfacht hat. Anders als der Dax konnte der German Entrepreneurial Index am letzten Handelstag 2005 mit 1.464 Zählern ein neues Jahreshoch markieren; dieses baute er gestern auf bis zu 1.476,7 Punkte aus.
Insofern können sich Anleger freuen, die mit einem Indexzertifikat auf den Gex gewettet haben. Allerdings steht dem kleinen Dax-Bruder die Nagelprobe noch bevor, wie Matthias Hüppe von HSBC Trinkaus & Burkhardt, einem Anbieter von Gex-Zertifikaten, meint. Der Derivateexperte spielt auf die Aussage der Unternehmensbertatung Intes an, nach der sich Familienunternehmen in Krisenzeiten besser schlagen als Publikumsgesellschaften. Zu dieser These passen Berechnungen der Deutschen Börse, nach denen der Gex seit Mitte 2002 stets mehr oder weniger besser gelaufen ist als der Dax.
Andere Vorgaben als bei Dax & Co.
Der Gex unterscheidet sich von anderen deutschen Aktienindizes in mehrfacher Hinsicht. Anders als bei Dax, MDax, TecDax und SDax sind für die Zugehörigkeit nicht die Marktkapitalisierung der nicht an Großaktionäre gebundenen Anteilscheine oder der Umsatz mit den Aktien an der Börse ausschlaggebend. Vielmehr sind die Eigentümerstruktur und die Dauer der Börsennotierung entscheidend: Aufgenommen werden deutsche Aktiengesellschaften, deren Eigentümer das Unternehmen selbst führen. Die Eigentümer müssen zwischen 25 und 75 Prozent der Aktien besitzen. Drittens darf ein Titel nicht länger als zehn Jahre gelistet sein. Zudem müssen die Aktien dem Prime Standard angehören, also die verschärften Berichtsregeln erfüllen.
Die Deutsche Börse überprüft alle drei Monate, ob die gelisteten Unternehmen die Anforderungen erfüllen und ob neu an die Börse gekommene Firmen in den Gex aufgenommen werden können. Dabei darf eine Aktie höchstens ein Indexgewicht von zehn Prozent erreichen, damit nicht wenige Titel den Gex dominieren. Zwar kann das Gewicht - wie derzeit bei Fresenius Medical Care und Henkel - im Verlauf von mehreren Wochen über diese Grenze steigen. Doch kappt die Börse in solchen Fällen den Indexanteil beim jeweils nächsten Überprüfungstermin.
Vor diesem Hintergrund hat der Gex trotz seiner kurzen Geschichte sein Gesicht schon verändert. Gehörten zum Start die Notizen von 117 börsennotierten Familienunternehmen an, so finden sich derzeit 108 Werte darin. Im Jahresverlauf aufgenommen worden sind unter anderem das Solarunternehmen Q-Cells, der Immobilienkredit-Vermittler Interhyp und der Fondsanbieter HCI Capital, die neu an die Börse gekommen sind.
„Eine schöne Beimischung“ im Anlegerportfolio
Der Gex ist bisher grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, wie Matthias Hüppe meint. Den Dax trotz der recht scharfen Korrektur im Oktober hinter sich gelassen zu haben, sei ein Pluspunkt. Andererseits hätten diese Kursverluste gezeigt, daß das Rückschlagspotential nicht zu unterschätzen sei. Und die noch zu klärende Frage sei, ob der Gex sich auch dann besser schlagen wird als der Dax, wenn der Wind an der Börse sich dreht. „Was passiert, wenn Märkte in die andere Richtung laufen? Bleibt es dann bei der geringen Korrelation?“, fragt Hüppe.
Gex-Zerfikate seien noch Nischenprodukte. Dies liege zum einen an dem nach der Indexeinführung abgeflauten Medieninteresse am Gex, zum zweiten habe es angesichts der Kursgewinne in Dax, MDax und SDax keinen Grund gegeben, Gelder in den Gex umzuschichten. Insofern ist der German Entrepreneurial Index aus Sicht von Hüppe „eine schöne Beimischung“ in einem Anlegerportfolio, muß sich aber erst noch bewähren.